Süddeutsche Zeitung

Sicherheit in Sotschi:Angst vor dem Terror

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Die olympischen Winterspiele in Sotschi sind Putins Prestigeprojekt. Und sie sollen so sicher sein, wie keine vor ihnen. Die jüngsten Terroranschläge geben allerdings Grund zur Sorge. Was Sie jetzt als Reisender zu den olympischen Winterspielen wissen sollten.

Von Felix Reek

Die olympischen Winterspiele sind sicher. So lässt sich das offizielle Statement von Alexander Schukow an diesem Montag zusammenfassen. Schukow ist Chef des Nationalen Olympischen Komitees und muss zur Zeit vor allem eines tun: beruhigen. In den vergangenen beiden Tagen detonierten in Wolgograd zwei Bomben, mindestens 27 Menschen starben. Und Schukow sagt: "Was die Wettkämpfe betrifft, sind alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen."

Das ehemalige Stalingrad ist nur 700 Kilometer von Sotschi entfernt, wo in wenigen Wochen am 7. Februar die olympischen Winterspiele starten. Wer hinter den Terrorakten steckt, ist noch nicht klar, beide Male handelte es sich um Selbstmordattentäter. Im Juli diesen Jahres hatte der tschetschenische Terrorist Doku Umarow Muslime zu Anschlägen bei den Olympischen Spielen aufgerufen. Das zeigt: Die Angst, dass es auch in Sotschi gefährlich werden könnte, ist nicht unbegründet.

60.000 Beamte sorgen vor Ort für Sicherheit

Doch das Interantionale Olympische Komitee IOC vertraut auf die Regierung. "Bei den Olympischen Spielen liegt die Sicherheit in der Verantwortung der lokalen Behörden, und wir haben keinen Zweifel daran, dass die russischen Behörden sie gewährleisten werden." Zusätzliche Schritte müssten nicht unternommen werden.

Mehr Sicherheit ist auch kaum möglich. Sotschi gleicht schon jetzt einem Militärstützpunkt. Bereits 2009 rief die russische Regierung einen eigenen Sicherheitsstab für die Stadt am Schwarzen Meer ein, mit einem Budget von etwa 1,45 Milliarden Euro. Der hat ganze Arbeit geleistet. Einen Monat vor Eröffnung der Olympischen Spiele ist die Zufahrt für Autos aus anderen Regionen gesperrt. Während der Wettkämpfe soll die ganze Stadt für Nicht-Einwohner und Nicht-Olympia-Besucher abgeriegelt werden. Hinzu kommen Sicherheitszonen in Sotschi, die unter anderem Sportstätten, Flughäfen, Bahnhöfe sowie Checkpoints umfassen, in denen Personen und Autos jederzeit durchsucht werden können.

Vor Ort sorgen 37.000 Polizisten für Ordnung, hinzu kommen 23.000 Männer in Zivil, die die Sicherheit der Anlagen beaufsichtigen. Neu ist auch der "Spectator Pass". Um die Olympischen Spiele zu besuchen, müssen sich alle Ticketbesitzer noch einmal mit ihren persönlichen Daten registrieren. Ohne ihn erhält niemand Einlass.

Nur 25 Prozent der Karten gehen überhaupt ins Ausland

Bis zu 600.000 Besucher erwartet die Stadt am Schwarzen Meer zwischen dem 7. und 23. Februar. Drei Viertel der Tickets sind für Sportfans aus Russland vorgesehen, der Rest geht ins Ausland. Der Verkauf in Deutschland lief zunächst schleppend. 10.000 Tickets standen zur Verfügung, doch die hohen Preise und die Visumspflicht könnten viele Interessenten abgeschreckt haben. Auch die Unterbringung vor Ort war aufgrund zu niedrigerer Kapazitäten angespannt. Erst als der Anbieter mit dem Kreuzfahrtschiff MS Louis Olympia eine vor Ort ankernde Alternative bot, zog der Verkauf an, sagt Angela de Sando von Dertour, dem exklusiven Anbieter der Tickets in Deutschland.

Inzwischen sind nur noch etwa 100 Karten übrig, so de Sando. Rücktrittswünsche von Reisenden gebe es bisher nicht. Seit Jahrzehnten vertreibt der Anbieter Tickets für die Olympischen Spiele, einen Unterschied zum Verkauf bei bisherigen Veranstaltungen kann de Sando bisher nicht ausmachen.

Keine Panik unter Olympia-Urlaubern

"Diese Art von Reisenden sind ganz besondere Gäste, die sich jahrelang freuen und froh sind, Tickets bekommen zu haben", so de Sando. Deswegen erwarte Dertour keine Panik unter den Olympia-Urlaubern. Entscheidend ist für den Veranstalter die Aussage des Auswärtigen Amtes, das bisher keine Warnung für Sotschi ausgesprochen hat.

Trotz der noch wenigen erhältlichen Tickets waren am Montag noch die meisten Veranstaltungen buchbar. 16 Euro zahlen Sportfans für die Skeleton-Wettbewerbe, 598 Euro für die Abschlussfeier. Die Ausgabe der Tickets erfolgt erst vom Januar 2014 an. Das Paket mit Unterkunft startet ab 700 Euro - ohne Anreise. Die macht nur mit dem Flugzeug Sinn. Die Zugverbindung ab Berlin dauert mehr als 60 Stunden, mit dem Auto sind es etwa 35 Stunden. Flüge schaffen die Strecke in acht bis zehn Stunden und kosten mindestens 500 Euro.

Wenigstens werden Besucher mit einem milden Klima belohnt. Sotschi liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Nizza, die Küstenzone ist subtropisch. Januar und Februar sind zwar die kältesten Monate des Jahres, doch auch hier bleiben die Temperaturen meist zwischen drei und zehn Grad. Schneemangel wird es dennoch keinen geben: Die Veranstalter haben vorsorglich 350.000 Kubikmeter eingelagert.

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