Sparmaßnahmen der Airlines:Jedes Gramm zählt

Mit den Energiepreisen steigen auch die Kosten für Kerosin. Die Airlines reagieren mit unterschiedlichen Spar-Maßnahmen darauf. Einige sind naheliegend, andere dagegen kurios. So könnte man Sie zum Beispiel auffordern, vor dem Boarding noch einmal das WC aufzusuchen - und rasch Ihr Kleingeld auszugeben.

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Flugplan, dpa

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Mit den Energiepreisen steigen auch die Kosten für Kerosin. Die Airlines reagieren mit unterschiedlichen Spar-Maßnahmen darauf. Einige sind naheliegend, andere dagegen kurios. So könnten Sie zum Beispiel aufgefordert werden, vor dem Boarding noch einmal das WC aufzusuchen - oder rasch Ihr Kleingeld auszugeben.

Weniger Verbindungen

Eine plausible Maßnahme ist das Ausdünnen der Streckennetze. So setzen zum Beispiel Air Berlin und TUIfly in Zukunft weniger Jets ein und verschlanken ihren Flugplan. Die Langstreckenverbindungen nach Peking und Schanghai, die Air Berlin erst im Mai aufgenommen hatte, werden zum Winter wieder gestrichen. Und TUIfly wird ab kommendem Sommer beispielsweise die Strecken Hannover-Stockholm und Köln-Linz nicht mehr fliegen.

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kerosin Tanken, ddp

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Höhere Zuschläge

Ein Teil der Kosten wird an die Fluggäste weitergegeben - die spüren das deutlich an den höheren Kerosinzuschlägen: Bei Lufthansa zum Beispiel muss der Fluggast mit drei Euro bis zu 24 Euro mehr pro Flugstrecke rechnen. Für Langstreckenflüge sollen die Zuschläge um 10 Euro auf 92 Euro steigen.

Viele Airlines haben inzwischen eigene Abteilungen gegründet, die sich nur damit beschäftigen, wie durch verbesserte Technik, Wartung, aber auch Kabinenausstattung Gewicht und damit Kerosin gespart werden kann. Das Motto: Kleinvieh macht auch Mist.

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Lufthansa Service, dpa

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Bitte recht leicht

Die zweitgrößte amerikanische Fluggesellschaft Delta Air Lines steigt auf leichtere Sitze um - zweieinhalb Kilo weniger soll jeder von ihnen wiegen. American Airlines führt etwa neun Kilo leichtere Servierwägen ein. Der Versuch der Northwest, von Wasser in Dosen zu leichteren Zwei-Liter-Plastikflaschen zu wechseln, wurde wieder eingestellt. Die Passagiere bevorzugten offenbar Aluminium.

Auch bei der Lufthansa wird schon seit geraumer Zeit auf besonders leichte Materialien an Bord geachtet, so Sprecher Peter Schneckenleitner. Sitze und Servicewägen wurden dementsprechend umgerüstet.

Japan Airlines zum Beispiel hat in der Business Class ein neues Geschirr eingeführt - Gewichtsersparnis 20 Prozent.

Die chinesische Fluglinie China Southern hat in einer eigenen Studie herausgefunden, dass die in den Kabinen ausgelegten Decken, Kissen und Zeitschriften pro Platz 450 Gramm wiegen - und dadurch täglich 120 Tonnen Kerosin zusätzlich verbraucht werden.

US Airways hat Chips und Erdnüsse für die Fluggäste gestrichen - am Ende gar, um vorausschauend das Körpergewicht ihrer Passagiere zu reduzieren? Eine andere US-Airline geht radikal gegen korpulente Fluggäste vor: Southwest Airlines verlangt von Passagieren, deren Leibesfülle verhindert, dass sich die Armlehne herunterklappen lässt, den Preis für ein zweites Ticket. Und das gilt nicht nur für Dicke, die so viel wie zwei Passagiere wiegen.

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Wer muss noch mal?

Es gibt noch andere Methoden, um das Gewicht des Flugzeugs vor dem Start zu reduzieren. China Southern zum Beispiel bittet Fluggäste, noch vor Betreten der Maschine das WC aufzusuchen. Das erleichtert alle, denn eine WC-Spülung im Flugzeug verbraucht einen Liter Kerosin zusätzlich. Auch ihr Münzgeld sollten die Passagiere möglichst noch in den Flughafen-Geschäften ausgeben - jedes Gramm zählt.

