Sinnsuche auf Bali Auf Fortpflanzung ausgelegt

Gilbert erzählt von einer großen Krise, Beziehungsende-Elend, Depressionen. Und dann von der Hippie-Sehnsucht des Sich-auf-die-Reise-Machens. Weil sie das aber in der abgeklärt ironischen Herangehensweise beschreibt, mildert sie jeden Einspruch, den man haben könnte, sofort wieder ab. Das Buch ist kein Ratgeber. Doch viele Leserinnen behandeln "Eat, Pray, Love" so wie wir im Kleinbus: als einen Reiseführer zum Glück. Sie machen das, was auch die Gilbert machte: Pasta essen, Yoga üben und auf die Zauberinsel Bali fahren.

Indonesien

Es muss nicht immer Bali sein

Möglich, dass diese Frauen im trubeligen Rom nicht besonders auffallen. In Bali schon. Man erkennt sie an den Yogamatten, die unter den Achseln baumeln, und am Willen zum organisch-korrekten Amüsement. In den Buchhandlungen Balis kann man fünf verschiedene Yoga-Magazine kaufen, es gibt WLAN und den Soja-Latte. Das Buch, das alles lostrat, liegt zum Turm geschichtet neben der Kasse.

Aber kein Balinese würde je ein böses Wort über das sagen, was Elizabeth Gilbert angerichtet hat. Zu froh sind sie hier, dass sich die Touristen nicht mehr vor Terroristen fürchten. Schon jetzt steigen stetig die Urlauberzahlen, Reiseagenturen bejubeln einen Zuwachs von rund 20 Prozent. Die Reiseveranstalter überbieten sich bereits in speziellen Eat-Pray-Love-Angeboten: etwa Filmkulissen gucken, Pizza essen und meditieren.

Schon das Buch hat die Insel verändert. Im Reiseführer Lonely Planet wird es deshalb nur "the damn book" genannt, das verdammte Buch, das seit 2006 diesen nervigen Frauentyp nach Ubud gebracht hat: Frauen mit einer "Mischung aus Selbstgefälligkeit, Anspruch und zu viel Yoga und einer Spur Verzweiflung darüber, dass sie ihren Felipe eben noch nicht gefunden haben".

Vielleicht macht der Film Bali nun vollends zum Thailand der Mittdreißigerin, die sich endlich mal was gönnen will. "Auf Bali sollte jeder eine Affäre haben", sagt Gilberts brasilianische Freundin im Film und vermittelt in den Strandpartywirren zwischen einem hübschen Kerl, der bald sein T-Shirt abstreifen wird, und der vom vielen Meditieren etwas verstockten Schriftstellerin.

Es gibt wohl wenige Orte, die so sehr auf Fortpflanzung ausgelegt sind, wie diese sattgrüne Insel Indonesiens. Die Luft ist schwer und schwül, der Boden ist so fruchtbar, dass es passieren kann, dass aus einem Stock, den man in die Reisfelder wirft, ein paar Monate später ein Baum wächst. Für beziehungswillige Männer hat Elizabeth Gilbert einen sehr einfachen Rat: "Kommt in meine Lesung und stellt eine feinfühlige Frage. Wahrscheinlich werdet ihr dann mit 29 Telefonnummer von Frauen, die euch daten wollen, wieder weggehen."