bedeckt München 29°

Sotschi als Reiseziel:Es war einmal ein Kurort

Workers carry building material along beach promenade currently next to 2014 Winter Games Olympic Park in Sochi

Aufpoliert: Arbeiter auf der Strandpromenade in Sotschi.

(Foto: Reuters)

Die Olympischen Winterspiele sollen aus einer ruhigen Stadt eine Metropole machen - und ein künftiges Lieblingsreiseziel, nicht nur für Russen. Doch was ist tatsächlich geboten? Ein Überblick.

Von Carsten Eberts, Sotschi

Wer Sotschi hört, denkt zuerst an Bausünden. Gewaltige Sportstätten aus schwerem Stahl, in eine beschauliche Stadt gepflanzt. Mehrspurige Straßen und Eisenbahntrassen, um den Olympiatross von A nach B zu geleiten. An viel Natur, die zerstört wurde, an Bewohner, die jahrelang vom Lärm tyrannisiert oder umgesiedelt wurden, weil ihre Häuser einer neuen, überdimensionierten Autobahn im Weg standen. Alles für die Olympischen Spiele.

Früher war Sotschi eine Kurstadt. Nach fünf Jahren intensiver Bauphase geht sie heute nur noch schwerlich als solche durch. Mit dem ruhigen Leben abseits der Hektik ist es vielerorts vorbei. Jetzt soll Sotschi eine Metropole sein.

Und trotzdem: In sechs Wochen sind die Olympischen und Paralympischen Spiele Geschichte. Die Stadt ist dann wieder auf sich allein gestellt. Ein paar Reize und schöne Ecken sind ihr aber geblieben - trotz Olympia. Ein Überblick.

Auf einem Breitengrad wie Nizza

Sotschi ist die einzige russische Stadt mit subtropischem Klima, sie liegt auf demselben Breitengrad wie Venedig, Nizza und New York. Das Wasser im Schwarzen Meer ist warm und gefriert auch im Winter nicht, selten sinken die Temperaturen unter zehn Grad Celsius. Die Palmen, die überall auf den Straßen und Plätzen stehen, vervollständigen das mediterrane Flair. Der Sommer ist Sotschis eigentliche Jahreszeit, nicht der Winter.

Badewetter von April bis Oktober

Deshalb ist Sotschi bei den Russen ein beliebtes Reiseziel, bis zu vier Millionen kamen zuletzt pro Jahr hierher. Im Sommer kann es sehr heiß werden, sogar über 40 Grad. Die Badezeit beginnt im April und dauert bis Ende Oktober. Kommt die Sonne heraus, herrscht sogar Mitte November noch reges Treiben am Strand. Am Hafen verläuft eine Prachtpromenade mit Boutiquen und Restaurants, unterhalb liegt der städtische Kiesstrand, genannt "Majak" (wie übrigens auch der bekannte Schwulenklub der Stadt). Weitere Strände gibt es außerhalb der Stadt.

Previews - Winter Olympics Day -5

Palme am Hafen von Sotschi

(Foto: Getty Images)

Längste Kurstadt der Welt

Sotschi sei die längste Kurstadt der Welt, sagen die Einheimischen. Schließlich schlängeln sich die Vororte über fast 150 Kilometer am Schwarzen Meer entlang. Schon Stalin schickte einfache Arbeiter zur Erholung hierher, denn Sotschi ist bekannt für sein gutes Wasser und seine reine Luft. Auch die Schwefelbäder von Macesta sind weltberühmt: Der hohe Gehalt an Schwefelstoffen soll helfen, Krankheiten zu heilen, unter anderem Neurodermitis. Wer in den zahlreichen Sanatorien eine Kur gebucht hat, wird täglich mit dem Bus dorthin gefahren.

Zumindest ein bisschen grün

Seit die Baufirmen über Sotschi herfielen, sind die Grünflächen rar geworden. Aber es gibt sie noch: den Riviera Park mitten in der Stadt zum Beispiel, gleich hinter der Mündung des Sotschi-Flusses. Im ältesten Park der Stadt gibt es Karussells für Kinder und etwa 240 Pflanzenarten für Naturliebhaber, eine Mischung aus Freizeitpark und botanischem Garten. Oder das Dendrarium, ein weiterer Park, mit Bambuswäldern und kleinen Teichen. Mit der Seilbahn geht es hinauf bis zum höchsten Punkt der Anlage, und dann zu Fuß wieder herunter.

Um Sotschi herum: ein Nationalpark

Mehr Grün gibt es rings um Sotschi, hier erstreckt sich ein gewaltiger Nationalpark. Einige Kilometer landeinwärts in Richtung Berge liegt das Kaukasische Biosphärenreservat, ein weltbekannter Naturschutzpark, der schon seit den siebziger Jahren zum Unesco-Weltnaturerbe gehört. Das Reservat zieht sich über 300.000 Hektar durchs Hochgebirge, umfasst den niedrigsten Gletscher Europas und zahlreiche gigantische Wasserfälle, manche mit mehr als 100 Metern Falltiefe. Unterirdische Seen, Korallenstöcke und unerforschte Höhlen machen das Reservat zu einem Paradies.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB