Tourismus und Umwelt Zukunft Flüssiggas?

Allein in diesem Jahr stechen in Deutschland sechs neue Hochsee-Kreuzfahrtschiffe in See. Am 7. Mai wird im Rahmen des Hamburger Hafengeburtstags auch die Aida Prima getauft. Das derzeit umweltfreundlichste Kraftwerk auf hoher See soll dank neu entwickelter Filter-Technologien 90 bis 99 Prozent der Emissionen von Rußpartikeln, Stickoxiden sowie Schwefeloxiden reduzieren. "Das umfassende Abgasnachbehandlungssystem auf der Aida Prima ist die kompakteste Anlage dieser Art weltweit. Sie wurde ohne Platzverlust in den bereits vorhandenen Maschinenschacht integriert. Das war technisch äußerst anspruchsvoll und mit umfangreichen Investitionen verbunden", sagt Jens Kohlmann, der als Vice President Innovation & Projects Carnival Maritime die Marken Aida, Costa und Costa Asia verantwortet.

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Ball über Bord

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Die Aida Prima ist das grüne Feigenblatt der Branche: "Wer heute noch die Investitionen in Abgastechnik und höherwertigen Kraftstoff scheut, handelt absolut fahrlässig", mahnt Leif Miller vom NABU: Bei der Vorstellung ihres aktuellen Kreuzfahrt-Rankings kritisierte er die fortdauernde Verweigerungshaltung von Marktgrößen wie Royal Caribbean und MSC Cruises. Die letztgenannten Italiener gaben allerdings vor wenigen Wochen bekannt, dass sie ab 2022 vier innovative Schiffe mit Flüssiggasantrieb (LNG) in Dienst stellen wollen. Aida Cruises hat bereits für 2019 und 2020 zwei Schiffe mit dem verflüssigten, tiefkalten Gas als Hauptkraftstoff bestellt. Die neuen Flaggschiffe sollen mehr als 5000 Passagiere beherbergen und rund 500 Millionen Euro kosten. Die Aida-Schwestergesellschaft Costa Crociere will zwei LNG-Kreuzfahrtschiffe für jeweils 6600 Gäste in Betrieb nehmen.

Flüssiggas scheint sich nach jahrelangem Für und Wider in der Branche zum Inbegriff für "green cruises", also umweltfreundliche Seereisen zu entwickeln. Werden die Dual-Fuel-Motoren mit Gas betrieben, arbeiten sie deutlich sauberer als bei der Nutzung von herkömmlichem Marinediesel mit 0,1 Prozent Schwefelgehalt. Es entstehen weder Schwefeloxide noch Rußpartikel, die Stickoxid-Emissionen sinken um bis zu 80 Prozent und die CO₂-Emissionen werden um 20 Prozent reduziert. Soweit die Theorie. Noch fehlen Erfahrungen aus der Praxis und vor allem fehlt die Infrastruktur für eine weltweite LNG-Versorgung in den Häfen. Die Aida Prima kann als erstes Kreuzfahrtschiff zumindest beim Hotelbetrieb im Hafen mit LNG betrieben werden. Das Gas wird per Tank-Laster am Kai angeliefert und dann über Schläuche in den Bauch des Schiffes für 3300 Passagiere gepumpt. Es geht bisher also kein Platz an Bord durch zusätzliche Treibstofftanks verloren.

Bei den genannten neuen Schiffen soll LNG künftig auch auf hoher See eingesetzt werden. Weil aus Sicherheitsgründen auch die gängigen Schiffstreibstoffe mitgeführt werden, sind für die Flüssiggastanks größere Umplanungen an Bord nötig. Die nächste Generation von Aida-Schiffen ab 2019/2020 benötigt für die LNG-Bunker eine Fläche von rund 3350 Kubikmeter. "Das entspricht einem Verlust von zirka 100 Kabinen im Crewbereich", erklärt Jens Kohlmann. Bei einem geplanten Einsatzzeitraum von 30 Jahren kostet die relativ saubere Abluft auf Dauer also richtig viel Platz - und Geld.

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