Deutsche Fluglinien sparen ebenfalls auf dem stillen Örtchen. Während früher einfach mit Wasser vollgetankt wurde, nimmt man inzwischen nur noch so viel mit an Bord, wie nach Erfahrungswerten wirklich nötig ist.

Im letzten Jahr hat die Lufthansa nach eigenen Angaben 3,9 Milliarden Euro für Kerosin ausgegeben. Die Prognosen für dieses Jahr liegen bei 5,7 Milliarden Euro. "Da sind auch ein paar tausend gesparte Liter wichtig", so Dr. Peter Schneckenleitner von Lufthansa.

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Kein Papier im Cockpit

Bei Lufthansa gingen Pilot und Kopilot bisher mit dicken Büchern, Karten und Anweisungen an Bord. Diese werden jetzt digitalisiert. Auch das spart Gewicht und damit 11.000 Tonnen Kerosin pro Jahr, so Schneckenleitner.

Das papierlose Cockpit gibt es bei Air Berlin bereits. Bei Delta Air Lines denkt man dagegen darüber nach, ob sich Pilot und Kopilot nicht einen Satz Cockpit-Infos teilen können. Schließlich wiegt jedes der fünf oder sechs benötigten Handbücher zwischen einem und eineinhalb Pfund.

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Triebwerk Air Berlin, ddp

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Putzen hilft

Das haben auch TUIfly, Lufthansa und viele andere Airlines gemerkt. Deswegen reinigen sie die Triebwerke inzwischen häufiger und intensiver vom Ruß, der sich während des Fluges auf ihnen absetzt. "Allein hierdurch werden täglich 8000 Liter Kerosin gespart, und die Triebwerke leben länger", sagt Peter Schneckenleitner von Lufthansa.

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Die Entdeckung der Langsamkeit

Weniger Schub spart Treibstoff. TUIfly, aber auch kleinere Anbieter wie die belgische Fluggesellschaft Brussels Airlines fliegen inzwischen konsequent langsamer, und das etwa ein bis zwei Minuten pro Strecke. Für die Passagiere ändert sich dadurch kaum etwas an den Flugzeiten, aber so werden im Jahr 3000 Tonnen Kerosin gespart, so TUIfly-Pressesprecher Herbert Euler. Außerdem wird das Catering für den Rückflug nicht sofort mitgenommen, sondern erst am Zielflughafen beladen.

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Flugzeug alt, AP

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Altes wird ausgemustert

Je moderner die Flotte, desto weniger Sprit verbraucht sie. Bei Air Berlin und TUIfly will man daher jetzt vor allem alte Kerosinschleudern ausmustern. Amerikanische Airlines wie Northwest und American Airlines haben einen Teil ihrer jahrzehntealten DC-9, DC-10 und MD-80 auf den Schrottplatz befördert und sich spritsparendere Langstreckenflugzeuge wie den Airbus A330 oder die Mittelstrecken-Maschine Airbus A319 angeschafft.

Übrigens vergleichen auch Airlines Spritpreise. Wenn die am Zielort höher sind als am Startflughafen, kann es sich lohnen, mit einem vollgetanktem Flugzeug abzuheben, sagt Alexandra Müller von Air Berlin.

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Koffer Flughafen, iStock

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Gepäck kostet extra

Billigflieger werben zwar mit extrem niedrigen Ticketpreisen, trotzdem schlagen die höheren Kerosinkosten aber auch hier zu Buche und werden zum Teil durch versteckte Zusatzkosten wieder hereingeholt. Wenn Sie zum Beispiel Gepäck dabeihaben, kostet Sie das bei Europas Marktführer Ryanair inzwischen zusätzlich.

Bei der Onlinebuchung sind für das erste Gepäckstück zehn Euro je Strecke extra fällig. Am Flughafen eingecheckt, kostet es das Doppelte. Jedes Kilogramm über 15 Kilo kostet weitere 15 Euro.

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(sueddeutsche.de/ddp/dpa/AFP/Reuters/lpr/bgr)

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