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Südafrikanischer Sommelier Gregory Mutambe:Nach oben geschmeckt

Gregory Mutambe arbeitete als Gelegenheitsarbeiter, als sein Chef bemerkte: Er hat einen ausgezeichneten Geschmackssinn.

(Foto: DOOK)

Wein war in Südafrika lange ein Genussmittel der privilegierten Weißen, produziert von besitzenden Weißen. Gregory Mutambe hat es dennoch geschafft, zu einem der führenden Sommeliers am Kap aufzusteigen.

Von Peter Linden

Eigentlich will Gregory Mutambe diese Geschichte gar nicht erzählen. Weil solche Geschichten nicht mehr passieren sollten im modernen Südafrika. Weil sie nicht ins Bild einer zunehmend offenen Gesellschaft passen. Und weil sie so gar nicht passen zum Leben des jungen Mannes aus Simbabwe, der binnen zehn Jahren zu einem der bekanntesten Sommeliers Südafrikas aufgestiegen ist und den Weinfundus eines der exklusivsten Luxushotels in Kapstadt verwaltet. Und doch ist sie passiert, diese Geschichte. Eine Montagsverkostung mit achtköpfiger Jury, die Herrschaften, fast allesamt weißer Hautfarbe, probieren einen durchschnittlichen Weißwein. Auf einmal fixiert eine ältere Dame aus der Jury Gregory Mutambe und sagt: "Aufregend ist dieser Wein nicht. Aber immerhin ist er weiß." Mutambe und die restlichen Jurymitglieder bevorzugen zu schweigen. "Es sind dieselben", sagt der 32-Jährige wenige Wochen später, "jene, die Angst vor dem Ende der Apartheid hatten, haben noch immer Angst."

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