Verdi-Streik an Flughäfen Das müssen Passagiere wissen

Nichts fliegt mehr? Flugzeug auf dem Rollfeld am Münchner Flughafen

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Verdi bestreikt am Mittwoch Warnstreiks sechs große Airports, Zehntausende Fluggäste sind betroffen.
  • Betroffen sind die Flughäfen in Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund und Hannover-Langenhagen.
  • Bestreikt werden etwa Check-In, Werkstätten, Luftsicherheitskontrollen sowie Vorfeld, Fracht, Gepäck und Verwaltung.
  • Beim Ausweichen auf die Schiene kann die Fahrt länger dauern als sonst, da auf einem Teil der Hochgeschwindigkeitstrecken der Bahn Bauarbeiten für Verzögerungen sorgen.

Welche Rechte haben Reisende beim Streik? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

  • Ist mein Flug vom Streik betroffen?

Erste Ansprechpartner vor und an Streiktagen sind Reiseveranstalter und Fluggesellschaft. So bieten etwa Air Berlin auf ihrer Homepage und die Lufthansa hier auf ihrer Website aktuelle Informationen zu An- und Abflügen von allen deutschen Flughäfen, inklusive einer Liste der gestrichenen Flüge, Hotline-Nummern und Informationen zu möglichen Umbuchungen und Stornierungen. Passagiere können auch unter "Meine Buchungen" auf der Lufthansa-Seite prüfen, ob ihr Flug betroffen ist. Bei Daten aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben. Haben Kunden bei Lufthansa ihre Handynummer hinterlegt, informiert die Airline sie auch per SMS.

  • Kann ich gratis umbuchen?

Etwa bei Lufthansa und Eurowings können Passagiere einmalig kostenlos umbuchen. Das gilt für Fluggäste, die für den 27. April ein Ticket von Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines oder Brussels Airlines haben und von, nach oder über Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln, Dortmund oder Hannover reisen wollten. Das Ticket muss vor dem 22. April ausgestellt worden sein und das neue Reisedatum vor dem 31. Mai liegen. Außerdem müssen Abflugs- und Ankunftsort und die Serviceklasse beibehalten werden, damit das Umbuchen gratis bleibt.

Auch Eurowings bietet dies für die Mittwochs-Flüge von oder nach Düsseldorf, Köln, Dortmund oder Hannover zu ähnlichen Konditionen an - das neue Reisedatum muss hier vor dem 15. Mai liegen.

  • Welche Ansprüche haben Passagiere, wenn ihr Flug verspätet abfliegt?

Wer wegen des Streiks auf dem Flughafen festsitzt, muss von der Airline betreut werden. Das können Betroffene gemäß der EU-Richtlinie 261/2004 erwarten: Ab zwei Stunden Verspätung haben sie Anspruch auf Leistungen wie zwei Telefonate, zwei E-Mails, Getränke, Essen und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Die zweistündige Wartezeit gilt für Flüge von bis zu 1500 Kilometern. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es nach drei Stunden Unterstützung, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden.

Flugreisen So kommen Fluggäste zu ihrem Recht
Flugreisen

So kommen Fluggäste zu ihrem Recht

Der Flug ist verspätet oder hebt gar nicht ab, aber die Airline weigert sich, eine Entschädigung zu zahlen. Auf diese drei Arten können Passagiere dennoch einen Ausgleich erzielen - doch nur ein Weg ist garantiert kostenlos.

Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere vom Beförderungsvertrag zurücktreten und eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

  • Müssen Passagiere für die Betreuungskosten zunächst selbst aufkommen?

Die EU-Richtlinie sieht vor, dass die Betreuung kostenlos bereitgestellt wird. Das klappt aber oft nicht. Sollte die Airline trotz Nachfrage keine Betreuung bereitstellen können, muss sich der Fluggast selbst um Verpflegung und möglicherweise ein Hotelzimmer kümmern. Dann ist es wichtig alle Belege aufzubewahren, um die Kosten anschließend der Fluggesellschaft in Rechnung stellen zu können. Diese Kosten sind verschuldensunabhängig. Die Airline muss dem Fluggast also helfen, egal ob die Verspätung durch eine Aschewolke, einen Sturm oder eben einen Streik der Flugbegleiter entstanden ist.

  • Bekommen Fluggäste eine Entschädigung für annullierte Flüge?

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung von drei Stunden oder mehr haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Der BGH hat entschieden, dass dazu auch Streiks zählen und Airlines daher nicht zur Entschädigung verpflichtet sind. Komplett ausgeschlossen sind Ausgleichszahlungen trotzdem nicht. "Entscheidend ist, ob die Airline alle zumutbaren Maßnahmen getroffen hat, um die Auswirkungen des Streiks zu vermeiden", sagte Ronald Schmid, Professor für Luftverkehrsrecht in Dresden. "Die Airline muss sogar eine Umbuchung zu einem anderen Veranstalter vornehmen, wenn es möglich ist". Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Übernachtung im Hotel übernehmen. Nur wenn sie im Einzelfall vor Gericht nachweisen könne, dass sie alles versucht habe, müsse sie keinen Ausgleich zahlen, sagt Reiserechtler Schmid.

Reiserecht Welche Rechte haben Reisende in der EU?
Nach dem Bahn-Urteil

Welche Rechte haben Reisende in der EU?

Die Deutsche Bahn muss ihre Kunden künftig auch bei Verspätungen, die durch Unwetter oder Streik verursacht wurden, entschädigen. Anders sieht es bei Reisen mit Flugzeug, Bus und Schiff aus. Ein Überblick.

  • Muss ich trotz Streik pünktlich am Flughafen sein?

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft kurzfristig einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.