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Strandgeschichten III: Brighton:Kieselsteine auf geröteter Haut

Heiße Sommer kommen in England nicht besonders häufig vor. In Brighton erwartet den Badegast ein sehr britisches Programm.

Kürzlich hatten die Engländer diese sonderbare Hitzewelle mit knapp über dreißig Grad in der Sonne; Sky News berichtete den ganzen Tag über, was passiert, wenn es noch heißer würde. Dann könnte es erste Tote geben, sagte der Moderator, und da hat man als deutscher Zuschauer gemerkt, dass die Engländer selten heiße Sommer erleben.

Großbritannien Seebad Strand Brighton, Getty Images
(Foto: Foto: Getty Images)

Jedenfalls sind in diesen Tagen viele Londoner runter nach Brighton gefahren, wo der Strand aus geschliffenen Kieselsteinen besteht und wo aus dem nostalgischen Pferde-Karussell ununterbrochen "Morning Sky" und "Die süßesten Früchte" erklingt.

Bevor die Mittagshitze schwere Hautschäden verursacht, wackeln kleine britische Mädchen in Prinzessin-Lillifee-Kleidchen mit Jane-Austen-Häubchen zum Wasser und zeigen lachend auf den halligallitechnisch hochgerüsteten Brighton-Pier mit dem stählernen Riesenkrake, der so aussieht, als würde er seine kreischenden Gäste gleich in hohem Bogen aus den Sitzen in den Atlantik schleudern. Dort werden sie dann von den irren Typen mit ihren Jetskis untergepflügt.

Ja, solche Phantasien kann einer haben, wenn er von morgens bis abends an diesem angenehm bevölkerten Strand sitzt.

In einem Reiseführer findet sich der Hinweis, Engländer bauten keine Sandburgen - ein Wink, dass man als Deutscher ebenfalls davon Abstand nehmen sollte.

Was nicht erwähnt wird: Engländer legen sich leere Getränkeflaschen zurecht, die sie mit Kieselsteinen zu treffen versuchen. Manchmal treffen sie aber nicht die Flasche, sondern den Mann, der lesend im Deck Chair sitzt. Oder besser: bis eben dort saß. Denn, by Jove, jetzt steht er auf und fixiert den Steinewerfer, der noch gar nicht weiß, dass er gleich eine Handvoll Brighton-Beach-Kieselsteine auf der sonnenverwöhnten Haut spüren wird.

© SZ vom 7.8.2009/dd
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