Städtereise:Warum war die Mauer nicht um Ost-Berlin?

Lesezeit: 8 min

Wartburg Eisenach Thüringen Unesco Welterbe

Die Wartburg in Eisenach, Thüringen, zählt zum Unesco-Welterbe.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seltsame Fragen müssen Gästeführer nicht nur in Berlin, Thüringen oder Hamburg beantworten. Guides an deutschen Sehenswürdigkeiten erklären, was Urlauber dort übersehen - und wo wahre Lieblingsplätze sind.

Touristenführer kennen ihre Sehenswürdigkeit nicht nur bis ins kleinste Detail und wissen, wo es an ihrem Arbeitsplatz besonders schön ist - sie haben auch mit mehr oder weniger gut informierten Gästen zu tun. Höchste Zeit, mal den Guides ein paar Fragen zu stellen.

Wartburg in Thüringen

Nino Dell, ausgebildeter Industriekaufmann, führt seit 2005 im Auftrag der Wartburg-Stiftung durch Burghöfe und den Sängersaal sowie in die kleine Schreibstube, in welcher der geächtete Martin Luther getarnt als "Junker Jörg" an der Bibelübersetzung arbeitete. Als Ausgleich zu dem "hin und wieder sehr anstrengenden Job mit viel Publikumsverkehr" genießt Nino Dell die ruhige Zweisamkeit zuhause, "das große Leben findet oben auf der Burg statt".

Welches unvergessliche Erlebnis hatten Sie mit Besuchern? Die Wartburg hat ja eine sehr breit gefächerte Besucherschaft, vom Individualreisenden bis zum europäischen Hochadel, der meist zu offiziellen Empfängen kommt, mit entsprechender Vor- und Nacharbeit. An einem Morgen stand aber plötzlich das schwedische Königspaar auf dem zweiten Burghof der Wartburg - einfach so, ohne Ankündigung und ohne Protokoll. Diese Persönlichkeiten so privat zu erleben, das war für mich ein Highlight.

Was übersehen Urlauber, wenn sie allein die Wartburg erkunden? Die Wartburg ist eine mittelalterliche Anlage, da entgeht dem ungeübten Auge einiges. So seltsam es klingen mag: Da kann ein spätromanisches Kapitell, ein Sonnenkopf aus dem 12. Jahrhundert, direkt neben einem Lichtschalter sein - aber dem Besucher würde eher der Schalter ins Auge fallen. Die Erfahrung haben auch meine Kollegen gemacht: Lichtschalter, Strom, Lampen, das sind die Dinge, die Gäste gleich wahrnehmen. Das Wesentliche bleibt aber außen vor, wenn man es nicht erklärt.

Welcher ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz auf der Wartburg? Ich genieße jeden Morgen um acht Uhr den zweiten Burghof, das ist für mich wirklich ein Genuss. Ich habe viele spezielle Orte, aber der zweite Burghof mit den mittelalterlichen Objekten ist für mich ganz besonders - und der Blick auf den Thüringer Wald: Von der Torhalle aus schaue ich jeden Morgen in Richtung Süden.

Und jetzt mal ehrlich: Was war die blödeste Frage, die Touristen gestellt haben? Da könnte man eigentlich ein Buch schreiben. Eine der Fragen hat eine historische Vorgeschichte: Eisenach war ja in der DDR bekannt für den Automobilbau, schon in der Vorkriegszeit wurden hier BMW gebaut, in der DDR dann Fahrzeuge namens "Wartburg". Die kurioseste Frage, die mir nicht nur einmal gestellt wurde: Hat die Burg ihren Namen von dem Auto?

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