bedeckt München 26°

Tipps von SZ-Korrespondenten:Nachtleben und Kniggefragen

Wo der Abend in Rom beginnt, wie es weitergeht und wie Sie sich im Gespräch sofort unbeliebt machen.

Städtetipps von SZ-Korrespondenten Rom

Ein Großteil des Nachtlebens von Rom spielt sich auf den Straßen ab.

(Foto: AFP)

Typisch für das Nachtleben in dieser Stadt ist...

... in Grüppchen in den Ausgehvierteln umherzuziehen, vor den Lokalen zu stehen, spät loszugehen. An Samstagen kann das Nachtleben auch noch um ein Uhr früh zu Stau am Tiberufer führen.

Hier beginnt der Abend:

Die Happy hour dauert in den meisten Lokalen bis 21 Uhr. Wenn es ein bisschen teurer sein darf und die Kleidung einem gehobenen Hotel angemessen ist, bestellen Sie Ihren Sundowner/ Aperitif auf der Dachterasse des Hotel Forum, schon der Ausblick reicht zum angeschickert werden. Oder warten Sie beim Aperitif in einem Café an der Piazza della Rotonda vor dem Pantheon, bis die Beleuchtung angeht. Das Gleiche empfiehlt sich vor der Kirche Santa Maria di Trastevere.

Oder spazieren Sie um die Piazza Navona und dann in eine der Weinbars in der Via del Governo Vecchio mit ihren originellen Läden. In Monti nimmt man einen ersten Drink in der Bottega del Caffè an der Piazza della Madonna dei Monti oder in der rustikalen Weinbar Ai tre scalini (es gibt auch Bier, Via Panisperna 251). Und dann muss man langsam entscheiden, ob die zum Aperitif gereichten Häppchen genug sind oder ob es Zeit zum Abendessen wird - was auch an Ort und Stelle möglich ist.

Dann ziehen Sie weiter ...

... nach dem Essen in Monti zum Beispiel ins Charity Café, wo meistens von Mittwoch bis Samstag Jazz gespielt wird. Nahe der Piazza Navona geht es zur Bar del Fico oder zum Restaurant der Bar del Fico gleich daneben. Oder man wechselt das Tiberufer und geht, am schönsten über den Ponte Sisto, nach Trastevere, wo sich Pubs, Bars und Restaurants dicht an dicht drängen. Nach dem Essen einfach weiter durch die Gassen ziehen.

Ausgefallen ist die nostalgische Rivendita Libri Cioccolata e Vino (Vicolo del Cinque 11a). Zwischen Büchern und altmodischen Lampen gibt es heiße Schokolade, Wein, Rum und auch Comedy-Einlagen. Bei jüngerem Publikum angesagt: Ny.lon, das ein bisschen cooler und schicker sein will als die meisten Bars in Trastevere. Origineller, angesagter und trubeliger ist aber Frenie frizioni beimTiberufer, eine ehemalige Werkstatt, in der viele auch schon zum Aperitif einlaufen.

Hier wollen alle rein...

Am Wochenende stehen Leute vor dem sich als Vip-Platz gebenden Nachtclub Gilda an (nahe der Spanischen Treppe).

Dabei ist es hier viel besser...

Draußen natürlich, auf den alten Plätzen und Gassen vor den Lokalen. Wer geht denn bei so einer Kulisse in die Disco? Wenn überhaupt, dann eher in der jungen Ausgeh-Szene um den antiken Scherbenhügel Monte Testaccio. Nahe am ehemaligen Schlachthof, in dem nun moderne Kunst ausgestellt wird, sind in der Via Galvani und in der Via di Monte Testaccio diverse Clubs wie Joia oder Hulalà. Vorsicht: Spätnachts sollte man in dieser Gegend nicht unbedingt alleine herumziehen.

Dies ist der beste Platz für den Sonnenaufgang:

Auf dem Pincio-Hügel (Park Villa Borghese) über der Piazza del Popolo; und natürlich auf dem Gianicolo. Etwas später am Morgen schmeckt dort dann auch schön ein erster Caffè mit Aussicht in der Bar Tasso (Höhe Krankenhaus Bambino Gesù). Und danach noch die Treppe hoch zur vom Blitz geschlagenen Tasso-Eiche, die an den Dichter Torquato Tasso erinnert und deren Besuch einst ein Muss für in Rom weilende Poeten war.

Knigge-Tipps für Rom:

Wer ordentlich oder gar schick angezogen ist, wird meist auch besser behandelt. Man sollte sich nicht kleiden, als ginge es zum Strand, nur weil es warm ist - schon gar nicht bei Kirchenbesuchen oder in besseren Lokalen. Auch wenn der Römer ruppig sein kann, Höflichkeit schätzt er sehr, also "Buon giorno" oder "Buona sera" (bereits nachmittags) und "Arrivederci", "Grazie" und "Per favore" nicht vergessen. Dafür reicht jedermanns Italienisch. Auch dafür, beim Zahlen nicht nach deutschem Wirtshausbrauch "pagare" zu rufen, sondern "il conto, per favore" oder "mi porti il conto, per favore". Wenn es keine formellen Anlässe oder offizielle Personen sind, stellen sich auch völlig erwachsenen Menschen oft nur mit Vornamen vor, dann hält man es dann am besten auch so. Das schließt die Anrede Sie nicht aus, aber ein schnelles Du ist auch nicht respektlos gemeint.

Mit diesen Sätzen kommen Sie überall zurecht:

"Scusi, mi sa dire dov'è ...? Entschuldigung, können Sie mir sagen wo ... ist?"

"Ma quant'è bella Roma - wie schön Rom doch ist".

"Pazienza/Coraggio, l'Italia ce la farà - Geduld/Mut, Italien wird das schon schaffen" (wenn es um die Eurokrise geht).

Darüber spricht man in Rom:

Zur Zeit über Geld - es wird weniger und alles teurer, die Steuern steigen, viele machen sich Sorgen. Auch darüber, ob Deutschland zu rigoros agieren könnte in der Eurokrise. Ansonsten gerne übers Essen und Kochen, das Wetter, besonders wenn es schlecht ist, und natürlich: Fußball.

Vorsicht, Fettnäpfchen! Sagen Sie bloß nicht:

Keinesfalls die lokalen Fußballclubs AS Roma und Lazio verwechseln - und auch nicht ihre Fans. Römer hören gerne Komplimente über ihre Stadt, mit Kritik lässt man ihnen besser den Vortritt. Wer schon beim kleinsten Anlass zur Beschwerde gleich mit dem ganzen empörten teutonischen Bierernst und Besserwissen auftritt, macht sich nicht beliebt. Das Meiste regeln Römer ja dann doch irgendwie - gerne unter Beibehaltung von Humor.