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Stierrennen in Spanien:Rinder-Wahnsinn in Pamplona

Jeden Morgen um acht Uhr werden wieder Stiere unter den Schreien der Zuschauer durch Pamplona gehetzt, begleitet von Läufern, die manche für wagemutig halten. Eines steht fest: Die Stiere sterben in dieser Woche auf jeden Fall.

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Stiertreiben in Pamplona

Quelle: AFP

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Jeden Morgen um acht Uhr werden wieder Stiere unter den Schreien der Zuschauer durch Pamplona gehetzt, begleitet von Läufern, die nur manche für wagemutig halten. Anderen fallen dazu andere Begriffe ein. Eines steht fest: Die Stiere lassen ihr Leben auf jeden Fall.

15 Menschen starben seit 1922 beim Lauf mit den Stieren durch die Gassen von Pamplona. Jedes Jahr gibt es zwei- bis dreihundert Verletzte, "davon nur drei Prozent schwer", heißt es auf der Tourismus-Webseite der spanischen Stadt Pamplona. Das "nur" ist tatsächlich großgeschrieben, schließlich ist die Stierhatz zu einer Attraktion mit weltweiter Anziehungskraft geworden - Ernest Hemingway sei Dank: Der Schriftsteller schrieb im Roman Fiesta aus dem Jahr 1926 über das wilde Stiertreiben zur Feier von Pamplonas Schutzpatron San Fermín und machte es weltberühmt. Hemingway war selbst mit den Stieren gerannt, zahlreiche Touristen machen es ihm seitdem nach.

2014 Sanfermines in Pamplona

Quelle: dpa

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Auch beim ersten Lauf in diesem Jahr wurden wieder Teilnehmer verletzt, die höchstens mit eingerollten Zeitungen die 600 Kilogramm schweren, verängstigten Tiere auf Abstand halten. Ein Lauf dauert nur wenige Minuten.

Rennen mit Stieren

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Unter den Teilnehmern der alljährlich stattfindenden Feiern, die auf der rutschigen Strecke von etwa 850 Metern vor den Bullen herlaufen, sind auch zahllose Besucher aus anderen europäischen Ländern, aus den USA und aus Australien. Beim dritten Lauf in diesem Jahr wurde auch der amerikanische Autor des Buches "How to Survive the Running of the Bulls" aufgespießt und schwer verletzt.

Rennen mit Stieren

Quelle: AP

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Bis zum 14. Juli müssen an jedem Morgen Stiere durch die Menschenmassen bis zur Arena rennen, 48 Bullen finden in der Festwoche dort am Abend ihren Tod.

Anti-bullfighting protesters wearing skull make-up and traditional red scarves hold up signs that read, 'You Run. Bulls Die', during a demonstration in front of Pamplona town hall

Quelle: Reuters

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Jedes Jahr protestieren Tierschützer am Tag vor Beginn von San Fermín gegen die Qual der Stiere - vergeblich. Dieses Mal hielten sie "blutverschmierte" Hände empor sowie Schilder, auf denen stand: "Ihr rennt, die Stiere sterben."

Roberto Armendariz

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Obwohl Stierkampf und der Lauf in Pamplona auch in Spanien umstritten sind, endet der Festtag noch immer gleich: mit toten Stieren und zahlreichen Verletzen. Die Gefahr macht den Nervenkitzel aus, so ist es Tradition. Doch inzwischen kommen nicht nur viele der 200.000 Einwohner der nordspanischen Stadt zur Feier, sondern bis zu eine Million Besucher aus aller Welt - ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor für die Stadt.

Pamplona Running Of The Bulls

Quelle: Getty Images

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Diese nimmt dafür Müll und Gestank in den Straßen in Kauf nimmt - schließlich füllt das Spektakel die Kassen. Doch mit der steigenden Besucherzahl in den engen Gassen der Altstadt wird das Stiertreiben noch gefährlicher und chaotischer.

