bedeckt München 28°

Städtereise-Tipps für Buenos Aires:Restaurants, Nachtleben und Knigge-Fragen

Städtetipps von SZ-Korrespondenten Buenos Aires Argentinien Rindfleisch

Rindfleisch vom Grill gehört für viele Argentinier zu den Grundnahrungsmitteln. Vegetarier verhungern trotzdem nicht, die Küchen in Buenos Aires sind international.

(Foto: AFP)

Auf dieser Seite finden Sie Restaurant-Empfehlungen, außerdem geleitet Sie Peter Burghardt durch das Nachtleben von Buenos Aires und gibt Knigge-Tipps.

Das beste Restaurant:

Geschmackssache. Zu den besten der halbwegs normalen Grilltempel (Parrillas) gehören Don Julio (Guatemala y Gurruchaga) und La Choza (Gascón) in Palermo Soho, zu den kurioseren zählt El Obrero in einer Seitenstraße von La Boca. Der edelste Peruaner heißt Astrid & Gastón (Calle Lafinur in Palermo), in der Stadtvilla werden erstklassige Ceviches (marinierter Fisch) serviert. Durch das Restaurant Museo Evita an der Calle Gutierrez weht der Geist der argentinischen Heiligen, hier ist es mittags oder an einem warmen Abend im Innenhof am angenehmsten. Bei Green Bamboo in Palermo Soho (Calle Costa Rica) gibt es das, was Argentinier für vietnamesisch halten, unter dem strengen Blick von Ho Chi Minh.

Ein Abstecher in die deutsch-österreichische Vergangenheit mit gewaltigen Schnitzeln (milanesas) machen Besucher im Hermanns an der Avenida Santa Fé, Ecke Armenia. Das Lokal sieht aus wie ein hundertjähriges Zugabteil, die livrierten Kellner wirken noch älter. Einer von ihnen ist ein Doppelgänger des Obers aus Dinner for One. Bestimmte Küchen in einem bestimmten Viertel zu einem bestimmten Preis samt Kritiken finden sich im Internet-Führer Guía Óleo, die Website kennt 5471 Restaurants.

Der Imbiss für unterwegs:

Morgens Medialunas, die argentinischen Hörnchen. Später Choripán, Argentiniens Hotdog, und Empanadas, gefüllte Teigtaschen. Fast immer: Eis von Un Altra Volta, von Persicco oder Jauja. So gut wie in Italien. Bedeutendste Sorten: Dulce de Leche in allen Variationen, die Karamellcreme ist Argentiniens Essenz.

Typisch für das Nachtleben ist ...

Dass man spät isst und noch später weiter zieht. Dass die Nächte im Dezember und Januar am heißesten sind. Dass manche Buchläden noch nachts aufhaben, die Kinos voll sind und irgendwo immer Theater gespielt wird. Dass viele Frauen Alkohol meiden, weil schlecht für Image und Figur. Dass auch Männer sich mit Küsschen begrüßen und verabschieden. Dass die Gemeinde der Tangotänzer bis zum Morgengrauen durch Tangolokale tourt, die sogenannten Milongas, ein Sport für Eingeweihte.

Hier beginnt der Abend:

In einem der Tausenden Restaurants, frühestens von 21 Uhr an, sonst sitzt man alleine da. Viele Porteños widmen sich um 19 Uhr noch dem Nachmittagskaffee, der Merienda.

Dann ziehen Sie weiter ...

... zum Beispiel ins 878 an der Calle Thames im Viertel Villa Crespo, der Name ist die Hausnummer und die Tür ein unauffälliger Hauseingang. Oder in die Bar 6 in Palermo, ins Million mit seiner Freitreppe im Hinterhof an der Ecke Santa Fé und Paraná, ins Le Bar im Zentrum. Als wahnsinnig schick gelten zurzeit das Isabel (Uriarte) und das Leopoldo (Cerviño). Immer eine gute Idee: Kino, Konzert, Theater.

Hier wollen alle rein:

Ins Teatro Colón, teuer und Weltklasse. Ins armenische Restaurant Sarkis (Thames), billig und gut, da steht man stets eine Stunde an. Die Clubs und Discotheken heißen Niceto, Pachá, Crobar, Tequila, Shampoo und so weiter. Die Gäste sind recht schick, manche Besucherinnen schönheitsoperiert und die Türsteher in der Regel nicht so streng.

Dabei ist es hier viel besser:

Wer nicht tanzt und trotzdem Tango mag, geht ins Torquato Tasso am Parque Lezama in San Telmo. Am besten dann, wenn Tangohelden wie das Sexteto Mayor oder Rodolfo Mederos spielen und das Bandeón am schönsten klagt. Wer selbst zu den Milongeros gehört, den Tangotänzern, geht ins La Viruta, in den Salón Canning, die Villa Malcolm oder wie die vielen Milongas (Tangolokale) sonst heißen. Das sollten sich auch Nichttänzer ansehen.

Dies ist der beste Platz für den Sonnenaufgang:

Discos wie das Tequila und das Pachá liegen an der Uferstraße Costanera Sur am Rio de la Plata, da geht dann irgendwann auch die Sonne auf.

Argentinien

Land der verkleideten Italiener

Mit diesem Satz kommen Sie überall zurecht:

"Se me complicó." Mir ist was dazwischen gekommen.

Darüber spricht man in Buenos Aires:

Über die Präsidentin Cristina. Den Bürgermeister Mauricio Macri. Die Inflation. Das Wetter. Die Unsicherheit (nicht so schlimm). Boca und River (Fußball und Glaubensfrage). Charly und Maradona (Legenden mit sieben Leben). Susana und Tinelli (seltsame Fernsehmenschen).

Vorsicht, Fettnäpfchen!

Glauben Sie ja nicht, ein argentinischer Zebrastreifen habe irgendeine Bedeutung. Und nennen Sie die Malvinas auf keinen Fall Falklands.

Hier erfahren Sie mehr über den Autoren der Buenos Aires-Tipps:

Peter Burghardt, geboren 1966 in München, berichtet seit 2006 für die Süddeutsche Zeitung aus Buenos Aires über Lateinamerika. Vorher war er SZ-Korrespondent für Spanien und Portugal in Madrid, zuvor außenpolitischer Redakteur in München, als Reporter in Kosovo und jahrelang Mitglied der Sportredaktion. An der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität studierte er Politikwissenschaften, Soziologie und spanische Romanistik. Im Picus-Verlag hat er einen Band Lesereisen über Madrid und eine Reportage-Sammlung aus Mexiko veröffentlicht.