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Skigebiete Sillian-Hochpustertal und Kals-Matrei in Osttirol:Geheimtipp mit Großglockner-Blick

Über das Skigebiet Sillian-Hochpustertal freuen sich Freizeitsportler, für die "Ski-Gaudi" noch Fahren und nicht nur Feiern bedeutet. Wem das zu wenig ist, zieht eine Ecke weiter.

Skilehrer Sepp Wieser hat hoch oben auf dem Thurntaler, dem Hausberg von Sillian, alles im Blick. Nicht seine Kunden, die stehen gerade staunend hinter ihm, sondern die Sextener Dolomiten im Südwesten, die Karawanken im Südosten und den höchsten Berg Österreichs, den Großglockner, im Osten. 2400 Meter über Sillian in Osttirol hält der 360-Grad-Rundumblick auf die Pracht der Nachbarberge vom Skifahren ab.

Ein feiner und leiser Start in den Winter: Im Skizentrum Sillian im Hochpustertal ist das ein Traum für diejenigen, die in den sowieso turbulenten Wochen vor Weihnachten keine lärmende Mega-Skisaisoneröffnung samt Materialtest vor der Schneebar und Dauer-Party wollen. Für die weniger mehr ist - nur nicht beim Schnee, da hat man in Osttirol vorgesorgt. Zwischen Felbertauern-Tunnel, Obertilliach und Sillian - direkt an der Grenze zu Südtirol - verteilen sich sieben kleinere Skigebiete in der spektakulären Landschaft.

Auf insgesamt 150 Pistenkilometer kommen alle sieben zusammen. Im Wettrennen um die meisten Pistenkilometer, das sich die großen Skigebiete mit allen Tricks liefern, sind die Osttiroler so etwas wie Eddy the Eagle einst unter den Skispringern: ganz nett, aber nicht wirklich ernst zu nehmen. Genießer und Freunde angenehm nutzbarer, weil nicht so stark frequentierter Pisten fühlen sich hier aber sehr wohl. Statt Kilometer zu zählen, achten sie auf den Schnee, die eigene Technik, die eine oder andere Einkehrmöglichkeit - und natürlich auf die Aussicht. Beim Skigebietetest "Best Ski Resort" wurde Sillian sogar offiziell als Geheimtipp enttarnt.

Zügig fährt Sepp Wieser jetzt voran, im Advent ist genug Platz auf den ohnehin großzügig bemessenen Pisten von Sillian - ausgebremst wird man hier selten. Das vor allem nach Süden hin orientierte Gelände kennt der Skilehrer gut: Im Sommer ist Wieser Bauer, auf den Almen grasen dann seine Rinder. Die Weidegenossenschaft, der er angehört, hat natürlich etwas mitzureden im Skigebiet. Wenn die Eigentümer alle wollten, sagt Wieser, könnte man es vergrößern, Richtung Hochrast und Innervillgraten, also nach Nordosten hinüber. Aber momentan seien sie sich nicht einig, die mögliche Erweiterung ist im Pistenplan bislang nur als "Projekt" eingezeichnet.

Pistenplan Sillian Osttirol Hochpustertal

Pistenplan von Sillian-Hochpustertal

(Foto: Schultz-Gruppe)

Dem Skifahrer fehlt diese Erweiterung nicht, wenn er sich vom Thurntaler Gipfel aus am westlichen Rand hält, immer schön auf roter Piste den Bergrücken entlang, und er dann eine kurze heiße Phase auf einer schwarzen Piste überwindet und runter zur Mittelstation fährt. Diese Route 1 ist auf jeden Fall eine gute Wahl. Man fühlt sich fast so, als würde man auf dem riesigen Rücken eines Wals hinunter gleiten, immer mit dem fantastischen Blick auf die Dolomiten.

Wer ein wenig mehr Strecke machen will, nimmt eine der zahlreichen Varianten, die einen zur Talabfahrt nach Außervillgraten bringen. Ganz gemütlich zum Warmfahren laden die breiten, blau markierten Pisten in der Mitte des Gebiets ein, in weiten Schwüngen kann man hinunter zur Station Gadein fahren. Ein paar Skischulkinder sind dort unterwegs, ein paar Jugendliche versuchen sich am Rand der Pisten in Sprüngen, im Buckelpistentanz und im Tiefschnee - vorausgesetzt, es gibt Tiefschnee.

Der Schnee ist ja mittlerweile eine heiß diskutierte Angelegenheit. In Sillian kann man in der Regel von Anfang Dezember an durchgehend Ski fahren, unabhängig von der natürlichen Schneelage. Die war in der vergangenen Saison selbst im sonst zuverlässig schneereichen Osttirol so mau wie im gesamten Alpenraum.

In Sillian lässt man daher Schnee aus Kanonen rauschen, damit auch Dezemberurlauber nicht auf der Wiese sitzen. Man kann dieses Weiß gutheißen oder nicht, auf jeden Fall funktioniert die Beschneiung in Sillian. Ein Großteil des Gebietes liegt oberhalb der Baumgrenze und damit hoch genug, um wiederum kalt genug für die künstliche Produktion von Schnee zu sein. Für die Pistenpräparierung heimste das Gebiet auf Skiresort.de die Bestnote ein, zu Recht. Keine vereisten, beinharten Passagen, sondern griffiges Weiß, im Flachen wie im Steilen. Kurzum, für den Start in den Winter ist Sillian eine gute Wahl - dank großzügiger, bestens präparierter Pisten ohne Halligalli auf der Hütte und frei von Gedränge an den Liften.

Wer es nach einem oder zwei Tagen in Sillian etwas größer, variantenreicher und steiler wünscht, fährt nur wenige Kilometer weiter ins Großglockner Resort Kals-Matrei - das doppelt so viele Pistenkilometer zum gleichen Preis wie Sillian bietet. Und einige Hütten mehr, mehr Musik, mehr Ski-Gaudi.

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