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Streik bei Germanwings:Diese Rechte haben Passagiere

Germanwings

Ein Airbus A319 von Germanwings.

(Foto: dpa)

An diesem Donnerstag und Freitag streiken Germanwings-Piloten, Flüge in ganz Deutschland sollen ausfallen: Bekomme ich eine Entschädigung, falls mein Flug nicht geht? Wie gelange ich trotzdem ans Ziel? Mein Termin droht zu platzen, weil der Flug verspätet ist - kann ich zurücktreten?

Fliege ich oder fliege ich nicht, müssen sich Flugpassagiere in Deutschland zum Ende dieser Woche wieder fragen. Im Tarifstreit bei der Lufthansa hat die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit für Donnerstag und Freitag Arbeitsniederlegungen bei der Tochtergesellschaft Germanwings angekündigt. Bestreikt werden sollen zwei Tage lang rund um die Uhr alle Abflüge aus Deutschland.

Betroffen von den Streiks ist diesmal ausschließlich die Lufthansa-Tochtergesellschaft Germanwings. Deren Kunden können sich hier über ihren Flugstatus informieren. Am Mittwoch wurde ein erster Sonderflugplan auf der Website veröffentlicht. Dutzende Flüge werden allein am Donnerstagvormittag gestrichen, insgesamt sollen jedoch mehr als 60 Prozent der geplanten Flüge stattfinden. Dafür würden sich Piloten aus dem Management ins Cockpit setzen, teilte die Airline mit. Zudem habe Germanwings Flugzeuge und Crews anderer Fluggesellschaften angemietet und buche Passagiere auf Flüge von Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines um. Insgesamt werde Germanwings daher mehr als 80 Prozent aller gebuchten Gäste an ihr Ziel bringen können, kündigte das Unternehmen an.

Welche Rechte haben Reisende im Streikfall? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

  • Ist mein Flug vom Streik betroffen?

Erste Ansprechpartner an Streiktagen sind Reiseveranstalter und Fluggesellschaft. So bietet die Muttergesellschaft Lufthansa auf ihrer Website aktuelle Informationen zu An- und Abflügen von allen deutschen Flughäfen. Passagiere können auch unter "Meine Buchungen" auf der Germanwings-Seite prüfen, ob ihr Flug betroffen ist. Bei Daten aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben. Weitere aktuelle Informationen und eine Hotline stellt die Germanwings hier auf ihrer Website zu Verfügung .

  • Welche Ansprüche haben Passagiere, wenn ihr Flug verspätet abfliegt?

Wer wegen des Streiks auf dem Flughafen festsitzt, muss von der Airline betreut werden. Das können Betroffene gemäß der EU-Richtlinie 261/2004 erwarten: Ab zwei Stunden Verspätung haben sie Anspruch auf Leistungen wie zwei Telefonate, zwei E-Mails, Getränke, Essen und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Die zweistündige Wartezeit gilt für Flüge von bis zu 1500 Kilometern. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es nach drei Stunden Unterstützung, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden.

Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere vom Beförderungsvertrag zurücktreten und eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

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Der Flug ist verspätet oder hebt gar nicht ab, aber die Airline weigert sich, eine Entschädigung zu zahlen. Auf diese drei Arten können Passagiere dennoch einen Ausgleich erzielen - doch nur ein Weg ist garantiert kostenlos.

  • Müssen Passagiere für die Betreuungskosten zunächst selbst aufkommen?

Die EU-Richtlinie sieht vor, dass die Betreuung kostenlos bereitgestellt wird. Das klappt aber oft nicht. Sollte die Airline trotz Nachfrage keine Betreuung bereitstellen können, muss sich der Fluggast selbst um Verpflegung und möglicherweise ein Hotelzimmer kümmern. Dann ist es wichtig alle Belege aufzubewahren, um die Kosten anschließend der Fluggesellschaft in Rechnung stellen zu können. Diese Kosten sind verschuldensunabhängig. Die Airline muss dem Fluggast also helfen, egal ob die Verspätung durch eine Aschewolke, einen Sturm oder eben einen Streik der Flugbegleiter entstanden ist.

  • Bekommen Fluggäste eine Entschädigung für annullierte Flüge?

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung von drei Stunden oder mehr haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Der BGH hat entschieden, dass dazu auch Streiks zählen und Airlines daher nicht zur Entschädigung verpflichtet sind. Komplett ausgeschlossen sind Ausgleichszahlungen trotzdem nicht. "Entscheidend ist, ob die Airline alle zumutbaren Maßnahmen getroffen hat, um die Auswirkungen des Streiks zu vermeiden", sagte Ronald Schmid, Professor für Luftverkehrsrecht in Dresden. "Die Airline muss sogar eine Umbuchung zu einem anderen Veranstalter vornehmen, wenn es möglich ist". Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Übernachtung im Hotel übernehmen. Nur wenn sie im Einzelfall vor Gericht nachweisen könne, dass sie alles versucht habe, müsse sie keinen Ausgleich zahlen, sagt Reiserechtler Schmid.

  • Muss ich trotz Streik pünktlich am Flughafen sein?

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft kurzfristig einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.