Trump Hotel Las Vegas:Zu Gast in Trumps goldenem Traum

Das Luxushotel von Donald Trump in Las Vegas ist ein Protz-Schuppen. Wer hier absteigt, reist zurück in die Welt der Achtziger - und ins Ego des Kandidaten.

Von Matthias Kolb, Las Vegas

Das verstörendste Detail befindet sich auf der Toilette. Direkt neben der Schüssel hängt ein beiges Telefon mit langem Kabel. Geschäfte müssen überall erledigt werden können - das scheint die Botschaft an die Gäste in Donald Trumps Luxushotel in Las Vegas zu sein. 1232 Zimmer und Suiten gibt es im 189 Meter hohen, gold-glänzenden Turm. Wo "Trump" draufsteht - in diesem Hotel fast überall - ist auch Trump drin.

Obwohl das "Trump International Hotel Las Vegas" erst 2008 eröffnet wurde, erinnert alles in den 64 Stockwerken an das "Bling-Bling" der Achtziger. Eines der günstigeren Zimmer, der "Superior Room" im 30. Stock, ist 46 Quadratmeter groß. Alle Spiegelrahmen sind golden, die Sofakissen sind golden und auch das Design der schwarz-goldenen Trump-Kosmetik in der Dusche erinnert an die protzige Optik der Boss-Produkte, die vor 25 Jahren in deutschen Badezimmerschränken standen.

Dass Shampoo und Duschgel unverkennbar "nach Mann" riechen, wundert nicht: Alles im Trump-Hotel bläst sich zu wuchtiger Männlichkeit auf. Sogar der Schreibtisch-Stuhl ist so niedrig eingestellt, dass nur Menschen jenseits der 1,80-Meter-Marke dort bequem arbeiten können. Was in diesem Hotel "weiblich" wirkt, erfüllt keinen Zweck und ist schmückendes Beiwerk wie die silber-funkelnden Stelen in der Lobby.

Den Buchstaben T-R-U-M-P kann man nicht entkommen. Sie stehen natürlich über dem Hotel-Eingang, aber auch auf den Mini-Wasserflaschen und Wäsche-Plastiktüten im Zimmer. Und im Inneren des Mülleimers. Sonderangebote im Spa-Bereich heißen "Trumptations" - dass die Kaffee-Papierbecher einfach nur schwarz sind, ist fast eine Enttäuschung.

Auch wer nicht ständig verfolgt, wie der Immobilien-Mogul mit seiner Präsidentschaftskandidatur ganz Amerika polarisiert und die halbe Welt zwischen Staunen und Entsetzen schwanken lässt: Den Wahlkampf kann kein Hotelgast verdrängen. Wer weiß, dass Trump sehr ungern liest, den wundert es nicht, dass in den Badezimmerspiegel ein Fernseher eingebaut ist. Für ein wenig Infotainment oder den Wahlwerbespot zwischen Zahnpasta rausdrücken und Mundwasser gurgeln.

Am Eingang des "Trump Store" stapeln sich "Make America Great Again"-Kappen, hinten stehen die Pumps aus der Kollektion von Tochter Ivanka aufgereiht. Es gibt die (natürlich) goldenen Krawatten, mit "Made in China"-Etikett. Dazu steht ein halbes Dutzend Trump-Bücher zur Auswahl, von "Crippled America" bis "Midas Touch", sowie Unmengen an Golf-Zubehör. Touristen und Hotelgäste machen von jedem kleinsten Detail Fotos, aber das stört niemanden - das Mantra "schlechte PR gibt es nicht" hat Trump allen Angestellten eingetrichtert.

Latinos und Schwarze im Service, Weiße an der Rezeption

Wer die Berichte über Trumps sexistische Äußerungen und die Anschuldigungen von Frauen gegen ihn gelesen hat, zuckt zusammen, wenn die weibliche Stimme im Aufzug das "Pool Level" ansagt: Sie klingt fast anzüglich. Und der Zyniker im Gast meldet sich zu Wort: Ob Trump hier auch in alle Zimmer reinläuft, so wie angeblich früher vor den Miss-Wahlen in die Umkleidekabinen der Frauen?

Dass man sich im "Trump International Las Vegas" trotzdem wohlfühlt, liegt am exzellenten Service. Alle Angestellten sind freundlich und extrem aufmerksam; das Essen (wenig überraschend heißt das Restaurant DJT) und die Drinks sind großartig. Was Kellner und der Barmann über ihren Boss denken, würde man gern wissen, aber im Dienst darf natürlich niemand sprechen.

Es fällt auf, dass hinter der Rezeption nur Weiße stehen, während im Service-Bereich (von Kellnern und Zimmermädchen bis zu den Parkwächtern) nur Latinos, Schwarze und Asian Americans zu sehen sind. Weil sich Trump weigert, mit den Angestellten über die Gründung einer Gewerkschaft - und damit über höhere Stundenlöhne und bessere soziale Absicherung - zu verhandeln, sind Proteste kurz vor der nächsten TV-Debatte am Mittwoch geplant.

Trumps Hotel ist trashig, aber für Las Vegas nahezu eine Oase

Abends im Foyer hört man Französisch, Russisch oder Deutsch, und auch eine Kopftuch-Trägerin eilt vorüber. Einige Gäste tragen kurze Hosen und Sport-Trikots ihrer Lieblingsmannschaft im Restaurant. Andere putzen sich heraus, indem sie Baseball-Kappen mit glitzerndem "Paris"-Schriftzug aufsetzen. Das ist irgendwie trashig, doch verglichen mit anderen Las-Vegas-Hotels (vor allem jene mit integriertem Casino) ist das Trump-Hotel beinahe eine kleine Oase.

Und im Gegensatz zu Donald Trumps neuem Superluxus-Hotel in Washington (auch wenn dort ebenfalls Gold dominiert, ist das Design eleganter), in dem das günstigste Zimmer 700 Dollar kostet, ist eine Nacht in seinem goldenen Turm in Las Vegas unter der Woche halbwegs bezahlbar: Mit etwas Glück oder der nötigen Vorplanung gibt es Zimmer für 150 Dollar.

Doch der Aufenthalt im Trump Tower ist irgendwie politisch - zumindest im Jahr 2016. Da müssen sich Touristen in mehr als einer Hinsicht überlegen, ob er ihnen das wert ist.

© SZ.de/kaeb/mikö
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