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Trendsport:Kite-Surfen

Für diesen Höhenflug hat so mancher Surfer die Religion gewechselt. Der Trend aus Hawaii hat inzwischen auch Europas Gewässer erreicht.

Nicht nur an Hawaiis Stränden tauchen immer mehr "Dudes" (Ausdruck für Surfboys) mit Board und Kite unterm Arm auf: Auch in Europa hat das mit dem lenkdrachenartigen Gleitschirm Einzug gehalten. Am Gardasee, an Frankreichs Südküste oder auf dem Kite-Surfer-Mekka Teneriffa kann man akrobatische Grabs, Spins, Loops und bis zu 50 Meter weite Sprünge trainieren.

Die Schirme, auch Kites genannt, lassen den Surfer abheben.

Allein in Deutschland gibt es mindestens 25 Surfschulen, die Kite-Kurse anbieten. Nur die Schweiz ist tabu für Anhänger der neuen Trend-Sportart. Sie hat als erstes Land der europäischen Nation seit 1. Mai 2001 das Kitesurfen grundsätzlich verboten. Bei Übertretung drohen Geldstrafen bis zu 50.000 Mark.

Alles, was man zum Kiten braucht, sind Wind, Wasser, einen Schirm und ein Board. Das Brett ähnelt einer Mischung aus Wakeboard, Wasserski und Surfbrett. Der Schirm oder Kite, dessen Größe zwischen drei und 13 Quadratmetern variiert, hängt an etwa 20 - 30 Meter langen Schnüren. In unseren Breiten fern von der karibischen Wiege des Kite-Boardens schützt ein Neoprenanzug vor Kälte. Himmelstürmende Anfänger sollten außerdem einen Helm zu ihrer Ausrüstung zählen. Der Neupreis für einen flugfertigen Kite plus Untersatz rangiert um die 1500 Mark.

1984 entwickelten die Brüder Dominique und Bruno Legainoux aus Frankreich den ersten Lenkdrachen, der vom Wasser aus gestartet werden konnte. Seit sich Weltklassefahrer wie der Amerikaner Flash Austin und Surf-Legende Robby Naish, der sich bereits mit 13 Jahren Windsurfing World Champion nennen durfte, dem Kite-Surfen verschrieben haben, steigt der Sport im Bekanntheitsgrad.

In den vergangen Jahren haben sich drei Spielarten der Kites herauskristallisiert: Das Kiteski-System, mit einem starren gerahmten Drachen, der - einmal ins Wasser gefallen - mit einer Winde herangezogen werden kann. Das von Robby Naish mitentwickelte Wipika-System, ein mit Luftpolstern ausgestatteter Kite, der auch mit voller Leine aus dem Wasser starten kann. Und das Matten-System von F-One, Windtools (Mosquito) und OWL, dessen Kite durch mehr oder weniger verschlossene Kammern ebenfalls wasserstartfähig ist.

Um das Kiten spielerisch leicht aussehen zu lassen, braucht man nicht nur Kraft und Körperbeherrschung, sondern auch eine gesunde Portion Respekt vor Wind und Wellen. Vor allem Anfänger schneiden sich oft an Seilen, lassen sich vom eigenen Brett k.o. schlagen oder baumeln hilflos in den Bäumen. Vorsichtige Kiter suchen breite Strände mit wenig Leuten, meiden böige Winde und halten sich von anderen Wassersportlern (Windsurfer, Schwimmer) fern. Hilfreich bei Start und Landung ist die Unterstützung durch einen Zweiten an Land.