Hippe kleine Städte-Schwestern:Anschauen: zu Land, zu Wasser und aus der Luft

Vom "Domtoren" aus können Besucher sich zunächst einen Überblick verschaffen. Über 465 Treppenstufen geht es auf den höchsten Kirchturm der Niederlande hinauf.

Von der im 14. Jahrhundert fertiggestellten Kirche hat 1674 ein Nordsee-Tornado nur den Turm und das Querschiff übrig gelassen. Aus knapp 100 Metern Höhe lässt sich eine tolle Aussicht über die Stadt und das Umland genießen. Von hier lässt sich bei klarer Sicht auch noch ein Blick nach Amsterdam hinüber werfen. Neidvoll? Kein bisschen.

Schließlich gibt es auch in Utrecht Grachten, ein Kanalsystem, das sich durch die ganze Stadt zieht. Das ist nicht nur schön, sondern auch ziemlich praktisch. Bei einer Bootstour lässt sich die Innenstadt gemächlich vom Wasser aus erkunden: beeindruckende Backstein-Stadthäuser, es geht unter kleinen Brücken hindurch, an alten Bäumen vorbei.Startpunkt kann zum Beispiel die Anlegestelle an der Oudegracht sein. Sportlicher wird es, wenn selbst in die Pedale getreten wird und man sich ein Tretboot ausleiht. Canal Bikes, Kanal-Fahrräder, nennen die sich hier. Eine Stunde kostet 8 Euro.

Skurriles, Pflanzen, Jesus und GSUS

Utrecht ist - wie viele der niederländischen Unistädte - bei deutschen Studenten beliebt. Auch in einen Kurztrip lässt sich eine ordentliche Portion Bildung integrieren. Im Universiteitsmuseum wird die Hochschulgeschichte Utrechts nachverfolgt - toll aufbereitet, mit einer Reihe skurriler Exponate aus mehreren Jahrhunderten, zum Teil interaktiv.

Durch den Hinterausgang geht es in den De Oude Hortus, den alten botanischen Garten der Stadt. Hier haben zahlreiche exotische Pflanzen ein neues Zuhause gefunden, die die Niederländer einst von ihren Fernreisen mitgebracht haben.

Es regnet? Dann ist der richtige Moment, sich im Catharijnecovent einen umfassenden Überblick über christlichen Kunst von Rembrandt bis zur GSUS-Jeans zu verschaffen. Mehr als 40 000 Bücher, Bilder und Artefakte vom frühen Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert gehören zur Sammlung.

Alte Meister, Mode, Moderne und Architektur

Kultureller Mittelpunkt der Stadt ist das Centraal Museum - nur wenige Sammlungen sind so vielseitig. Alte Meister finden sich hier neben zeitgenössischen Künstlern, Gemälde treffen auf Installationen treffen auf Mode. Wechselnde Ausstellungen setzen kreativ bunte Themen in Szene. Noch bis Ende November 2014 kuratiert zum Beispiel Fashion-Illustrator Piet Paris die Ausstellung "Mode, de Musical", in der die Exponate als Szenen eines Musikals arrangiert sind.

Wer fürs Centraal Museum ein Ticket kauft, bekommt gleich noch das Ticket für zwei weitere lohnende Kultureinrichtungen dazu. Zum einen gibt es freien Eintritt ins Rietveld-Schröderhuis, ein architektonisches Highlight und wichtiges Bauwerk der De-Stijl-Bewegung.

1924 entworfen vom Utrechter Architekten Gerrit Rietveld und umgesetzt gemeinsam mit der Bauherrin und gelernten Innenarchitektin Truus Schröder ist ein verschachteltes, kubisches Wohnkunstwerk entstanden. Wer in dem Haus am Stadtrand vorbeischauen will, muss sich jedoch anmelden. (Wer Interesse am Werk von Gerrit Rietveld hat und Besitzer eines iPhones ist, findet in der Rietveld Architecture App Informationen und Bilder.)

Hasenmädchen und Kaufmannsladen

Außerdem geht es mit dem Centraal-Museum-Ticket kostenlos ins Dick Bruna Huis gleich gegenüber - der niederländische Autor und Künstler wurde in Utrecht geboren. Weltbekannt ist seine Schöpfung Miffy - ein Kaninchen im gelben Kleid, minimalistisch gehalten, mit Punkten als Augen und einem kleinen Kreuz als Schnäuzchen. Im niederländischen Original heißt das Hasenmädchen Nijntje. Im Dick Bruna Huis erfreuen sich kleine und große Fans an Miffy und ihren Freunden, die Ausstellung zeigt aber auch weniger bekannte Werke des Künstlers.

Zeitreise gefällig? Das Kruideniers Museum ist eigentlich ein Kaufmannsladen und liegt ein bisschen versteckt in einem wunderschönen Hinterhof. Ältere Damen in weißen Schürzen verkaufen Senf, Apfelmus und Likör, Seifen und Zigarrenschachteln, sowie Drops und Lakritz aus großen Bonbonnieren - wunderbar nostalgisch.

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