bedeckt München 17°

Tonga in der Südsee:Königreich der Müßiggänger

Schließlich muss so ein Untertan mit umgerechnet etwa vier Euro am Tag über die Runden kommen. Den Monarchen zu kritisieren gilt als überaus unhöflich, sonst würde mancher Tongaer vielleicht längst laut darüber nachgedacht haben, ob der König nicht selber einen Sprung in der Schüssel hat.

Irgendwie geht einem bei diesem Gedanken die König-Ludwig-Fahne aus dem Büro des Honorarkonsuls nicht aus dem Kopf und die Mutmaßung darüber, dass eine gewisse Nähe des Monarchen zum verschrobenen Bayernkönig vielleicht nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

Die Operettendynastie Tongas hat jedenfalls eine lange Tradition. Schon der Vater des Monarchen, Tupou IV., liebte übermäßigen Pomp und machte vor allem wegen seiner Leibesfülle von 230 Kilo von sich reden. Während seiner 41-jährigen Regentschaft führten die Royals das Land wie einen Selbstbedienungsladen und entwickelten Geschäftsideen, von denen mancher treue Untertan wohl wünschte, das Königshaus hätte sie an einem Sonntag ausgebrütet, dann wären ihnen wegen des bestehenden Arbeitsverbotes wenigstens einige der absurdesten Eingebungen erspart geblieben.

Doch so bot man Industrienationen einen erloschenen Vulkan als Atomendlager an, wollte ohne Zustimmung des Volkes dessen Genpool an eine australische Biotech-Firma verschachern und die Nähe des Inselreiches zum 10.000 Meter tiefen Tongagraben schien wie gemacht, jährlich vier Millionen Liter Giftmüll gegen ein entsprechendes Entgeld zu verklappen. Zum Glück ist es nie soweit gekommen, doch hatte man auch mit den realisierten Projekten kein glückliches Händchen.

Für bis zu je 10.000 Dollar ließ das Königshaus Ende der 1980er Jahre 5000 Staatsbürgerschaften meist an Hongkongchinesen verhökern, die vor der Übernahme durch China eine neue Zuflucht suchten. Später war das Geld verschwunden, weil man auf einen amerikanischen Anlagehai reingefallen war.

Dann verhökerte man gedankenlos Schiffslizenzen und wunderte sich, dass bald die halbe Al-Quaida unter tongaischer Flagge über die Ozeane schipperte. Zum Millenniumwechsel ließ der König kurzerhand die Uhren seines Reiches vorstellen, damit Tonga als erstes Land das neue Jahrtausend erlebte, um dadurch das Geschäft mit den Touristen zu machen.

Wirtschaftlich hat dies das Inselreich nicht wirklich voran gebracht. Als 2005 die Landeswährung rasant an Wert verloren hatte, und die Minister des Kabinetts sich zum Ausgleich eine 80-prozentige Gehaltserhöhung zugesprochen und des Weiteren nur die Adeligen und die königliche Familie großzügig bedacht hatten, legten die Untertanen in einem siebenwöchigen Generalstreik das kleine Inselreich lahm.

Der kranke König versprach seinerzeit Reformen, zu denen es freilich nicht mehr kommen sollte. Nach dem Tod des dicken Königs Ende 2006 hat sein beim Volk unbeliebter Sohn Tupou V. die Geschäfte übernommen.

Ein heiratsunwilliger Playboy sei er, der lieber Geschäftsmann als König sein wolle und sich schon seit seiner Studienzeit in England und in der Schweiz mehr fürs Ausland als fürs eigene Volk interessiere, heißt es. Von den 30 Parlamentariern werden bislang nur neun vom Volk gewählt. Und als den Untertanen die längst versprochenen Reformen all zu schleppend voran gingen, gerieten im November 2006 die Demonstrationen für mehr Demokratie völlig außer Kontrolle.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema