Flughäfen:Changi soll ein stiller Airport sein

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Manche Orte überraschen. Eine grüne Schleuse, Terminal 3: Eintauchen in eine andere Welt des Fliegens. Unter dem gewölbten Glasdach flattern bunte tropische Schmetterlinge, sie schlüpfen hier, tanzen dann über Büsche und Blüten, trinken an aufgeschnittenen Ananasfrüchten. Groß ist die Anlage nicht, aber eine hübsche Abwechslung für alle, die sich noch Zeit zu vertreiben haben.

Zur Ruhe kommen kann man auf sehr verschiedene Weise in diesem Airport. Auf dem Dach gibt es einen Outdoor-Pool, besonders beliebt bei europäischen Gästen, die froh sind, dem kalten Schmuddelwetter zu Hause entflohen zu sein. Wer genug Zeit mitbringt, kann sich in einen der Kinosäle setzten oder in die Spa-Zone flüchten, wobei es eigentlich nirgendwo in den Gängen von Changi hektisch und laut zugeht. "Wir haben vor einigen Jahren entschieden, dass wir ein stiller Airport sein wollen", sagt Tan. Dazu gehört, dass die Flüge nicht mehr über nervige Daueransagen ausgerufen werden, viele Gänge sind mit Teppichen ausgelegt, was Lärm schluckt. Das ist aufwendiger in Pflege und Reinigung als Steinböden, viele wundern sich, dass Changi diesen Aufwand betreibt, aber die gedämpfte Atmosphäre ist offenbar ein wichtiger Faktor, der Stress mindert, ohne dass es den Gästen auffällt.

Flughäfen: Im Terminal 3 leben Schmetterlinge.

Im Terminal 3 leben Schmetterlinge.

(Foto: Mauritius)
Changi Airport - press photos

Auf dem Dach des Flughafens gibt es einen Pool.

(Foto: Changi Airport)

Aufzug in den vierten Stock im Terminal 2, honigfarbene Holzwände, Stoffsessel in Violett, dazu ein riesiger Schaukasten mit dem Modell des Flughafengeländes. Terminal 1 bis 4 sind in Betrieb, mit dem Bau des fünften wird nun bald begonnen. Tan muss die Zahlen nicht nachschlagen, er hat sie im Kopf: Ein Start oder eine Landung, alle 80 Sekunden, damit liegt Changi, was die Flugbewegungen betrifft, weltweit an siebter Stelle. 66 Millionen Fluggäste verzeichnete Changi im vergangenen Jahr, bis 2024 will Singapurs Flughafen seine Kapazität auf 90 Millionen steigern, dann, mit dem Ausbau von Terminal 5, noch einmal um weitere 50 Millionen. "Der Flughafen ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Singapur", sagt Tan. "Und der Kuchen wird größer." Der Flugverkehr in Asien, er wächst und wächst.

In dem Moment fällt einem nun doch die Dauerblamage des Berliner Flughafens ein, der niemals fertig zu werden scheint. Ivan Tan ist viel zu höflich, als dass er sich über Probleme der anderen auslassen würde. Er führt lieber zur neuesten Attraktion auf dem Gelände. "Jewel" heißt sie, eine futuristische Kuppel, die in wenigen Minuten über Fußgängertunnel oder mit einem Shuttle von allen Terminals aus erreichbar ist. Das Herz des "Juwels" ist ein gewaltiger Wasserfall. Durch eine kreisförmige Öffnung in der Glaskuppel stürzt das Wasser hinab; 2000 Bäume wachsen innerhalb der Dschungelwände, die mit 100 000 Pflanzen begrünt sind. Regnet es draußen, schwillt der Wasserfall an. Es gibt Balustraden und Brücken und ruhige Sitzplätze am Wasser. Dazu Shops, Cafés und Restaurants. Wer möchte, kann hier schon Stunden vor Abflug an kleinen Terminals seine Bordkarte ziehen und das Gepäck einchecken, sodass man sich unbeschwert einige Stunden herumtreiben kann. Jewel soll allerdings nicht nur Fluggäste bei Laune halten, sondern auch Besucher aus der Metropole zu einem Ausflug locken. Das passt zur Stadt; auch in Singapur sind Freizeit, Kommerz und Konsum oft eng verzahnt.

Natürlich darf keine Flughafentour enden ohne einen letzten Blick in die Toiletten. An jedem Eingang leuchtet ein Screen. "Bewerten Sie die Toilette!", steht darüber, eine Reihe von Emojis lassen sich antippen, fünf Gesichter, vom Smiley ganz links für "exzellent" bis zum Schmollmund ganz rechts, "sehr schlecht". Problematische Werte bekommt der Chef der Putztruppe ohne Verzögerung auf sein Tablet gemeldet, "real time feedback" nennt sich das. Und so kann er die Reiniger umgehend und gezielt in Marsch setzen.

Digitalisierte Örtchen überall, und im Terminal 1 haben diese sogar große Panoramafenster. Manche Kunden sind derart begeistert, dass sie davon schon Youtube-Videos ins Netz gestellt haben. Toilette mit Aussicht auf den A 380, Changi Airport macht's möglich.

Der Besuch bei den Schmetterlingen, im Dschungel, im Orchideengarten sowie das Nutzen der Schlafbereiche im Flughafen sind kostenfrei. Wer fünfeinhalb Stunden oder mehr Aufenthalt in Changi hat, kann an einer Stadttour teilnehmen; sie wird vom Flughafen angeboten und ist ebenfalls kostenfrei. Der Eintritt für den Dachpool beträgt 15 Euro, drei Stunden in der Lounge mit Fitnessraum und Dusche kosten 45 Euro.

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