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Steiermark:Das Grimassenschneiden brachte ein paar Groschen

Nach allem, was man weiß, wurde Rosina Maria Friedrich 1858 ganz in der Nähe von St. Ilgen, im Örtchen Aflenz, als Tochter eines Büchsenmachers, eines Schusswaffenherstellers also, geboren. Sie schlug sich durch als Kellnerin, Kindermädchen, Wäscherin und Hebamme, als Kartenlegerin und Wahrsagerin. Sie soll mehrere Kinder von mehreren Männern gehabt haben - geheiratet hat sie nie. Die Kinder gab sie alle in Obhut. Im Alter lebte Rosina Maria Friedrich in einer winzigen Köhlerhütte und verdiente sich durch Grimassenschneiden ein paar Groschen hinzu. Das berühmte Foto zeigt sie also wohl im Alter von 70 Jahren. 1933 starb Rosina Friedrich mittellos in einem Altersheim. Wo sie beerdigt wurde, ist unbekannt.

Die vermutlich letzte Enkelin der Rosl, Josefine Kammerhofer, starb 2013. In einem 2005 im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlten Interview beschreibt sie, wie ihre Mutter einst ein Bild von der Rosl auf einer Almhütte entdeckte: "Wo ist die Frau?", habe sie erregt gerufen und dann gesagt, dass die Frau auf dem Bild ihre Mutter sei. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter war, wie man sich denken kann, kein gutes. "Sie hätt' die Kinder nicht weggeben müssen", wird die Enkelin zitiert. Und die Tochter war wohl alles andere als stolz auf ihre Herkunft: "Ich bin die Tochter von einem Kasperl", soll sie gesagt haben.

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Auch die Gemeinde St. Ilgen erinnert erst seit ein paar Jahren an die berühmte Bürgerin. Seit 2007 steht am Panoramaweg eine Bronzestatue der Büchsenmacher Rosl samt einer nachgebauten Köhlerhütte - direkt neben einem Ameisenlehrpfad, neben Holzskulpturen von Adlern und Bären und einem "bio-sensorisch vermessenen Entspannungsplatz". Im Museum findet sich die alte Plattenkamera, mit der Österreichs berühmtestes Foto aufgenommen wurde. An der Wand hängt Rosls Geburtsurkunde.

Andrea Schneeberger, die das Hotel Post Karlon in Aflenz betreibt, hat dort eine "Rosl-Ecke" eingerichtet, in der sich ein paar Lebensdaten der Frau und ein Foto von ihr finden. Schneeberger unterhält auch die Facebook-Seite "Büchsenmacher Rosl": "Fast alle Gäste fragen nach der Rosl. Jeder kennt ihr Gesicht. Schließlich ist sie Österreichs lustigstes Fotomodel", sagt die 33-Jährige. Und alle hätten auch eine besondere Beziehung zur Grimassen-Oma: "Einer sagt, seine Oma sei mit der Rosl in die Schule gegangen, der andere schwört hoch und heilig, dass er der Enkel der Großtante von Rosl ist. Andere wollen wissen, dass sie schon mal mit einem gesprochen hätten, der gesagt habe, er sei ein Nachkomme von Rosl." Eine Rosl-World wollen die Österreicher trotzdem nicht aus Aflenz machen. Ein bisschen mehr Vermarktung aber sei schon möglich, sagt Fritz Holzer vom Hochschwabmuseum: "Vielleicht sollten wir mal ein Grimassenschneid-Festival organisieren."

Reiseinformationen

Anreise: Mit dem Auto über Salzburg, ca. 4,5 Stunden nach Aflenz/Steiermark. Mit der Bahn von München in ca. 5,5 Stunden nach Bruck/Mur, von dort mit dem Postbus nach Aflenz

Unterkunft: Aflenzer Wanderhotel Post Karlon, Doppelzimmer mit Frühstück ab ca. 100 Euro, www.hotel-post-karlon.at; Alpengasthof Bodenbauer, Doppelzimmer mit Frühstück ab 80 Euro, www.der-bodenbauer.at

Weitere Auskünfte: Das Hochschwabmuseum ist geöffnet vom 9. Juni bis 10. Oktober an Samstagen, Sonn- und Feiertagen, 13 bis 18 Uhr, Eintritt drei Euro, www.hochschwabmuseum.at. Infos zur Region über den Tourismusverband Hochschwab, www.regionhochschwab.at

© SZ vom 30.03.2017/edi/
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