Sinnsuche auf Bali Nächster Programmpunkt: Shopping

Dumme Fragen von Touristen

"Wann wird der Nebel abgedreht?"

Und? Wie war es bei dir?

Die Amerikanerinnen sind aufgeregt. Maria, die gerade ihren neuen Freund in Korea zurückgelassen hat, glaubt, Ketut habe ihr etwas über ihren Ex-Ex-Freund gesagt, einen Amerikaner, mit dem es ungut endete. Und Anne-Claire wollte eigentlich Rat, welchen Berufsweg sie nun einschlagen soll. "Was immer du machst, du wirst erfolgreich sein", sagte Ketut. "Genau das ist ja das Problem", klagt Anne-Claire.

Als ich dran bin, fragt mich Ketut gleich: "Kennst du das Buch?" Das Ja belächelt er wie ein Geschenk, das man ihm zum Auspacken hinhält. Das Buch hat auch ihn berühmt - und für balinesische Verhältnisse sogar reich gemacht. Der Holzverschlag mit Veranda, auf dem wir sitzen, hat fünf Ableger, vor manchen stehen Käfige mit Papageien und Affen, Hühner picken herum.

Er ist ein kleiner Mann, braungebrannt, ein wenig verhutzelt. Die silbergrauen Haare sind schütter und nackenlang, er trägt ein seltsames, mit Comicaugen bedrucktes T-Shirt zum grün gemusterten Sarong. Auf ein Interview will er sich nicht einlassen. Zwei, drei Sätze lang beklagt er, dass er im Film nicht mitspielen konnte - die Nieren, Sie verstehen. Dann will er aus der Hand lesen.

Mit meiner ironischen Distanz komme ich hier nicht weit. Ich schwitze. Der Alte streichelt mir über den Arm, lobt meine Knie, sogar die Schultern. Er ist schwer zu verstehen, nuschelt zahnlos, aber was er sagt, klingt gut: "Reich, fidel bis hundert, wunderschön." Elizabeth Gilbert hat er etwas Ähnliches vorhergesagt. Nun ist ihr Leben Hollywoodgefidel, und sie sieht darin aus wie Julia Roberts. Wir steigen wieder in den Bus, der nächste Programmpunkt ist Shopping. Die Mädchen rätseln über die Wahrsager-Worte. "Findet ihr, ich sollte mich bei meinem Ex-Freund melden?", fragt Maria. Die anderen stöhnen.