Sieben Tage in Tibet Auf keinen Fall Medikamente nehmen

Buddhistische Mönche debattieren im Innenhof des Sera-Klosters in Lhasa.

(Foto: picture alliance / dpa)

Außer mir ist noch eine alte Frau zu Gast, die eine Ziege am Halsband mitgebracht hat. Der Frau ist von ihrem Lama aufgetragen worden, für ihr Seelenheil ein Leben vor dem Schlachter zu retten. Auf dem Rückweg am Jokhang in der Sonne die Pilger betrachtet. Als mir schwindlig wird, setze ich mich auf die warmen Bodenplatten. 20 Sekunden später sind zwei Polizisten in Zivil da. Ich muss sofort aufstehen. Wahrscheinlich befürchten sie, ein auf dem Boden sitzender Ausländer könnte der auslösende Moment für wochenlange gewalttätige Demonstrationen sein.

Im "Whole World Supermarket Welcome" neben dem Hotel Wasservorräte und Kekse gekauft, auf die ich aus unerfindlichen Gründen Appetit habe. Bevor ich die Packung öffnen kann, schlafe ich ein.

Vierter Tag: Schnee am Kloster

Die halbe Nacht wach wegen der Drecks-Kopfschmerzen. Bei Höhenkrankheit dürfe man auf keinen Fall Medikamente nehmen, steht in meinen Reiseführern: Weil die den Schmerz lindern, merke man nicht, wenn es dann allmählich gefährlich werde, Lungenödem und so weiter. Keine Tablette also, stattdessen die Kekse. Schmecken sehr merkwürdig. Ich untersuche die Packung: haltbar bis mindestens 2003.

Nach dem Frühstück fahren wir ins Ganden-Kloster. Mein Fahrer heißt Tashi und hasst die Chinesen. Wenn irgendwo jemand eine Panne hat und winkt, fährt Tashi ganz langsam an den Hilfesuchenden heran, und wenn er sieht, dass es ein chinesischer Fahrer ist, lacht er laut auf und gibt Vollgas. Das Kloster liegt auf 4200 Metern, hier oben ist tiefer Winter. Draußen stürmt und schneit es, drinnen ist alles vom Qualm der Butterkerzen zugenebelt. Muss mich alle zehn Minuten setzen. Rigdsin scheint nun ernsthaft besorgt.

Fünfter Tag: Schreiende Mönche

Morgens vom Murmeln der Pilger und dem Rasseln ihrer Gebetsmühlen wach geworden. Etwas besser gefühlt. Beim Frühstück die Touristin aus Sachsen angeherrscht, die mir von ihrer tibetischenGebetsecke erzählen will. Eier barsch abgelehnt. Pema und Nyima summen zweistimmig.