Spanien:Hochsaison für Quallen

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Auf Mallorca und an der spanischen Mittelmeerküste rechnet man mit einer Quallenplage zur schönsten Badezeit. Unvorsichtigen drohen Hautausschläge und Übelkeit.

Die Experten erwarten für den Anfang des Sommers eine größere Quallenplage vor den Balearen und an der Mittelmeerküste des spanischen Festlands. "Es sieht nicht gut aus", sagte der Biologe Damià Jaume vom Institut für Mittelmeerstudien der Zeitung Diario de Mallorca.

Der Wissenschaftler hatte bei den - Mallorca vorgelagerten - Inseln Cabrera und Dragonera sowie vor Süditalien "riesige Bänke von Quallen" gesichtet.

Mehr als 11.000 Quallenopfer

"Die Quallen vermehren sich anscheinend explosionsartig im gesamten westlichen Mittelmeer", warnte er. Schon im vorigen Sommer hatte eine größere Plage spanische Strände heimgesucht. Auf Mallorca und an der Festlandküste wurde vereinzelt sogar die Rote Flagge gehisst und Badeverbot erteilt, weil es im Meer von Quallen nur so wimmelte.

Allein an der Costa Brava und an den Stränden von Barcelona mussten damals über 11.000 Badegäste behandelt werden, weil sie sich an den Nesselfäden der Tiere "verbrannt" hatten.

In diesem Jahr scheint die Plage sich nicht nur zu wiederholen, sondern sogar noch früher einzusetzen. Auf Mallorca und bei Barcelona wurden bereits die ersten Quallen angeschwemmt. Das Kommen und Gehen der Tiere scheint bestimmten Zyklen zu folgen, die die Wissenschaftler vor Rätsel stellen. "Dies ist eines der größten Geheimnisse der Meeresbiologie", meint Jaume. "Wer es lüftet, wird bestimmt den Nobelpreis bekommen."

Suche nach der Wurzel des Übels

Bei den Quallen handelt es sich wie im Vorjahr wieder um die Leuchtquallen (Pelagia noctiluca). Sie sind zwar nur etwa zehn Zentimeter groß, aber ihre meterlangen Tentakel haben es in sich. Die Berührung kann für den Badenden nicht nur schmerzhaft sein, sondern auch zu Hautirritationen, Schwindel und Übelkeit führen. Der Name leitet sich daher ab, dass die rosa schimmernden Quallen zu leuchten beginnen, wenn sie sich gestört fühlen.

Ein wichtiger Faktor bei der Quallenplage ist nach Ansicht der Experten die Erwärmung des Wassers. Das westliche Mittelmeer ist derzeit ein Grad wärmer als normal. Ein weitere Ursache sei die Überfischung, betont der Meeresbiologe Francesc Pagés aus Barcelona. "Dadurch wurden die natürliche Feinde der Quallen wie die Tunfische oder Meeresschildkröten stark reduziert."

Der Biologe Josep Maria Gili hat eine weitere Erklärung: "Die Plagen fallen mit Dürren und Trockenzeiten zusammen. Wenn viel Süßwasser ins Meer fließt, bildet dies eine Art von Schutzfilm, der die Quallen von den Küsten fern hält. Da die Regenfälle abgenommen haben, treten die Plagen immer häufiger auf."

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