Südtirol Wie der Whisky nach Italien kam

So schön golden kommt der italienische Whisky ins Nosing-Glas.

(Foto: Puni Destillerie)

Die Schotten kamen in Badehose, doch in Südtirol standen sie im Schnee. Ihre Mission: die erste Whisky-Brennerei Italiens aufbauen. Nun kommt das Getreide im Vinschgau nicht nur ins Kümmel-Brot, sondern auch ins Nosing-Glas.

Von Dominik Prantl

Vor gut drei Jahren, im April 2011, rückten also die Schotten in der kleinen Stadt Glurns im Vinschgau an. Sie kamen mit Badehosen und T-Shirts, denn der Auftrag hieß, der ersten Whisky-Destillerie Italiens auf die Beine zu helfen. Da greift man schnell zur Badehose, weil Italien schließlich das Land ist, wo die Zitronen blühen und wo das Leben ansonsten dermaßen süß ist, dass es nur aus Strandurlaub und lauen Sommerabenden besteht.

Im Zitronenland angekommen, staunten die Badehosen-Schotten dann nicht schlecht. "Bei uns lag ja noch Schnee", sagt Jonas Ebensperger. Er weiß das genau, denn seine Familie hatte die Schotten nach Glurns geholt.

Auf den ersten Blick passt Whisky nicht so recht nach Italien. Wein und Grappa ja, vielleicht noch Limoncello, eine Art Alkopop aus dem Südwesten des Landes für all jene, die aus dem Alkopop-Alter raus sind. Doch das Vinschgau ist ein merkwürdiges Tal, das schon allein deshalb nicht so recht nach Italien passt, weil es in Südtirol liegt.

Die Sonne ist zwar ein verlässlicher Gast und zeigt sich hier häufiger als in manch südlicher gelegenen Orten, aber statt der Zitronen blühen vor allem Äpfel und Aprikosen; besonders gut gedeiht auch der Roggen. Das Vinschgau ist außerdem das Tal der Kastanien und Schlösser und - wie das so bei Tälern manchmal der Fall ist - der Berge. Deshalb sagt Ebensperger: "Wir sind die Highlands Italiens."

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Südtirol und Schottland: Fremdeln und Bockigkeit

Gut, die Gipfel sind hier bis um das Vierfache höher als das schottische Gebirge, im Falle des Ortlers enden sie erst auf knapp 4000 Metern; aber es geht ja nicht nur um reine Höhenangaben, sondern um ein gemeinsames Gefühl. Schottland erinnert Ebensperger generell an Südtirol - oder auch andersrum, und er meint damit das Fremdeln in einem Staat, zu dem man irgendwie nur zu 55 Prozent gehören will, und wahrscheinlich auch die gelegentlich bis häufig auftretende Bockigkeit als bestimmender Charakterzug der Bewohner.

Jonas Ebensperger entspricht allerdings nicht dem Klischee des Südtirolers - und auch nicht dem des Whisky-Brenners. Er hat nach dem Studium Musik in Deutschland gemacht, ziemlich spezielle Musik, wie er selber sagt, eher am Rechner als instrumental. Er sagt: "Ich bin von der brotlosen Kunst dazu übergewechselt, aus Brot Kunst zu machen." Dann zögert er kurz und schiebt nach: "Gut, das war jetzt a bisserl pathetisch."

Quereinsteiger: Jonas Ebensperger ist von brotloser Kunst zu Kunst aus Brot gewechselt.

(Foto: Anne Gabl)

Als er eines Tages nach Südtirol zu Besuch kam, habe sein Vater Albrecht jedenfalls in einer Art "Alchimistenkeller" gesessen. Der Senior hat als Kunsthistoriker nicht nur ein Händchen für alte Gebäude - unter anderem sanierte der Baumeister das Messner-Museum Sigmundskron in Bozen -, sondern auch einen Sinn für das Geschäft und als Sommelier eine Vorliebe für gute Getränke. "Von ihm kam die Idee, aus dem einheimischen Roggen etwas zu machen", meint sein Sohn.

Japaner räumen Preise für ihre Whisky-Kreationen ab

Dabei war man früher eigentlich der Meinung, dass guter Whisky meist aus Gerste herstellt wurde, und zwar dort, wo die Menschen den Whisky noch wie Whisky aussprechen: in Schottland oder Irland oder vielleicht gerade noch in Kentucky, wobei sich die Amerikaner meistens mit Mais behelfen.

Inzwischen räumen die Japaner reihenweise Preise für ihre Whisky-Kreationen ab, und in Deutschland werden selbst für junge Single Malts von oberbayerischen Seen horrende Preise verlangt - und bezahlt. Der letzte Beweis, wie unglaublich trendy Whisky mittlerweile sein soll, ist wohl der, dass er angeblich schon wieder von anderen Trendgetränken wie dem Gin abgelöst wurde, wie trendsettende Autoren von Lifestyle-Postillen meinen beobachtet zu haben.