Normalerweise ist der Sommer die Jahreszeit, in der es ausländische Gäste in die deutschen Städte zieht. Das Klima ist angenehm, etwa für Besucher, die aus den hitzegeplagten Emiraten kommen. Es gibt Kultur, es gibt unbeschwertes Leben draußen - im Biergarten oder im Café. Mit Corona hat sich das geändert. Und die ausländischen Besucher kommen nur zögerlich in die Städte zurück. Hamburg, Berlin, Dresden und Erfurt - das sind momentan die beliebtesten Ziele, zumindest bei deutschen Urlaubern, die über die Tui buchen. Die Städte haben relativ freizügige Regelungen für Geimpfte und Genesene. So wurden in Berlin die Beschränkungen für private Kontakte in geschlossenen Räumen sowie im Freien aufgehoben, in Sachsen sind Veranstaltungen mit bis zu 25 000 Zuschauern unter Auflagen erlaubt, und in Hamburg wurden probehalber die Discos wieder geöffnet. Erfurt hat zudem die Bundesgartenschau.
Doch auch andernorts gibt es es mittlerweile wieder ein recht umfangreiches kulturelles Angebot - und auch das ist vielen Stadturlaubern wichtig. In Köln sind Karten für das Kulturprogramm "Kölner Bühnensommer 2021" heiß begehrt, in München gibt es auf der Theresienwiese "Kunst im Quadrat", und Stuttgart trumpft allein im August mit drei Open-Air-Kultur-Events in der Innenstadt auf. Sollten sich im Herbst die Einschränkungen für Konzerte und Theateraufführungen weiter lockern, werde dies noch mehr Menschen in Deutschland in die Städte ziehen, davon ist man bei dem Reiseveranstalter Tui überzeugt.
Noch fehlen die Urlauber aus den USA und aus Asien
Für gewöhnlich finden nach Angaben des Vereins Deutsche Zentrale für Tourismus jährlich etwa elf Millionen internationale Gäste ihren Weg ins Land. Deutschland sei dabei "als Städtereiseziel Nummer eins in Europa fest etabliert", sagt Petra Hedorfer, Vorstandsvorsitzende des Vereins. Wie viele Besucher es in diesem Sommer sein werden, lässt sich noch nicht abschätzen. Bislang fehlen noch die - normalerweise stark vertretenen - Urlauber aus den Vereinigten Staaten und aus Asien, auch, weil einige Länder ihren Bürgern noch Ausreisebeschränkungen auferlegt haben. Zudem ist in den Großstädten nach wie vor zu spüren, dass Messen und Kongresse noch nicht wie üblich vor Ort stattfinden.
Dass die Sommersaison schleppend läuft, lässt sich auch an den Hotelbuchungen ablesen: Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga lag die Auslastung von Hotels in deutschen Großstädten wie beispielsweise Berlin im Juni und Juli bei rund 40 Prozent gegenüber rund 82 Prozent im Jahr 2019. "Das ist noch weit entfernt vom Umsatz der Vorjahre", sagt Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges, "aber langsam kehren die Gäste zurück." Noch fehlen zwar die ausländischen Urlauber, aber die Deutschen reisen vermehrt im eigenen Land. "Und jetzt, da die Kultur wieder ins Laufen kommt, haben die Leute auch wieder einen Grund, in die Städte zu reisen."
Von der Kulturaffinität der deutschen Urlauber profitieren könnten auch die fünf neuen Unesco-Weltkulturerbe-Stätten: Baden-Baden, Bad Kissingen und Bad Ems erhielten den Titel gemeinsam mit elf weiteren "bedeutenden Kurstädten Europas", die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt, das jüdische Erbe in Speyer, Worms und Mainz sowie der Donaulimes und der niedergermanische Limes am Rhein.
Eines allerdings hat sich geändert mit der Pandemie: Die deutschen Gäste, sonst Weltmeister im Vorausbuchen, planen ihre Urlaube deutlich spontaner. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, die Reise könnte in letzter Minute doch noch platzen.


