Thailand:Massage mit dem Knüppel

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Eine Thai-Massage kann ziemlich brutal sein. Vor allem, wenn die Masseurinnen Häftlinge sind, die bei der Arbeit von Wärtern bewacht werden. Doch das von Stacheldraht umgebene Frauengefängnis in Chiang Mai ist ein Anziehungspunkt für Touristen.

Christine Dohler

Mit einem Holzknüppel bearbeitet En, Häftling im Frauengefängnis von Chiang Mai, meine Sohlen. Ich schreie auf. Sie lächelt und fragt: "Tickl?" Ja, es kitzelt. Ziemlich. Eine Stunde lang massiert die 22-jährige Frau meine Füße. Knetet, drückt ihren kleinen Holzstab auf die Fußsohlen.

Mal eben durchkneten lassen und dabei entspannen - nicht bei der Thai-Massage. (Foto: Archivbild: AFP)

Nebenan wird eine amerikanische Touristin auf einer Matte gefoltert. Die Masseurin stampft mit einem Fuß auf ihr Bein, zieht dann den Oberkörper der Frau nach hinten. Eine Thai-Massage sieht von außen betrachtet brutal aus. Weil das Ganze noch dazu in einem fensterlosen Raum in der Nachbarschaft eines Gefängnisses stattfindet, müsste man sich eigentlich Sorgen machen.

Doch das von hohen Mauern und Stacheldraht umgebene Frauengefängnis steht in Chiang Mai, einem Anziehungspunkt für Touristen, die im bergigen Norden des Landes wandern gehen wollen. Hohe Mauern und Stacheldraht umgeben das Gebäude. Die 1400 Häftlinge können sich mit Weiterbildungsprogrammen auf das Leben nach der Haft vorbereiten und zusätzlich Geld verdienen, indem sie Thai-Massagen anbieten.

Direkt gegenüber des Gefängnisses steht ein unscheinbarer Bau, in dem in einem Zimmer Stühle nebeneinander gereiht sind. Davor knien die Masseurinnen und kneten die Füße von Einheimischen und Touristen. Eine von ihnen ist En. Sie hat eine Thai-Massage-Ausbildung von mehr als 100 Stunden absolviert, bevor sie Besucher massieren durfte. Eine einstündige Massage kostet knapp fünf Euro, davon geht die Hälfte an sie.

Normalerweise schließt man bei einer Massage die Augen und lässt sich in die Entspannung fallen, doch hier ist es nicht sonderlich gemütlich: Vor der Tür patrouillieren Wärterinnen und schauen vorbei, wenn es innen mal etwas zu laut knallt. Die Wände sind kahl bis auf Blumen und Schmetterlinge, die jemand darauf gemalt hat. Man sitzt auf Plastikstühlen, im Hintergrund läuft thailändische Popmusik.

"Im Gefängnis ist es nicht schön"

Warum sitzt Du hinter Gittern, En? En lächelt erst einmal, sie trägt noch Zahnspange, sowie eine rosa Leinenhose mit einem rosa-weißen Hemd - wie alle zehn Masseurinnen. In ihrem langen Haar steckt eine schleifenförmige Spange. "Kokain", sagt sie nur, ihr Englisch ist nicht sehr gut.

Zu neun Monaten ist sie wegen Drogenmissbrauchs verurteilt worden, zwei Monate muss sie noch in einer Zelle mit 25 anderen Frauen ausharren. "Zum Glück bin ich bald frei, im Gefängnis ist es nicht schön", sagt sie leise. Sie kann ihre Freiheit gar nicht mehr abwarten und weiß genau, was sie dann machen will: Jedenfalls nichts mit Drogen und Touristenfüßen.

En will IT studieren, ein neues Leben beginnen. Das mit den Massagen verdiente Geld wird ihr dabei sicher behilflich sein - so war die kleine Folter nicht umsonst.

© SZ vom 25.08.2011 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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