Sicherheit an Bahnhöfen Angst am Zug

Viele Fahrgäste der Bahn wünschen sich laut Umfrage eine bessere Überwachung an Haltestellen und Bahnhöfen.

(Foto: dpa)

Fast jeder vierte Fahrgast fühlt sich laut einer Umfrage an Haltestellen und Bahnhöfen unsicher. Viele wünschen sich eine bessere Überwachung oder ein Alkoholverbot - und sind damit anderer Meinung als die Initiatoren der Studie.

Von Daniela Kuhr

Nachts allein auf einer einsamen Landstraße zu stehen und auf einen Bus zu warten, ist nicht gerade angenehm. Selbst gestandenen Männern kann da schon mal mulmig werden. Man weiß nie, wer vorbei kommt und wie er drauf ist. Auch an Bahnhöfen kann einen Angst beschleichen. Und dafür muss man noch nicht mal allein sein; es reicht schon, wenn in ein paar Metern Entfernung ein paar Betrunkene pöbeln, die erkennbar auf Krawall aus sind.

Eine Forsa-Umfrage hat nun ergeben: Knapp jeder vierte Fahrgast fühlt sich an Haltestellen und Bahnhöfen unsicher. Für Dirk Flege, Geschäftsführer des Lobby-Verbands Allianz pro Schiene, ist das alarmierend: Diese Ängste müssten ernst genommen werden, sagte Flege bei der Vorstellung der Studie am Dienstag in Berlin. "Im Zweifelsfall gibt nämlich das Gefühl den Ausschlag, ob jemand den öffentlichen Verkehr nützt oder meidet."

Polizei dabei

In den Fahrzeugen selbst dagegen sieht es deutlich besser aus. So gaben 92 Prozent der Befragten an, sich in Zügen, U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen sicher oder sogar sehr sicher zu fühlen. "Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Fahrzeuge modern und sauber sind", sagte Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, der die Studie gemeinsam mit der Allianz pro Schiene in Auftrag gegeben hat.

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78 Prozent der Fahrgäste sei es demnach wichtig oder sogar sehr wichtig, dass Züge, U-Bahnen, Busse und Haltestellen mit Videokameras überwacht seien. 76 Prozent möchten, dass Personal in Dienstuniform in der Nähe und ansprechbar ist. 71 Prozent würden ein generelles Alkoholverbot für die Fahrgäste im öffentlichen Personenverkehr begrüßen. 63 Prozent sähen es gern, wenn Sicherheitspersonal mitfahren würde. 29 Prozent möchten sogar, dass Polizisten in Bahnen und Bussen anwesend sind.

Studie mit Schwächen

Allerdings hat die Umfrage Schwächen. Pro Bundesland wurden nur 200 Fahrgäste befragt. Weder wurde nach den Ursachen für das unsichere Gefühl gefragt noch danach, ob es sich generell einstellt oder nur nachts. Rückschlüsse darüber, was zu tun ist, um die Lage zu verbessern, sind daher kaum möglich. Auch haben Naumann und Flege keine Erklärung dafür, warum sich knapp 80 Prozent der Fahrgäste in Thüringen und Bayern sicher fühlen, im Saarland dagegen nur 60 Prozent. "Wir hätten gern viel mehr gefragt", sagte Flege. Doch das Budget habe nicht gereicht. Der Allianz pro Schiene gehören zahlreiche Verkehrs- und Umweltverbände an, zu ihren Förderern zählt die Deutsche Bahn.

Nicht allem, was die Fahrgäste fordern, stimmen die Initiatoren der Studie zu. Ein generelles Alkoholverbot etwa, das sich immerhin 71 Prozent der Befragten wünschen, möchte Naumann nicht. "Wir haben nichts dagegen, wenn der Maurermeister nach dem Dienst abends auf der Heimfahrt im Zug ein Bierchen trinkt", sagte er. Das sei ja gerade der Vorteil der Bahn: dass man nicht auf die Promille achten müsse.

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