Steiermark Österreichs lustigstes Fotomodel

Rosina Maria Friedrich wurde 1858 als Tochter eines Büchsenmachers in der Steiermark geboren.

(Foto: Hochschwabmuseum)

Fast jeder kennt das Bild. Aber wie kam die alte Frau mit der komischen Grimasse auf die Postkarte?

Von Stefan Wagner

Es ist ein Foto, ikonisch wie das von Che Guevara mit der Baskenmütze oder jenes von Albert Einstein mit herausgestreckter Zunge: die alte Frau mit dem zerknautscht-fröhlichen Gesicht vor grünem Hintergrund. Sie sieht lustig aus, ein bisschen exzentrisch, auf jeden Fall liebenswert. Eine schräge Oma zum Pferdestehlen, wie man sie sich nur wünschen kann. Doch wer ist die Frau, deren Gesicht wohl jeder schon einmal an einem Postkartenstand gesehen hat? Wie alt ist sie? Und warum zieht sie diese Grimasse?

Mehrere Verlage in Mitteleuropa haben die Witzkarte im Programm, sie sei "auf jeden Fall eine der am besten verkauften Karten der vergangenen 40 Jahre", sind sich die Verleger auf Nachfrage einig. Mehrere Millionen - vielleicht sogar mehr als zehn Millionen - Exemplare des gedruckten Konterfeis hätten Käufer gefunden. Hinten auf den Karten steht "Büchsenmacher Rosl", der Rufname der alten Frau. Als Fotograf ist ein Peter Cermak vermerkt.

Cermark lebt in Österreich, in der Nordsteiermark, im Wallfahrtsort Mariazell. Er ist 76 Jahre alt. Jetzt, im Ruhestand, widmet er sich seinen Oldtimern. Richtig gern redet Peter Cermak nicht über seinen größten Coup, tut es dann aber doch. "Ja", sagt er, und ein bisschen Stolz schwingt mit, "ich habe die Rosl entdeckt." 1966 habe er den Fotografenladen eines Herrn Machnitsch übernommen. Unter all den Glasnegativen einer alten hölzernen Plattenkamera habe er das Schwarz-Weiß-Foto der lustigen Frau entdeckt. Versehen war das Bild mit einer Jahreszahl: 1928.

"Ich wusste gleich, dass das etwas Besonderes ist", sagt Cermak. Er habe einen "akademischen Maler" gefunden und ihn gebeten, einen Abzug des Porträts zu kolorieren. Das so veränderte Bild habe er zunächst Tabakläden, Kiosken und Cafés angeboten. Zunächst lief der Verkauf schleppend. "Aber dann rief ein Verleger aus Kärnten an und wollte 12 000 Stück. Ich bin fast vom Stuhl gefallen." Spätestens ab 1972 sei es dann "richtig gelaufen" mit der Karte. Eigentlich müsste die Rosl Peter Cermak zum Millionär gemacht haben. "Wohlhabend bin ich schon", sagt der schmunzelnd. "Aber der Flick bin ich nicht."

Fritz Holzer ist der stellvertretende Obmann des Hochschwabmuseums im nahegelegenen St. Ilgen. Er hat sich mit der Geschichte der Büchsenmacher Rosl beschäftigt, schließlich, so sagt der 59-Jährige, "ist die Rosl unsere Top-Attraktion".