Tourismus Italien boomt als Hochzeitsland

Ein Brautpaar wird vor dem Kolosseum in Rom fotografiert.

(Foto: AFP)

Heiraten wie die Schweinsteigers und die Clooneys: Damit beim Ja-Wort die romantische Kulisse stimmt, fliegen Paare um die halbe Welt.

Von Oliver Meiler

Romantik hat eine Heimat, einen Genius Loci. Sie schwebt nirgendwo schöner als über den sanften, den schmiegsamen Hügeln der Toskana. Im Idealfall duftet Romantik nämlich nach Zypressen. Irgendwo zirpen ein paar Zikaden, aber nicht zu viele. Italien ist das beliebteste Hochzeitsland der Welt und die Toskana von allen italienischen Regionen die bevorzugte, wenigstens bei ausländischen Paaren, die sich das Vermählen weit weg von daheim überhaupt leisten können. Es kostet ja eine Kleinigkeit, wenn man dann noch die ganzen Freunde dabeihaben möchte. Die Anwesenheit so mancher Verwandten wiederum, und das ist ein großartiger Nebeneffekt, verhindert man mit den Strapazen der Reise. Es soll schließlich der schönste Tag im Leben sein.

8000 ausländische Festpaare zählt Italien im Jahr, schreibt die Zeitung Corriere della Sera. Das sind mehr als 150 jedes Wochenende. Am stärksten vertreten sind die Briten, dann kommen die Amerikaner, die Australier, die dafür immerhin um die halbe Welt fliegen, und die Deutschen. Der Corriere nennt Italien deshalb eine "Fabbrica dei matrimoni", eine Hochzeitsfabrik. Klingt nicht so romantisch. Doch in Zeiten sterbender Industrien und verrückter Haushaltspläne ist jede neue Fabrik mit vollen Auftragsbüchern eine schöne Sache. Fast eine halbe Milliarde Euro bringt der Hochzeitstourismus Italien jedes Jahr ein, mit steigender Tendenz.

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Ein sattes Drittel der Paare besiegelt seine Liebe also in der Toskana, vor allem in Siena und Umgebung, bei Brunello und Vernaccia. Gefolgt vom Veneto, wo natürlich Venedig und Romeo & Julias Verona besonders beliebt sind. Dann kommen die Lombardei, Kampanien mit Capri und Amalfi, und erst auf Platz fünf Latium mit Rom, wo sich die liebsten Orte für Hochzeitsfotos kleinräumig um das Kolosseum ranken. Noch eine Zahl: Pro Festgesellschaft rechnet die italienische Hochzeitsfabrik im Schnitt mit Ausgaben von 55 000 Euro. Da ist dann alles drin, die Unterbringung, das Essen, der Fotograf, die Miete prunkvoller Palazzi und die Ausleihe mittelalterlicher Kostüme, denn ja, auch der Trend zur Verkleidung wächst.

Man könnte jetzt lange darüber debattieren, wie stark dieses Phänomen mit dem neuen, schier unbändigen Hang der Menschen zusammenhängt, sich selbst in jeder Lebenslage möglichst glamourös in Szene zu setzen. Wie die Stars eben. Wie etwa die Paare George Clooney und Amal Alamuddin sowie Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanović, die beide in Venedig heirateten und damit die bunten Heftchen füllten. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass sich das Gemüt des Menschen hebt, wenn der Rahmen stimmt, die Zypressen duften, die Zikaden zirpen - die ganze Choreografie des Glücks.

Für viele Chinesen jedoch hockt alle Romantik im norditalienischen Sirmione, einer Kleinstadt am Gardasee mit Halbinsel, Thermalbad, einem imposanten Kastell und den berühmten Grotten des Catull. Vor einigen Jahren drehte das chinesische Fernsehen eine Reality-Show in Sirmione, mit Topmodels. Die Sendung hatte hundert Millionen Zuschauer. Seitdem wollen sehr viele Chinesen in Sirmione heiraten, am liebsten natürlich alle in der Burg.

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