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Südtirol:Lieber drin

Das neue Hotel Feuerstein im Pflerschtal verleitet dazu, die Natur außen vor zu lassen.

Von Hans Gasser

Abends um 22.30 Uhr kommt man zufällig am "Matsch Room" vorbei. Das ist ein ziemlich großer, an zwei Seiten verglaster Indoor-Sandkasten. Darin spielen zwei etwa vierjährige Kinder unter Kunstlicht im Matsch, den sie mittels Wasserpumpe erzeugt haben. Sonst ist hier im Keller niemand zu sehen. Ob die zwei von ihren Eltern vergessen wurden?

Könnte leicht passieren, denn Ablenkung gibt es in diesem gerade neu eröffneten Hotel, das sich "Feuerstein Nature Family Resort" nennt, genug. Das Haus wurde in nur acht Monaten von einem kühnen Investor aus Sterzing für 25 Millionen Euro weitgehend neu gebaut, hat dabei seine Zimmerzahl auf 90 fast verdoppelt. Es steht trotz seines riesigen Bauvolumens relativ verträglich in der Gebirgslandschaft, am Ende des schönen, aber rauen Pflerschtals in Südtirol. Hier ist das Wetter nicht immer so, wie man es braucht. Mal hat es minus 14 Grad. Dann drückt der Nordwestwind Regen oder Schnee über den nahen Brenner ins Tal herein. "Deshalb haben wir überlegt, wie wir Familien die Zeit auch bei Schlechtwetter angenehm machen können", sagt Stephanie Ganterer, die das Hotel zusammen mit ihrer Mutter Anna Gross seit acht Jahren führt.

Feuerstein Nature Family Hotel

Spielen wie früher: In der Hotelscheune ist das möglich, einen Stock höher gibt es auch noch eine Holzwerkstatt.

(Foto: Alex Filz/Feuerstein)

Die beiden Frauen haben sich einiges einfallen lassen. Natur und natürliche Materialien sind ihnen wichtig. So ist vom alten Hotel als eines der wenigen Gebäude die "Spielscheune" stehen geblieben, ein großzügiger Holzbau: Aus ein paar Metern Höhe können die Kinder wie in einem richtigen Stadel ins Heu hüpfen, was sie dann auch euphorisch und ohne Unterlass tun. Unter dem Dach wird der Heuduft vom Holzgeruch abgelöst, dort ist die Holzwerkstatt. An sehr langen Tischen und mit schönem Blick auf das verschneite Dorf St. Anton und den Dreitausender Tribulaun können Kinder hier zusammen mit ihren Eltern Schwerter, Schmetterlinge oder den Stern von Bethlehem aus Holz basteln. Hausmeister Michael Rainer sägt alles vor und gibt Tipps. Es wird geraspelt und geschmirgelt was das Zeug hält, manchmal von den Vätern eifriger als von den Kindern.

Schneiderhof Sarntal

Das neu gebaute Hotel liegt am Fuß des wilden Pflerscher Tribulauns.

(Foto: Hans Gasser)

Die Natur draußen wäre natürlich auch einige Ausflüge wert, man könnte zum Rodeln auf die Allrissalm, ins wenige Kilometer entfernte Skigebiet Ladurns oder eine Winterwanderung machen. Wie aber soll man das seinem Fünfjährigen schmackhaft machen, der sich kaum entscheiden kann zwischen Heuhüpfen, Holzwerkstatt, Malatelier und diversen Wasserrutschen im Schwimmbad? Und dann wäre da noch die Frau, die eingedenk des dreistöckigen "Mountain-Spas" samt Heu- und diversen anderen Saunen auch nicht gerade einen starken Zug zum Berg entwickelt.

Schneiderhof Sarntal

Bei schlechtem Wetter können die Kinder im sogenannten Matsch Room spielen.

(Foto: Hans Gasser)

Also fügt man sich. Schließlich ist die angebotene Kinderbetreuung auch nicht zu verachten. Und so sitzt man zwischen hellen Holztäfelungen, die frei von Hirschgeweihen sind, auf bunten Designsesseln, liest endlich in Ruhe sein Buch und fragt sich im Stillen, warum ein Hotel, das die Natur im Namen führt, am Ende dazu verleitet, die Natur außen vor zu lassen.

Morgen wird aber Ski gefahren. Ganz bestimmt!

DZ p. P. mit Dreiviertelpension ab 144 Euro, Kinder je nach Alter ermäßigt, www.feuerstein.info

© SZ vom 21.12.2017
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