Pamplona Eröffnung Rathausplatz

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Und bei der Eröffnungsfeier am 6. Juli am Rathausplatz wird es nicht nur viel zu eng: Der Wein fließt tatsächlich in Strömen - die T-Shirts auf dem Foto waren früher einmal weiß - und einige Teilnehmer sind völlig enthemmt. Inzwischen gehört es zur Feier, dass Menschen vom Brunnen aus in die Menge springen. Doch nicht alle werden sicher aufgefangen. Zudem nehmen sexuelle Übergriffe bei der "204 Stunden Fiesta nonstop"-Feier zu.

Pamplona ist ein Einzelfall? Mitnichten. Auf den folgenden Seiten finden Sie weitere Beispiele für gefährliche Traditionen weltweit.

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Quelle: AFP

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Weltweit gibt es gefährliche Spektakel, die touristisch vermarktet werden. Gerechtfertigt werden sie oft mit der Tradition - obwohl einige Bräuche jenseits jeder Vernunft sind. Ein Überblick.

Bewusst für Verletzungen entscheiden sich Menschen hingegen auf den Philippinen. Dort empfinden Büßer an Ostern den Leidensweg Jesu am eigenen Leib nach. Zwar kritisieren auch katholische Bischöfe das blutige Ritual, nicht nur das Auspeitschen, sondern vor allem, ...

Two five-inch stainless steel nails pierce through the feet of a penitent during a Good Friday ritual re-enacting the crucifixion of Jesus Christ in San Fernando, Pampanga

Quelle: REUTERS

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... dass sich einige Menschen bei organisierten Passionsspielen tatsächlich ans Kreuz schlagen lassen. Das Leiden der fanatisch Gläubigen - manche habe schon 25 Mal und öfter die Tortur über sich ergehen lassen - ist inzwischen auch zum Touristenspektakel geworden und zieht jedes Jahr Zehntausende Besucher an.

Zahlreiche Schaulustige lockt ein noch blutigeres Spektakel, das nicht in Gottes Namen, sondern im Namen der Götter zelebriert wird.

A devotee of the Chinese Bang Neow Shrine with pierced umbrellas through his cheeks waits for a street procession during the annual vegetarian festival in Phuket

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Das "Vegetarian Festival" findet an den ersten neun Tagen des neunten Mondmonats des chinesischen Kalenders im thailändischen Phuket statt, meist Anfang Oktober. Neugierige reisen eigens aus dem Ausland an. Der Legende nach soll einst eine chinesische Theatergruppe allein durch Fasten und die Kraft der Götter die Stadt Phuket gerettet haben - in einer anderen Variante kurierte sich die Gruppe mit vegetarischer Ernährung und Gebeten von Malaria. Auf göttliche Unterstützung setzen auch die Teilnehmer: In Trance stoßen sie sich alle möglichen und unmöglichen Gegenstände meist durch die Wangen - sogar ganze Fahrradstangen, an dem sie das Rad dann wieder festschrauben lassen. So nehmen die Menschen an den Prozessionen teil, am Abend laufen manche noch über glühende Kohlen oder steigen Leitern aus Klingen empor. Um die Wunden machen sie sich keine Sorgen: Angeblich schließen sich diese von selbst wieder, den Göttern sei Dank.

Der folgende Anblick lässt den Atem von Eltern stocken, nur nicht ...

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... den von jungen Eltern im spanischen Castrillo de Murcia in der Nähe von Burgos. Wo andere ihr Baby wegreißen würden, wenn ein schwerer Mann darüber springen wollte, feuern ihn manche Mütter noch an: "Noch einmal!" Jährlich zu Fronleichnam wird El Colacho, der Teufel, durch den Ort getrieben. Auf seiner Flucht ...

