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Sportheim Böck im Allgäu:Invasion der Stirnlampen

Eigene Sauna, offener Kamin, Wlan im Zimmer: Das traditionsreiche Sportheim Böck im Allgäu ist zum "Hideaway" für ruhebedürfte Großstädter mutiert. Nur an einem Abend in der Woche ist noch einiges so wie früher.

Hans Gasser

Dieser Beitrag ist erschienen am 2. Februar 2012. Wir haben die Übernachtungspreise aktualisiert. Darüber hinaus ist der Text unverändert.

Panoramablick in Cinemascope. Innen herrscht nur tagsüber normaler Skihüttenbetrieb. Am Abend haben es die Gäste still.

(Foto: Gasser)

Wenn Herbert Böck im Sportheim an der Allgäuer Alpspitze einkehrt, dann bleibt er nicht lange allein. Jedermann kennt ihn, er grüßt freundlich zurück. Eine Skifahrerin kommt her und sagt: "Ich denke immer noch an die Spätzle mit Soß' oder Ihr Schnitzel mit Kartoffelsalat zurück - das war besser." Dann schmunzelt Herr Böck, ein großer, freundlicher Mann, zumal das Sportheim Böck ja immer noch seinen Namen trägt. Sonst ist hier aber nichts mehr, wie es einmal war - abgesehen von den Panoramafenstern, durch die man Zugspitze, Säuling, und, mit guten Augen, sogar Schloss Neuschwanstein sieht.

Herbert Böck war hier oben 46 Jahre lang der Wirt. Vor sechs Jahren hat er das von seinem Vater 1933 erbaute Sportheim an einen Augsburger Investor verkauft. "Mein Sohn ist Zahnarzt in Berkeley, und auch meine Tochter hatte kein Interesse, da mussten wir realistisch sein", sagt Böck, der heute 73 ist, im Winter immer noch an der Alpspitze Ski fährt und in seiner alten Wirkungsstätte einkehrt. Klar hat es ihm leidgetan, und klar hätte er beim Umbau manches anders gemacht, aber es ist schließlich nicht unschön geworden, was der Investor aus den zwei spitzgiebeligen Gebäuden auf 1500 Metern gemacht hat. "Früher war's schon etwas gemütlicher, familiärer", sagt Böck, "aber die negativen Sachen, die vergisst man, oder?"

Für den, der das Früher nicht kennt, wirkt das Sportheim Böck heute durchaus gemütlich. Der große Gastraum ist mit Zirbenholz getäfelt, über hellen Tischen hängen schlichte Metalllampen, die langgezogenen Fenster zeigen das Panorama in Cinemascope. Untertags herrscht hier ganz normaler Skihüttenbetrieb, abends wird es still. Dann mutiert das Sportheim zur "Mountain Lodge".

Hüttenambiente, aber bloß nicht zu rustikal

Denn über der Gaststätte und im Nebengebäude hat der Investor vier edle Apartments bauen lassen, die als "Lodges" vermarktet werden und dem urbanen Menschen das bieten, was er offensichtlich sucht: Hüttenambiente, aber bloß nicht zu rustikal und vor allem mit Annehmlichkeiten wie eigener Sauna, offenem Kamin und Wlan.

Der Trend zur Luxus-Bergunterkunft ist ungebrochen, seit in Österreich die ersten "Almdörfer" eröffnet wurden. Da trifft es sich gut, dass der Betreiber Thomas Krobath und seine Partnerin Steffi Sepperer aus Österreich kommen. Sie haben vorher das Glocknerhaus auf 2100 Meter bewirtschaftet. Doch hier sei es logistisch manchmal schwieriger als am Großglockner, sagt Krobath. "Manchen Gästen ist nicht ganz klar, wie wir hier gelegen sind. Wenn sie herkommen, dann machen sie erst mal große Augen!", so Krobath.

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