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Sehenswürdigkeiten in Rom:Kolossale Versäumnisse

Eine im Kolosseum in Rom entdeckte Bombenattrappe macht deutlich: Die Sicherheitsvorkehrungen in Europas meistbesuchtem Monument sind vollkommen unzulänglich.

Es ist das meistbesuchte Monument Europas: Mehr als fünf Millionen Menschen kommen jedes Jahr ins Kolosseum, um Roms Wahrzeichen von innen zu bestaunen. Was die Besucher nicht ahnen, ist, dass sich offenbar schon länger niemand mehr ernsthaft Gedanken um die Sicherheit in den antiken Mauern gemacht hat.

Am vergangenen Sonntag hatte es einen Alarm gegeben, das riesige Amphitheater wurde evakuiert wegen eines verdächtigen Objekts. Der Schreck war schnell vorbei, Spezialisten der Feuerwehr identifizierten eine Bombenattrappe mit zwei Drähten.

Metalldetektor außer Betrieb

Ans Licht kam so, dass die Überwachung des Kolosseum völlig unzulänglich ist. Außen hat die Stadtpolizei Kameras installiert, aber im Inneren gibt es keine, und die Metalldetektoren sind außer Betrieb. Zudem ist viel zu wenig Aufsichtspersonal vor Ort. Höchstens sechs bis acht Leute sind es pro Schicht, dreimal so viele wären nötig. Und demnächst, sagt Kolosseum-Chefin Rossella Rea, würden von den 21 Wächtern drei pensioniert.

Darüber, wer für Sicherheit im Kolosseum was hätte tun müssen, streiten nun Roms Bürgermeister Gianni Alemanno und das Kulturministerium. Staatssekretär Francesco Giro sagt, er sei überrascht, dass Alemanno nicht wisse, dass die Metalldetektoren seit Jahren außer Betrieb sind. Man habe sich auf die Überwachung durch die Stadtpolizei vor dem Kolosseum verlassen. Alemanno wiederum fordert das Kulturministerium auf, die Sicherheitsmaßnahmen anständig zu koordinieren.

Touristen werden zu Barbaren

Dass die Besucher in ihren Taschen praktisch alles ins Kolosseum mitnehmen können, ist nicht nur aus Sicherheitsgründen fragwürdig. Wo einst Gladiatoren kämpften, kann man täglich beobachten, wie Touristen zu Barbaren werden: Sie benutzen die antike Stätte als Mülleimer und als Aschenbecher, sie klettern an verbotene Stellen. Während die Archäologen sich um den Erhalt jedes Quadratzentimeters bemühen, gibt es immer noch Besucher, die Steine einstecken. Von ihrem Treiben hält sie meist niemand ab, weil es an Aufsehern mangelt. Im Oktober beginnt die vom Unternehmer Diego Della Valle mit 25 Millionen Euro finanzierte Restaurierung des Kolosseum. Der Bürgermeister drängt darauf, dass dabei auch an Videokameras gedacht wird. Andrea Bachstein

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