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Sieben Tage in Tibet:Hoffen auf Besserung

Im Hotel lege ich mich ins Bett und werde erst vier Stunden später wieder wach. Jetzt tun auch Nacken und Schultern weh. Mir ist kalt. Ich zittere auch ganz komisch. Im Reiseführer steht, dass so etwas absolut üblich ist, wenn man ohne Akklimatisierung in dieser Höhe landet. Nach zwei oder drei Tagen sei es meistens vorbei.

Tibet Lhasa Jokhang-Tempel Buddha

Buddhistische Pilger werfen sich vor dem Jokhang-Tempel in Lhasa auf den Boden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Schlafsack in die Sonne ans Fenster gesetzt und das Treiben vor dem Hotel beobachtet. Der kleine Hof ist durch ein gewaltiges Eisentor gesichert, das nur dann geöffnet wird, wenn der Fahrer eines wartenden Kleinbusses mindestens 17-mal laut gehupt hat. Dann bequemt sich der Torhüter aus seinem Stuhl und blökt den Fahrer an, was er denn wolle und wieso er hupe, worauf der Fahrer - jeder Fahrer - so etwas brüllt wie: "Ich muss Gäste abholen!" Beziehungsweise: "Ich bringe Gäste!" Worauf der Torwächter dann tatsächlich das Tor öffnet und sich der Stau aus Pilgern, Eselskarren und Militärpatrouillen hinter dem wartenden Kleinbus auflösen kann.

Gehe zurück ins Bett, schlafe wieder ein und schlafe bis nachts, schlafe dann immer weiter.

Dritter Tag: Einlullende Mantras

Der Majordomus schmettert mir sein "Eggs? Sir? Eggs?" entgegen, als ich noch auf der Treppe bin. Keine Eier, bitte nicht. Auch kein Porridge, und Bohnen auch nicht, dankeschön. Zum Glück wird er von einer Touristin aus Sachsen abgelenkt, die ihm erklärt, was sie noch alles für ihre tibetische Gebetsecke zu Hause einkaufen muss. Ich knabbere an einem Toastbrot. Diese Kopfschmerzen bringen mich um.

Rigdsin schaut etwas besorgt, als ich in die Lobby geschlurft komme. Aber morgen sei es bestimmt besser, sagt sie, und heute gehen wir auch nicht weit, nur bis zum Nonnenkloster Tsamkhung. "Nicht weit" ist in Lhasas Altstadt allerdings ein dehnbarer Begriff. Meist sind derart viele Menschen unterwegs, dass man sein Tempo nicht selbst bestimmen kann, sondern mitgeschoben wird. Außerdem kommt es etwa alle 100 Meter zu beträchtlicher Rauchentwicklung, wenn die Pilger bündelweise Wacholderzweige in große, steinerne Verbrennungsöfen stopfen. Ihre Gebete steigen mit dem Rauch hinauf zu den Göttern, heißt es. Für die Kopfschmerzen ist er nicht gut, der Rauch.

Offensichtlich sehe ich ziemlich mitgenommen aus, als wir im Kloster ankommen, jedenfalls werde ich von zwei kräftigen Nonnen untergehakt und auf ein freies Sitzkissen bugsiert. Dann beginnt das Mittagssingen.