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Shetland-Inseln:Der Feuertanz der närrischen Wikinger

Bei uns heißt es Fasching, die Bewohner der britischen Shetland-Inseln nennen es "Up Helly Aa": Einen Tag lang feiern sie wie wilde Nordmänner und verbrennen zum Schluss ein Schiff.

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Immer am letzten Dienstag des Januars sind im kleinen Städtchen Lerwick archaische Narren los. Kostümiert und mit Waffen ausgerüstet wie ihre skandinavischen Ahnen ziehen sie durch die Stadt - "Up Helly Aa" nennt sich das Ganze und mitmachen kann jeder kleine und große Mann, der den Wikinger noch in sich fühlt.

Angeführt vom "Guizer Jarl", einem verdienten Mitglied der Festleitung, marschieren die etwa Tausend Freizeit-Wikinger durch die Stadt, besuchen Krankenhäuser und Schulen, schwenken ihre Äxte und Schilder. Sobald es dunkelt, werden die Straßenlaterne abgeschaltet und Hunderte von Fackeln angezündet.

In einer langsamen Prozession, untermalt von Blas- und Pfeifenmusik, bewegt sich der Zug aus der Stadt hinaus, dem ersten Höhepunkt des Festes entgegen. Unter dem Absingen stimmungsvoller Schlachtgesänge wird ein Wikinger-Langschiff, in monatelanger Vorarbeit selbst gebaut, den Flammen geopfert.

Ist das Schiff verbrannt, folgt der zweite Teil des Festes. Teilnehmer und Zuschauer strömen in die umliegenden Gasthäuser und teils extra eingerichteten "Dancehalls" und tanzen und feiern bis zum nächsten Morgen. Die "Wikinger" werden in Gruppen geteilt, die rotierend in den Festsälen auflaufen, um dort möglichst wilde Sketche oder Tanzeinlagen vorzuführen.

Was auf den ersten Blick als uralte Tradition erscheint, geht wahrscheinlich nur bis ins 19. Jahrhundert zurück. Trotzdem: Mit "Up Helly Aa" demonstrieren die Shetland-Inseln Stolz auf ihre skandinavischen Wurzeln - und dass sie wenigstens genauso wild und ausschweifend zu feiern verstehen, wie ihre Vorfahren.

© sueddeutsche.de
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