Tel Aviv Mal schnell nach Israel

Tage vor dem Start konnten Teilnehmer des Eurovision-Songcontests den VIP-Service nutzen. Begrüßt wurden sie von Netta, der Vorjahresgewinnerin.

(Foto: AFP)

Der größte Flughafen des Landes, Ben Gurion, bietet seit Kurzem einen eigenen VIP-Service. Der hat allerdings seinen Preis. Politiker, Spitzenmanager und Reisende in Privatjets sollen das neue Angebot nutzen können.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Wer vom israelischen Flughafen Ben Gurion abreist oder dort ankommt, kennt das: lange Warteschlagen. Zusätzlich zu den auf Flughäfen üblichen Prozeduren gibt es eine Befragung, was man in Israel machen wird oder gemacht hat. Das dauert. Deshalb ist der Rat an Reisende, mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Bei der Ankunft muss man mit einer Stunde rechnen, ehe alles geschafft ist.

Ganz anders als in dem von Billigfliegern genutzten älteren Terminal 1 und dem neueren Terminal 3 ist die Atmosphäre im Fattal-Terminal. Wie in einer Lounge gibt es in dem teakholzgetäfelten Raum bei leiser Musik Speisen und Getränke, Bildbände in englischer Sprache über Design und Architektur sowie einen riesigen Screen. Wären dort nicht die kommenden Abflüge angezeigt, würden vor dem Fenster nicht Flugzeuge stehen: Man könnte sich in einer Hotellobby wähnen.

Im VIP-Terminal Fattal nehmen Angestellte dem Passagier das Einchecken ab, auch um sein Gepäck muss er sich nicht selbst kümmern. Der für die Befragung zuständige Mitarbeiter der Sicherheitskräfte kommt direkt zu jedem einzelnen Passagier, ob man nun in der Lounge sitzt, sich in einem der sechs Privaträume aufhält oder sich in eines der drei Schlafzimmer zurückgezogen hat. Kurz vor Abflug werden dann im gleichen Gebäude Handgepäck und Pass kontrolliert. Statt Stunden zu warten, ist das Procedere binnen weniger Minuten erledigt. Wer will, kann noch in einem Duty-Free-Laden einkaufen. Dann wird der Passagier mit einer Limousine direkt zum Flugzeug gebracht. Auch bei der Ankunft wird der Gast schon am Flugzeug abgeholt und dann durch die eigene VIP-Sicherheitskontrolle geschleust. Die Wartezeit kann in der Lounge überbrückt werden, während ein Flughafen-Mitarbeiter das Gepäck aus der Haupthalle abholt.

Das neue, 1300 Quadratmeter große Fattal-Terminal ist erst seit 16. Mai geöffnet. Ein Pre-Opening gab es aus Anlass des Eurovision-Songcontests. Die Delegationen reisten bereits Tage vor der Eröffnung am 14. Mai an. Sie wurden von der israelischen Vorjahresgewinnerin Netta am Rollfeld begrüßt und konnten dann durch dieses Terminal einreisen. Dass es den neuen VIP-Service mit 30 eigenen Mitarbeitern am größten Flughafen Israels gibt, muss sich aber offenbar erst herumsprechen. Fünf Tage nach der Eröffnung warten am Vormittag nur zwei britische Manager hier auf ihren Abflug.

Die Fattal-Gruppe, die 205 Hotels in 18 Ländern - darunter 41 in Israel - betreibt, hat die Ausschreibung gewonnen. Nun darf sie in den nächsten zehn Jahren das Terminal betreiben. Umgerechnet 4,5 Millionen Euro wurden investiert, um das zuvor als Lagerhalle genutzte Gebäude zu einem modern designten VIP-Terminal umzufunktionieren.

Politiker, Spitzenmanager, Reisende in Privatjets sollen das neue Angebot nutzen

Dieser besondere, rund um die Uhr gebotene Service hat seinen Preis: 395 Dollar pro Passagier sind fällig für die erste Person, 250 für eine mitreisende zweite. Bei jedem weiteren Reisenden wird es günstiger. Wer einen Privatraum benutzen will, muss 475 Dollar zahlen - für zwei Stunden. Für die Crews von Privatjets gibt es eigene Räume.

Wie Shani Shiferman, Generalmanagerin des Fattal-Terminals erläutert, sind die Zielgruppen Reisende in Privatjets, Spitzenmanager, die in der Business- oder First-Class anreisen, sowie Wirtschafts- und Politikerdelegationen. Rund 20 000 Passagiere sind 2018 per Privatjet in Israel angekommen - ein Anstieg um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Shiferman, die sechs Jahre lang die Dan-Lounges am Flughafen Ben Gurion und das nun geschlossene bisherige VIP-Terminal Massada geleitet hat, sieht einen steigenden Bedarf aufgrund des hohen Sicherheitsstandards, des Wunsches nach mehr Privatsphäre und des strengeren Zeitmanagements, dem Manager und Politiker unterliegen.

Eine spezielle Zielgruppe sind Manager, die nur für eine Besprechung anfliegen und dafür Räumlichkeiten im VIP-Terminal anmieten können. Laut Shiferman rechnet man mit rund 45 000 Passagieren pro Jahr, die das Fattal-Terminal nutzen. 25 Millionen Passagiere werden dieses Jahr insgesamt erwartet. "Wir wollen den Reisenden die Ankunft und die Zeit bis zum Abflug so angenehm wie möglich gestalten."