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... springt der in Rot und Gelb gewandete Teufel schon seit dem Jahr 1621 über Babys, die im vergangenen Jahr geboren wurden. Das soll sie vor Bösem und Krankheiten bewahren. Diese risikoreiche Tradition wird wohl beibehalten - inzwischen ist El Colacho auf der Liste der Fiesta de Interés Turístico Nacional aufgeführt, der Feste, die in Spanien für Touristen interessant sind.

Die Teilnehmer an einem harten, aber traditionellen Spiel in Italien sind immerhin erwachsen und selbst dafür verantwortlich, wenn sie ihr Blut vergießen.

Calcio Fiorentino final match

Quelle: dpa

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Beim Calcio Fiorentino muss man an unweigerlich an Gladiatoren denken, das Wort "Foul" hat bei diesem Ballspiel eine eher untergeordnete Rolle. Gespielt wird mit Füßen und Händen, und zwar nicht nur am Ball, sondern auch am Gegner: Handgreiflichkeiten, Kopf- und Ellenbogenstöße sind bis auf wenige Ausnahmen erwünscht. Die Wiege dieses harten Spiels ist die Piazza Santa Croce in Florenz, die frühe Form von Fußball wurde schon im 16. Jahrhundert gespielt. Sogar Päpste ...

Calcio Fiorentino final match

Quelle: dpa

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... sollen unter den jeweils 27 Spielern der Mannschaften gewesen sein. Ob Hochwürden allerdings auch so hart angepackt wurden wie die anderen auf dem Feld, ist zu bezweifeln. 1580 wurden die Regeln für die Mischung aus Fußball, Rugby und Kampfsport erstmals veröffentlicht, heute treten vier Teams gegeneinander an. Nach zweihundert Jahren Auszeit begann der Calcio Fiorentino 1930 wieder, inzwischen finden drei Spiele jeweils in der dritten Juni-Woche auf der Piazza Santa Croce statt - unter vollem Körpereinsatz und regem Zuschauerinteresse.

Schwere Stürze und Verletzungen gehören auch beim Pferderennen in Siena dazu.

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Etwa 100 Sekunden dauert das Pferderennen beim Palio im toskanischen Siena, bei dem die Reiter der Stadtteile am 2. Juli und am 16. August über den zentralen Piazza del Campo jagen. Bei einem der härtesten Rennen der Welt kommen oft nur die Tiere an, da die Reiter sich gegenseitig und die anderen Pferde mit Ochsenziemer bearbeiten und verbotenerweise andere vom ungesattelten Rücken ziehen. Doch auch ein Pferd ohne Reiter gewinnt den Palio für seinen Stadtteil, läuft es nach drei Runden als Erstes ins Ziel - wenn es ans Ziel kommt. Tierschützer kritisieren das Rennen heftig, denn seit 1970 seien bereits etwa 50 Pferde bei dem Rennen verendet, erklärte die Verbraucherschutzorganisation Codacons.

Beim Motorrad-Rennen auf der Isle of Man kommt es regelmäßig zu schweren Unfällen - was auch Hobbyfahrer nicht abhält.

Motorcyclists ride their bikes on the roads at at Creg-ny-Baa during 'Mad Sunday' at the TT meeting on the Isle of Man

Quelle: REUTERS

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Seit 1907 findet jährlich ein hochriskantes Motorradrennen auf der britischen Kronbesitzung Isle of Man in der Irischen See statt - das älteste der Welt. Doch der Snaefell Mountain Course ist kein fester, abgesicherter Rundkurs, die Fahrer rasen vielmehr die meist ungeschützten normalen Straßen zwischen Steinmauern, Böschungen und Häusern entlang. Jedes Jahr kommt es bei der Isle of Man Tourist Trophy zu schweren Stürzen und auch tödlichen Unfällen - ebenso am "Mad Sunday" (Foto): Dann wird ein Teil der Strecke abgesperrt und für Hobbyfahrer freigegeben, die sich dann nicht nur fühlen wie ihre professionellen Vorbilder. Sondern ebenso oft in Unfälle verwickelt sind.

© Süddeutsche.de/kaeb/jobr/dd
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