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Strandräubermuseen in den Niederlanden:Piraten am Strand

Früher war Strandräuberei für die Bewohner der niederländischen Nordsee-Inseln lebensnotwendig. Heute liefern sich die "Jutter" ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Strandwächtern, wer zuerst wertvolles Treibgut entdeckt. Manche Funde landen nicht auf dem Schwarzmarkt, sondern im Museum.

"Wir spielen das Katz-und-Maus-Spiel", gibt Jules van Meel freimütig zu. Jules lebt auf der niederländischen Nordseeinsel Texel und ist Jutter: ein Strandräuber. Gegenspieler der Jutter sind die sechs Strandwächter, die am 28 Kilometer langen Nordstrand von Texel darauf achten sollen, dass alles angespülte Strandgut zu den rechtmäßigen Besitzern gelangt. "Meistens sind wir Jutter schneller", sagt Jules van Meel mit einem Augenzwinkern.

Was das Meer hergibt - Strandräubermuseen in den Niederlanden

Das Museum in Oudeschild zeigt, was alles an Land gespült wird: Rettungsringe, Plastikhandschuhe, Fernsehgeräte, Schutzhelme der Arbeiter von Ölbohrinseln, Glasflaschen mit Flaschenpost, Schuhe und Rettungswesten.

(Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn)

Jutter streifen nachts am Strand umher auf der Suche nach allem, was die Nordsee anspült und verwertbar erscheint. Manchmal zeigen sie ihre Funde im Strandräubermuseum. Insbesondere auf den fünf niederländischen Watteninseln Texel, Vlieland, Terschelling, Ameland und Schiermonnikoog galt das Aufsammeln von Strandgut in alten Zeiten als lebensnotwendig. So wurde das angespülte Treibholz zum Häuserbau und zum Heizen genutzt.

"Strandgut sammeln hat eine lange Tradition. Im Alter von sechs Jahren hat mich mein Opa zum ersten Mal zum Juttern an den Strand mitgenommen", erinnert sich Jules van Meel, der im Maritim- und Jutters-Museum in Oudeschild als Museumsführer Besuchern die Geschichte der Strandräuberei vermittelt. Das Museum im Hafendorf Oudeschild auf Texel existiert seit 30 Jahren.

Auf 4000 Quadratmetern gibt die Sammlung Einblicke in das Leben der Fischer und Bauern auf der größten niederländischen Nordseeinsel. Ein Bereich ist den Schaustücken der Strandräuberei vorbehalten: Rettungsringe, Plastikhandschuhe, Fernsehgeräte, Radios, Schutzhelme der Arbeiter von Ölbohrinseln, Hunderte Glasflaschen mit Flaschenpost, Schuhe, Rettungswesten - und Zigaretten. Vom März 2011 stammen die Gauloises-Zigarettenstangen-Packungen.

"Sie waren wohl in einem Container, der im Nordseesturm über Bord ging", vermutet Jules. Manchmal platzen die stabilen Stahlboxen auf und der gut verpackte und somit unbeschädigte Inhalt wird zur Beute der Strandräuber. So war es auch im Jahr 1993, als etliche Container mit Zigaretten der US-Marke Hollywood an den Stränden von Texel und der östlichen Nachbarinsel Vlieland landeten. Auf dem Schwarzmarkt sollen etliche der noch unverzollten Zigarettenstangen verhökert worden sein.

Wind und Wellen begünstigen das Treiben der Strandräuber auf den Watteninseln. Nur 35 Kilometer nördlich der Eilande verläuft eine der meist befahrenen Schifffahrtsrouten der Welt zwischen der Straße von Dover und den deutschen Nordseehäfen. "Die kritische Zone in der Nordsee ist das VL-Center", berichtet Jutter Dirk Bruin den Besuchern auf der Insel Vlieland im Informatiecentrum De Noordwester, das ebenfalls eine umfassende Sammlung von Strandgut zeigt.