Städtetipps Im Schatten Giordanos

Auf dem Campo de' Fiori kommt alles zusammen, was Rom ausmacht, meint Julius Müller-Meiningen.

(Foto: Getty Images)

Rom ist ein großes Theater, und die wahrhaftigste Bühne der Stadt ist der Campo de' Fiori. Früher war hier ein Blumenfeld, heute umgeben die windschiefen Wohnhäuser den Platz wie ein schützender Ring, so, als sei hier ein Biotop zu bewahren. Am besten ist es, sich abends auf den leer geräumten, grünen Treppchen der Blumenhändler am Nordende des Platzes mit einem Becher Wein aus der Vineria Reggio zu setzen und dem Spektakel da unten freien Lauf zu lassen. Auf diesem Platz, der selbst mitten in der Nacht nie ganz verwaist, kommt alles zusammen, was Rom ausmacht: Touristen, Taschendiebe, Römer. Letztere zwischen neun und 90 treffen sich hier zum Struscio, dem feierabendlichen Schaulaufen. Wobei keiner unerkannt bleibt - Zurückhaltung hat keinen Platz in Rom. Einst gab es hier Pferderennen und Enthauptungen. Geblieben ist der manchmal fürchterliche Hang der Römer zum Spektakel.

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Im Sommer tragen die Besoffenen auf dem Campo de' Fiori Straßenschlachten aus - im Schatten Giordano Brunos, der mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze als Bronzestatue inmitten gerade jenes Platzes steht, auf dem er vor mehr als 400 Jahren als Ketzer verbrannt wurde. Die Römer bringen es tatsächlich fertig, einem Mann ein Denkmal zu setzen, dessen Qualen sie Jahrhunderte zuvor bejubelt hatten. Und das alles gerade mal einen Kilometer Luftlinie vom Vatikan entfernt.

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