bedeckt München 14°

Stiertreiben in Pamplona:Hemingways blutige Fiesta

Beim San-Fermín-Fest in Pamplona werden jeden Morgen Kampfstiere durch die Menschenmenge zur Arena getrieben. Direkt neben ihnen laufen Einheimische und Touristen, bewaffnet mit zusammengerollten Zeitungen. Nach etwas mehr als drei Minuten werden die Verletzten gezählt. Wie der Tag für die Stiere endet, steht schon vorher fest.

8 Bilder

Traditionelles Stiertreiben in Pamplona

Quelle: REUTERS

1 / 8

Beim San-Fermín-Fest in Pamplona werden jeden Morgen Kampfstiere durch die Menschenmenge zur Arena getrieben. Direkt neben ihnen laufen Einheimische und Touristen, bewaffnet mit zusammengerollten Zeitungen. Nach etwas mehr als drei Minuten werden die Verletzten gezählt. Wie der Tag für die Stiere endet, steht schon vorher fest.

Unter den blutigen und gefährlichen Touristenattraktionen ist das Fest San Fermín im nordspanischen Pamplona eines der bekanntesten: Vom 6. bis 14. Juli wird hier viel gefeiert, noch mehr getrunken - und am Morgen gerannt. Dann müssen die Stiere, die am Abend von Toreros getötet werden, über das rutschige Pflaster bis zur Arena rasen.

Traditionelles Stiertreiben in Pamplona

Quelle: REUTERS

2 / 8

Einst wurden die Stiere von der Weide außerhalb der Stadt von Hirten zum Kampfplatz gebracht. Doch seitdem Ernest Hemingway das Rennen mit den Stieren 1926 in seinem Roman Fiesta (The Sun Also Rises) verklärt hat, laufen immer mehr Touristen vor und neben den verängstigten Tieren her. Allein mit zusammengerollten Zeitungen dürfen sie die Stiere auf Abstand halten.

Traditionelles Stiertreiben in Pamplona

Quelle: REUTERS

3 / 8

Jeden Morgen um acht Uhr beginnt der Stierlauf ("Encierro" genannt, weil die Straßen der Altstadt entlang der Rennstrecke abgesperrt sind) und etwa drei Minuten später, wenn die bis zu 700 Kilogramm schweren Tiere die Arena erreicht haben, beginnt auch das Zählen der Verletzten. Seit 1924 starben 15 "Mozos", wie die Läufer genannt werden.

Traditionelles Stiertreiben in Pamplona

Quelle: Getty Images

4 / 8

Die Strecke bis zur Arena ist etwa 850 Meter lang und führt auf rutschigem Kopfsteinpflaster durch enge Gassen. Wenn ein Stier stürzt und den Kontakt zu den anderen Tieren verliert, wird er besonders gefährlich. Mit jeweils sechs Kampfstieren laufen acht Ochsen, die sie bis zum Stadion geleiten sollen - die harmloseren Ochsen sind an den Glocken um den Hals zu erkennen. Nach zwei Minuten werden weitere drei Ochsen aus dem Gatter gelassen, die die Strecke als eine Art "Auskehrer" ablaufen, falls ein Stier nicht bis zur Arena durchgerannt ist. Er soll sich dann wieder den anderen Tieren anschließen, statt weiter auf die Zuschauer loszugehen.

Traditionelles Stiertreiben in Pamplona

Quelle: AFP

5 / 8

Unter der Woche laufen etwa 2000 Menschen mit den Stieren, samstags und sonntags sogar 3500. Jedes Jahr werden dabei zwischen 200 und 300 Läufer verletzt, "nur drei Prozent von ihnen ernst", heißt es auf der Homepage der Stadt. Insgesamt werden zu dem Fest jährlich bis zu eine Million Besucher erwartet - ein großer Wirtschaftsfaktor für die Stadt. In der Woche zu Ehren von San Fermín findet auch ein Kulturprogramm mit Konzerten, Umzügen, Theater und Ausstellungen statt. Doch während für viele Einheimischen die kirchliche Prozession am 7. Juli der eigentliche Höhepunkt des religiösen Festes ist, stehen für Touristen das Stierrennen und die abendlichen Kämpfe in der Arena im Zentrum des Geschehens - und die Feiern davor, währenddessen und danach.

Traditionelles Stiertreiben in Pamplona

Quelle: REUTERS

6 / 8

Es liegt jedenfalls nicht nur an der Enge, dass es zu Verletzten kommt, auch wenn Betrunkenen die Teilnahme am Stierrennen untersagt ist. Und während die Zahl der menschlichen Verwundeten von Tag zu Tag variiert, steht das Schicksal der Kampfstiere von Beginn an fest: Am Abend haben sie ihren letzten, unfreiwilligen Auftritt in der Arena.

Traditionelles Stiertreiben in Pamplona eröffnet

Quelle: AFP

7 / 8

Am 6. Juli eröffnet der Bürgermeister von Pamplona pünktlich zum Mittagsläuten das Fest beim "Chupinazo", die Menge schwenkt rote Halstücher und schüttet Wein und sonstige alkoholische Getränke über und in sich. Nach der Eröffnung sammeln Straßenreiniger 30.000 Kilogramm Glas auf dem Platz ein.

Traditionelles Stiertreiben in Pamplona eröffnet

Quelle: AFP

8 / 8

Es gibt eine weitere Tradition: Am Tag vor der Eröffnungsfeier protestieren auf der Plaza Consistorial Tierschutzorganisationen gegen die Stierhatz.

© Süddeutsche.de/kaeb
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema