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Skifahren in Frankreich:Das Skigebiet Les Deux Alpes ist doppelt gut

Ein Hochtal mit einer riesigen Skistation und Hängen bis auf 3550 Meter Höhe: Les Deux Alpes überzeugt nicht nur auf, sondern auch abseits der Pisten.

Von Stefan Herbke

Finanziell brauchen sich die Bauern in Les Deux Alpes keine Sorgen mehr machen. Sie haben ihr einstiges Weideland, eine malerische und rund einen Kilometer lange, nahezu flache Hochebene, längst vergoldet. Statt Kühe grasen jetzt die internationalen Gäste das Hochplateau ab.

Die einstigen Wiesen wurden komplett mit Geschäften, Bars, Restaurants, Hotels und vielen Appartementhäusern zugepflastert. Richtig schön ist das nicht, aber sehr funktionell. Doch die Franzosen versuchen, optische Korrekturen durchzuführen und die Architektur an heutige Erfordernisse anzupassen.

Von der Alm zum ewigen Eis

Skifahrerisch ist Les Deux Alpes - wie alle französischen Skistationen - einfach perfekt. Die Retortenstationen mögen zwar optisch Nachteile haben, doch beim Lift- und Pistenangebot ist alles durchdacht und funktioniert reibungslos. Die Wege zum nächsten Lift sind kurz, gleich mehrere Bahnen und Lifte führen von der Passhöhe ins Skigebiet, so dass Wartezeiten die Ausnahme sind.

Die leichteren und bereits vormittags wunderschön in der Sonne liegenden Hänge befinden sich dabei westlich des Passes. Bis auf 2100 Meter Höhe reichen hier die maximal mittelschweren Pisten unter dem Pied Moutet.

Gegenüber geht es weit höher hinauf. Der Jandri Express führt in zwei Sektionen bis zum Gletscherrand auf 3200 Meter, mit Schleppliften erreicht man schließlich eine Schneekuppe unter dem 3669 Meter hohen Pic de la Grave. Von hier aus wechseln Experten hinüber nach la Grave, dem Freeride-Mekka der Alpen, alle anderen genießen erst einmal die weichen Pulverschneepisten am Gletscher und das großartige Panorama.

Weitblicke bis zum Mont Blanc

Les Deux Alpes liegt am Rand der Dauphiné, einer der wildesten und hochalpinsten Regionen der Alpen. Tief eingeschnittene Täler, himmelhohe Bergflanken und die Barre des Ecrins als südlichster Viertausender bestimmen das Bild. Auf der anderen Seite begeistern die Weitblicke bis zum Mont Blanc, dem höchsten Gipfel der Alpen.

So wild wie die Dauphiné sind auch so manche Varianten abseits der Piste wie die extremen Runs hinunter nach St. Christophe, die nur Ortskundigen bei sicheren Verhältnissen zu empfehlen sind.

Unten in St. Christophe treffen sich die Freerider im "La Cordée" von Marie-Claude Turc und erst, nachdem sie sich an der exzellenten Küche gestärkt haben, geht es mit dem Kleinbus weiter nach Venosc und mit der Gondelbahn wieder hinauf nach Les Deux Alpes. Dort treffen sich Freerider gerne bei Jutta Bräunlein. Die Nürnbergerin verschlug es 1996 nach Les Deux Alpes und ihr kleiner Laden "Ski extreme" gilt längst als Tauschbörse neuester Infos zu den aktuellen Schneeverhältnissen.

Pisten und Bars für jeden Geschmack

So hochalpin die Kulisse auch ist, im Skigebiet mit seinen insgesamt 220 Kilometer Pisten finden selbst Einsteiger reichlich Möglichkeiten. Es ist kein Problem, auf blauen Pisten das Gebiet zu erkunden, während Könner mal links, mal rechts abbiegen und sich dort auf schweren Abfahrten, knackigen Buckelpisten oder spannenden Skirouten austoben.

Die Krönung ist der Snowpark unter La Toura: Funpark, Rails und Kicker gibt es hier in allen Größen, dazu eigene Lifte fürs bequeme Bergauf. So großartig das Skifahren in Les Deux Alpes bei sonnigem Wetter auch ist, schwierig wird es bei Schlechtwetter. Der Großteil des Skigebietes liegt oberhalb der Waldgrenze, entsprechend schwer ist die Orientierung bei Nebel.

Da hat man es in Les Deux Alpes selbst schon einfacher. Die Bars reihen sich entlang der Straße und egal ob man im "Rip Curl Café", in dem sich am frühen Nachmittag die Skilehrer treffen, oder abends im Pub Windsor landet, es wird garantiert feucht-fröhlich.

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© Süddeutsche.de/dd
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