Tipps für New York Essen wie bei Großmutter

Wer einen Abstecher nach Asien machen möchte, ohne Amerika zu verlassen, kauft sich für fünf Dollar eine Eintrittskarte für den angegliederten "Chinese Scholar's Garden". Sämtliche Elemente des Gartens stammen aus der ostchinesischen Stadt Suzhou oder wurden dort gefertigt. Selbst die Steine sind importiert, die die kleinen Wege säumen. Alles, um ein möglichst authentisches chinesisches Garten-Erlebnis zu schaffen. Der Versuch scheint geglückt - zumindest halten die asiatischer Reisegruppen, die an einem Dienstagnachmittag den Scholar's Garden erkunden, sämtliche Details mit ihren Handykameras fest. Vom kleinen Bambuswäldchen über die geschnitzten Holztüren bis zu den Teichen, in denen (angeblich) Koi-Karpfen schwimmen.

Ein bisschen Asien in Amerika: der "Chinese Scholar's Garden" in Snug Harbor.

(Foto: imago/Xinhua)

Die Parkanlage im Nordosten von Staten Island ist am besten mit dem Bus zu erreichen (Linien S40, S44). Wer möchte, kann auch einen ausgedehnten Spaziergang dorthin unternehmen; mehr als einen farbenfrohen Großmarkt für Obst, Gemüse und Blumen sollte man am Straßenrand aber nicht erwarten.

Dauer: 1 bis 3 Stunden (auf der Anlage sind auch das Staten Island Museum und die Noble Maritime Collection untergebracht), Eintritt: frei, mehr Informationen gibt es hier.

Enoteca Maria

Die Inneneinrichtung ist Geschmackssache, das Konzept der "Enoteca Maria" aber äußerst charmant: Statt professioneller Köche stehen hier jeden Tag Großmütter am Herd. Auf die Frage, wie er auf die Idee für sein Restaurant gekommen sei, sagt Besitzer Jody Scaravella: "Trauer." Als innerhalb kurzer Zeit seine Eltern und Großeltern starben, suchte er einen Weg, sich ein Stück Familie zurückzuholen. "Ich wollte dieses Gefühl schaffen, das man hat, wenn die Oma zuhause gekocht hat und die ganze Familie zum Essen zusammenkommt."

Jeden Abend steht eine andere Hobbyköchin am Herd und bereitet eine Spezialität aus ihrem Heimatland zu. Mariella aus Venezuela, Diana aus Palästina, Dolly aus Sri Lanka (Für Hobby-Reiseführer: Staten Island hat den höchsten Anteil an Sri Lanker außerhalb des Inselstaats). Die Liebe, die Scaravellas "Nonnas of the World" in jedes Gericht stecken, kommt beim Gast an. Allein die frischgebackene Focaccia, die als kostenloser Appetizer gereicht wird, ist so gut, dass man glücklich heimgehen könnte, ohne einen weiteren Gang probiert zu haben. Was aber ein Fehler wäre.

Dauer: 1,5 Stunden, Kosten: ein Hauptgericht liegt zwischen 17 und 20 Dollar, mehr Informationen gibt es hier.

Lesen Sie hier eine ausführliche Restaurantkritik:

New York In diesem Restaurant sind Großmütter die Chefköchinnen
Besuch in der "Enoteca Maria" in New York

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Kann man das Gefühl zurückholen, das man als Kind am Esstisch hatte? Ein New Yorker versucht es. In seiner "Enoteca Maria" stehen Omas aus aller Welt am Herd.   Von Johanna Bruckner

National Lighthouse Museum

Seien wir ehrlich: Die Besichtigung eines Leuchtturm-Museums steht bei einem New-York-Besuch nicht oben auf der Agenda. Auch wenn es nur fünf Gehminuten von der Fähranlegestelle entfernt liegt. Aber wenn Amerikaner etwas wirklich gut können, dann überraschen: Die Leidenschaft, mit der einem Mitarbeiter Bobby anhand eines Plastikfolders das Gelände erklärt (einst der landesweit einzige "Baumarkt für Leuchttürme"), muss sich vor der eines MoMA-Kurators nicht verstecken. Im Museum gibt es unzählige Leuchtturm-Miniaturen aus aller Herren Länder zu bestaunen (unter anderem ein Exemplar aus China mit geschwungenen Dächern). Es wird erklärt, warum das äußere Erscheinungsbild eines Turmes genauso wichtig war wie eine starke Linse (tagsüber halfen charakteristische Merkmale wie ein auffälliger Anstrich den Seeleuten bei der Orientierung). Und herausragende Leuchtturmwärter-Persönlichkeiten werden porträtiert.

So zum Beispiel die deutschstämmige Kate Walker, die zunächst ihrem Mann zuliebe 1883 auf die Leuchtturminsel Robbins Reef im New Yorker Hafen zog - und zwei Wochen lang ihre Koffer und Kisten nicht auspackte. Aus Protest gegen ihre neuen Lebensumstände. Doch als sich einige Jahre später ihr schwerkranker Mann mit den Worten "Mind the light, Kate" von ihr verabschiedete, trat die nicht mal 1,60 Meter große Frau das Erbe an. Mehr als 30 Jahre arbeitete Kate Walker als Leuchtturmwärterin auf Robbins Reef. Zunächst für die Hälfte des Lohns, den ein männlicher Leuchtturmwärter damals bekam. Als sie mit 73 Jahren in Rente ging, kaufte sie sich ein kleines Häuschen in Staten Island. Mit Garten - und noch wichtiger - Blick auf ihre alte Wirkungsstätte, Robbins Reef. Kate habe auch nach ihrer Pensionierung 1919 auf das Licht im Turm aufgepasst, sagt Museumsmitarbeiter Bobby nicht ohne Rührung.

Dauer: ca. 1 Stunde; Eintritt: 5 Dollar für Erwachsene; Kinder unter 12 Jahren sind frei, mehr Informationen gibt es hier.

Flagship Brewery

Von Brooklyn bis Staten Island - die New Yorker sind stolz auf ihre Bierkultur. Als Gast aus Deutschland ist es da das Mindeste, die hiesigen Hopfenprodukte zu probieren. Das geht zum Beispiel samstags in der Flagship Brewery, die von der Fähranlegestelle St. George in einer Viertelstunde zu Fuß zu erreichen ist. Eine personalisierte Führung durch die Brauerei gibt es nur bei vorheriger Anmeldung (über die Homepage) - als Entschädigung für diesen kleinen Planungsaufwand ist die anschließende Verkostung im Eintrittspreis von fünf Dollar enthalten.

Wer eine Grundlage braucht: Quasi auf dem Weg liegt der St. George Greenmarket, ein jeden Samstag stattfindender Bauernmarkt. Achtung, nur etwas für Frühaufsteher: Der Markt schließt um 14 Uhr!

Dauer: nach Absprache, Eintritt: 5 Dollar, mehr Informationen gibt es hier.

So gestärkt - und mental erholt - lässt sich dann auch das Schlangestehen für die Überfahrt zurück nach Manhattan besser ertragen. Außerdem weiß man ja: Jeder kommt aufs Boot.

Tipp: Das Journalisten-Paar Christina Horsten und Felix Zeltner hat mit seiner kleinen Tochter in den vergangenen 14 Monaten jeden Monat in einem anderen New Yorker Viertel gelebt - vorletzte Station war Staten Island. Ihre Erlebnisse haben sie auf dem Instagram-Account NYC12x12 dokumentiert.

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