Südtirol:Bewusste Entscheidung für den schottischen Weg

Der Familie Ebensperger war die Whisky-Nachfrage jedenfalls Grund genug, etwas zu wagen. Sicherlich ist es kein Zufall, dass die erste Whisky-Brennerei Italiens von einem eher fachfremden Schlösser-Restaurator und seiner generell noch fachfremderen Familie aus einer reinen Liebhaberei heraus gegründet wurde. Aus dem Trentino habe Ebensperger junior beispielsweise von einem der Grappa-Brenner, die sich eigentlich auf Hochprozentiges verstehen, gehört: "Whisky hat hier nichts verloren."

Nur lässt sich die Globalisierung der Whisky-Welt nicht aufhalten, nicht einmal von Grappa-Brennern aus dem Trentino. "Wir haben uns bewusst dazu entschieden, den schottischen Weg zu gehen", sagt Ebensperger. Eine mehr als 100 Jahre alte Getreidemühle wurde für viel Geld von der Insel ausgelöst. "Da hätten wir uns auch zwei Porsches dafür kaufen können."

Auch die Brennblasen lieferte eine schottische Firma, Forsyths, wobei diese gewissermaßen der Porsche unter den Brennblasen-Produzenten ist. Unbezahlbar war der Gedankenaustausch mit den schottischen Besuchern.

Glurns Whisky Puni

Das Brennerei-Equipment stammt aus Schottland.

(Foto: Dominik Prantl Anne Gabl)

Flüssige Vinschgerl

Andererseits geht es in der globalen Whisky-Welt nicht ohne eine lokale Note, ob man diese nun als südtirolerisch, italienisch oder kontinentaleuropäisch bezeichnet. Gelagert wird das Destillat in Marsalafässern aus Sizilien. Die Gerste kommt aus Bayern, aber ein Großteil des Weizens und natürlich vor allem der komplette Roggen wurde im Vinschgau geerntet.

"Nach Roggenbrot ist Whisky das Beste, was man aus dem Getreide machen kann", findet Ebensperger. Roggenlaiberl aus dem Vinschgau kommen als Vinschgerl, fladenförmige Miniaturbrote mit Kümmel, auf den Tisch und sind mittlerweile ein eigener Markenname. Das flüssige Vinschgerl des Familienunternehmens aus Glurns heißt Puni und leitet sich aus dem Namen eines naheliegenden Baches ab.

Und dann ist da die Destillerie selbst, ein 13 Meter hoher Kubus aus 5500 roten Betonziegeln, der eher an eine überdimensionale Obstkiste erinnert als an eine schottische Destillerie. Sie liegt in einem Industriegebiet, das so aussieht wie alle Industriegebiete zwischen Schottland und Sizilien, immerhin aber mit Ausblick auf ein paar Apfelbäume, den Ortler und die Kirche der historischen Innenstadt. Die dort zu findenden Scheunenfenster aus Ziegeln hätten Pate bei der Architektur des Glurnser Brennkubus gestanden, nicht Obstkisten.

Whisky Puni Vinschgau

Überdimensionierte Obstkiste? Von der Destillerie hat man Ausblick auf ein paar Apfelbäume.

(Foto: Puni Destillerie)

Selten war Alkohol so gut gebunkert

Außerdem sagt Jonas Ebensperger natürlich diesen Satz, den jeder Whisky-Hersteller im Repertoire führt: "Ohne unser Klima ließe sich unser Whisky so nicht herstellen." Durch die eisigen Winter und die heißen Sommer reife das Destillat schneller. Dabei liegt ein Teil der Fässer in drei angemieteten Militäranlagen mit vier bis sechs Meter dicken Betonwänden. Selten war Alkohol so gut gebunkert.

Whisky Puni Vinschgau

Gut gebunkert: die Whisky-Fässer

(Foto: Puni Destillerie)

Ob sich all das gelohnt hat, wird das nächste Jahr zeigen. Dann kommt der erste Puni-Whisky auf dem Markt, der sich nach dreijähriger Reifezeit auch wirklich so nennen darf. Bislang gibt es nur Vorläuferprodukte von der Coffee Cream bis zum Aquavite di Cereali. 30 000 bis 50 000 Flaschen werden es dann sein, eine recht überschaubare Menge.

Schon jetzt meint Ebensperger: "Wenn die Amerikaner hören, dass es einen Whisky aus Italien gibt, müssen wir wohl Kontingente vergeben." Manche sind nämlich der Meinung, dass Whisky noch vor dem Brot das Beste ist, was man aus Getreide machen kann.

Informationen

Anreise: Der sehenswerte Ort Glurns, mit weniger als 1000 Einwohnern eine der kleinsten Alpenstädte, liegt etwa eine Stunde westlich von Meran und ist am besten mit dem Auto über Landeck und den wegen des Reschensees spektakulären Reschenpass zu erreichen.

Die Destillerie: Puni Destillerie, Am Mühlbach 2, 39020 Glurns, Italien, Telefon: 00 39/04 73/83 55 00, www.puni.com

© SZ vom 25.09.2014/sks/cat
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