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Städtereise-Serie:Warum war die Mauer nicht um Ost-Berlin?

Berliner Mauer - East Side Gallery

Der berühmte Bruderkuss auf der East Side Gallery, die das Teilstück der Berliner Mauer ziert: Leonid Breschnew und Erich Honecker, ganz innig.

(Foto: dpa/Rainer Jensen)

Seltsame Fragen müssen Gästeführer nicht nur in Berlin beantworten. In unserer neuen Serie erklären Guides an deutschen Sehenswürdigkeiten, was Urlauber dort übersehen - und wo ihr Lieblingsplatz ist.

Touristenführer kennen ihre Sehenswürdigkeit nicht nur bis ins kleinste Detail und wissen, wo es an ihrem Arbeitsplatz besonders schön ist - sie haben auch mit mehr oder weniger gut informierten Gästen zu tun. Höchste Zeit, mal den Guides ein paar Fragen zu stellen. Die Antworten werden in loser Folge in der neuen Städtereise-Serie veröffentlicht.

Berlin mit Museumsinsel und Schloss Sanssouci

Astrid von Deichmann , Jahrgang 1959, arbeitet seit 2009 als Guide in Berlin und Potsdam und ist von der IHK und dem Bundesverband der Gästeführer BVGD zertifiziert. Zudem ist sie seit 2012 freie Mitarbeiterin der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten und hat damit die Lizenz zum Gästeführen für alle Berliner und Potsdamer Schlösser und Parks. Wenn Astrid von Deichmann nicht gerade arbeitet, findet man sie in Museen, Galerien, Ateliers, auf Märkten und überall dort, wo Neues entsteht.

Welches unvergessliche Erlebnis hatten Sie mit Besuchern? In Gelb gekleidete buddhistische Mönche in Sanssouci bei Schnee und Eis - ein wunderschönes Bild für mich und andere Gäste.

Was übersehen Urlauber, wenn sie allein Berlin erkunden? Wenn man auf der Museumsinsel vom Alten Museum die Treppe zum Neuen Museum hinaufgeht, befindet sich linker Hand ein Brunnen mit einem Plattfisch, dem Butt. "Butt" war der Kosename von Königin Louise für ihren Sohn, den späteren König Friedrich Wilhelm IV. Dieser Brunnen ist ein Indikator dafür, dass man das Terrain Friedrich Wilhelms III. verlässt, um die neue Epoche Friedrich Wilhelm IV. (Neues Museum, Alte Nationalgalerie) zu betreten. Ein ähnlicher Brunnen befindet sich auch bei den Römischen Bädern beim Schloss Charlottenhof in Potsdam.

Welcher ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz in Berlin? Der Ausstellungsbau des Deutschen Historischen Museums von I. M. Pei, der auch die Glaspyramide des Louvre entworfen hat. Ich liebe diese leichte, luftige, beeindruckende Atmosphäre und die Internationalität des Baus: Der Architekt war ein US-Bürger mit chinesischen Wurzeln, der Kalkstein kommt aus Frankreich, das Glas aus Finnland. Der in Holz gegossene und mit Kalksteinpulver gefärbte Zement, die geometrischen Formen, der schmeichelnde Handlauf, die transparente Galerie-Einfassung, die Rolltreppen, mit denen man von unten hinauffährt, um den Schlüterhof zu besichtigen, der von I. M. Pei überdacht wurde - das ist jedes Mal wieder purer, sinnlicher Genuss.

Und jetzt mal ehrlich: Was war die blödeste Frage, die Touristen gestellt haben? Wieso die Mauer um West-Berlin verlief und nicht um Ost-Berlin ...