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Hotel in Japan:Sind Roboter die besseren Gastgeber?

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Japan

Wenn Roboter ein Hotel führen

Ein Plastikdinosaurier am Check-In, und auch sonst alles automatisch: Kann das gutgehen? Ein Besuch im ersten Roboterhotel der Welt.

Im Süden Japans steht das erste Roboterhotel der Welt. Ein Selbstversuch.

Er hat spitze Zähne, seine Haut schimmert braun-beige und mit seinen gelben Augen blinzelt er in den Raum. Nicht die vertrauenswürdigste Erscheinung, um am Empfang eines Hotels zu sitzen. Der weiße Liftboy-Hut auf dem Kopf soll ihm vermutlich etwas Glaubwürdigkeit verleihen, doch es sieht lächerlich aus. Bis er anfängt sich zu bewegen. Vor Schreck fällt einem die Tasche aus der Hand.

Es kommt nicht oft vor, dass man sich in seinem Leben entscheiden muss zwischen einer Frau und einem Dinosaurier. Beide stehen am Empfang des "Henn-na" Hotels im Süden Japans, dem "Seltsamen" Hotel, sie sollen die Gäste einchecken. Aber die junge Dame kann nur Japanisch, der Dino hingegen begrüßt auch auf Englisch.

Leider verstehen wir uns trotzdem nicht. Den eigenen Namen wieder und wieder zu nennen, führt zu keinem Erfolg. Er verweist an den Monitor neben ihm, da soll man jetzt bitte den Namen eintippen. Der Dino wackelt mit dem Kopf, er bedaure, es liege leider keine Reservierung vor. Kurz bevor man die Rückreise wieder antreten möchte, steht da ein kleiner dicker Mann. Ein echter Mann. Er lächelt und entschuldigt sich und lächelt und entschuldigt sich - und überreicht schließlich den Zimmerschlüssel.

Roboter können alte Menschen pflegen und Cocktails mixen. Aber sind sie gute Gastgeber?

Das Henn-na Hotel ist das einzige Roboterhotel der Welt und Teil des Freizeitparks Huis Ten Bosch, der so tut, als wäre man mitten in den Niederlanden mit Windmühlen und Grachten, Stadttor und Kopfsteinpflaster. Im Juli dieses Jahres eröffnete das Hotel sein erstes Gebäude mit 72 Zimmern (DZ ab ca. 300 Euro). Die Betreiber wollen beweisen, dass Roboter sich gut im Hotelgewerbe machen. Aber sind sie auch gute Gastgeber? Roboter können ja inzwischen so einiges: Sie pflegen alte Menschen, bedrucken Fingernägel, jäten Unkraut, mixen Drinks, geben den Wachhund und schaukeln Kinder in den Schlaf.

Dann also mal los, die Herren Roboter. Damit die Koffer auf dem Zimmer landen, stellt man das Gepäck auf ein Wägelchen, gibt die Zimmernummer ein und wartet, dass das Ding - begleitet von kreischend-lauter Werbung auf dem Monitor - losrattert. Allerdings langsam. So langsam, dass man es nicht aushalten kann, auch wenn man ein geduldiger Mensch wäre. Wer versucht, den Roboter zu überholen, wird angemotzt. Der Wagen bleibt stehen und fängt an zu piepsen. Fehlt nur, dass er sich auf den Boden wirft und zu schreien beginnt.

Der einzig fleißige Roboter nervt: Er macht das Licht auch an, wenn man sich nur kurz im Bett dreht

Im Zimmer wird man von einer Figur im rosafarbenen Kleid auf dem Nachttisch begrüßt, die aussieht wie ein umgedrehter Backenzahn. Das Ding soll wecken und das Wetter ansagen. Doch es plappert ohne Unterlass. Auch dann, wenn man morgens aus der Dusche kommt und längst vergessen hat, dass man einen redseligen Mitbewohner hat. Der Concierge in der Lobby hingegen, ein rot-weißer Roboter, nicht größer als eine Thermoskanne, bleibt stumm, egal wie sehr sich der Gast bemüht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Dafür wiederholt das Plüschvieh am Eingang brav seine Begrüßungsfloskel und kann sonst: nix. Der einzige, wenn auch unsichtbare Roboter, der sich wirklich bemüht, ist der Licht-Roboter. Er schaltet das Licht dort an, wo man gerade ist. Leider ist er so fleißig, dass er auch nachts arbeitet - wenn man sich im Schlaf dreht.

Gute Gastgeber also? Eher nicht. Wo sind die Roboter, die einem morgens eine Tasse Tee ans Bett bringen, die Vorhänge zur Seite ziehen und nach dem Duschen ein Handtuch reichen? Ein Roboter erweist sich dann doch noch als nützlich. Er arbeitet im Freizeitpark nebenan, aus einem Container heraus verkauft er Eis. Mit elegant fließenden Bewegungen schnappt er sich eine Waffel, füllt das Softeis hinein und garniert es mit ein paar Tropfen Erdbeersoße. Für umgerechnet zehn Euro. Der Abzocker in der Kiste grinst frech. Roboter sind doof, das möchte man jetzt gern jemandem Echten sagen. Wo ist der kleine dicke Mann, wenn man ihn braucht?