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Touristen-Guide in Berlin:"Ich habe alle verlorenen Touristen wiedergefunden. Bis auf einen."

Und auf Segway-Touren? Da ist schließlich noch mehr Technik im Spiel?

Das ist tatsächlich schwierig, weil sich Paare mit gehobenem Einkommen sowas als Praliné für ihn leisten: Sie durfte dafür in der Galeries Lafayette shoppen. Jetzt sind die Männer dran, und die wollen mit den Segways losrasen. Im schlimmsten Fall wissen sie von dem Speed Limiter, der die Geschwindigkeit des Segways begrenzt - und dass man den überlisten kann. Da muss ich manchmal autoritär werden und sie mit Fakten stoppen: Was so ein Gerät kostet, wenn man das zu Schrott fährt! 7000 Euro und mehr!

Auf Segways durch Berlin, mit Leuten ohne Fahrpraxis - eigentlich ein eher halsbrecherisches Geschäftsmodell. Wie viele Autos und Passanten haben Ihre Kunden bisher gerammt?

Passanten springen schnell genug aus dem Weg, vor allem Japaner schreien dabei richtig laut. Probleme mit Autos haben die Kunden weniger, sie scheitern eher an sich selbst: Segways sind anstrengender als die meisten denken. Da bekommen Kunden müde Beine wie beim Skifahren. Gerade nach der Kaffeepause verlieren einige die Kontrolle, die fahren dann mit dem Taxi zurück. Was manche aber auf fahrenden Segways veranstalten: Gerade vor dem Brandenburger Tor, wo es nur so wimmelt, filmen sie sich gegenseitig beim Fahren. Das ist katastrophal, die Leute nieten sich gegenseitig um. Bisher kamen bei mir aber noch alle mit Schürfwunden und dem Schrecken davon.

Welches Erlebnis während einer Tour bleibt Ihnen noch unvergessen?

Da gibt es so vieles ... Leute haben erzählt, wie sie aus der DDR geflohen sind. Reiche Gattinnen wollten mich zum Opernball verführen. Und am Anfang habe ich noch relativ viele Leute verloren. Wir fahren am Bahnhof Zoo los, folgen der Fanmeile, landen im Straßengewimmel von Mitte und schon fehlt einer. Und der hat immer, immer das Handy aus, das ist wie ein Gesetz. Also parke ich die Gruppe in einem Café und mache mich auf die Suche.

Haben Sie alle wiedergefunden?

Fast. Einen Schüler haben wir im Tiergarten verloren, der ist erst in der Jugendherberge wieder aufgetaucht. Hoffe ich.

Würden Sie selbst einem Stadtführer noch etwas glauben? Oder an einer Führung teilnehmen?

Tatsächlich war ich erst in der Würzburger Residenz. Die Führung fand ich ganz gut, aber an manchen Stellen war es zu fachsprachlich. Und manche Anekdote war doch ausgedacht! Aber eine fünfstündige Fahrradtour würde ich nicht mitmachen, das wäre mir zu riskant. Wer weiß, an wen man da gerät.

Dumme Touristenfragen II

"Kann ich den Zug nach Hawaii nehmen?"

Gut, dann verraten Sie doch bitte allen Tourverweigerern: Was ist für Sie der schönste Ort in Berlin?

Der schönste Ort vielleicht nicht, aber mein Herzensort ist der Rosenthaler Platz. Hier trifft Mitte und Wedding aufeinander, Models und Lieferantenfahrer, es gibt 24-Stunden-Dönerläden, Modekram, Galerien; hier sind Kreative und Hipster, die Kreative werden wollen. Und die kurze Fünf-Sekunden-Grünphase hält die Fußgänger in Bewegung. Im Café St Oberholz sitzen Expats, dadurch kommt ein bisschen Hemingway-Flair auf. Das ist Berlin, ziemlich krass und rauh.

Und was können sich Touristen sparen?

Checkpoint Charlie, das ist Geschichts-Disneyland für Amis.

"Where the Fuck is the Führer?", hat Sie ein amerikanischer Tourist mal gefragt. Also: Wo kommt man ihm in Berlin nun am nächsten?

In der Gertrud-Kolmar-Straße. Auf der Rückseite der Neuen Reichskanzlei sind ein Parkplatz und ein kleiner Spielplatz mit einem Krokodilskopf, der eine Kleinkindrutsche ist. Da war einer der Ausgänge des Führerbunkers. Und dort soll die SS versucht haben, die Leichen von Adolf Hitler und Eva Braun zu verbrennen. Weil aber die sowjetischen Truppen schon da waren und schossen, mussten sie die Körper wieder in den Bunker zerren. In der Gertrud-Kolmar-Straße stehen heute jeden Tag gegen 14 Uhr 200 Touristen und starren in den Sandkasten.

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