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Schweiz: St. Moritz:Mit Vollgas durch die Fußgängerzone

Beim St. Moritz City Race messen Hobby-Rennfahrer und Weltklassesportler ihr Können auf einer Skipiste mitten im Ort.

Links auf der Startrampe steht ein Typ mit einer grünen Kugel auf dem Kopf. Er ist hoch motiviert. Zumindest ist das aus den seltsamen Lauten zu schließen, die der Mann macht: "Wuuuuuuuuuuuuuih! Jäääääääääääi!", tönt es unter dem Globus aus Pappmaché, und seine Mitstreiter, deren Helme ausstaffiert sind mit roten und blauen Kugeln, jaulen unisono mit. Nur nicht irritieren lassen. Jede Sekunde kann es losgehen.

City Race St. Moritz

City Race St. Moritz City Race in St. Moritz die Skipiste mitten im Dorf For the St. Moritz City Race comes the slope to Town Mit Tanja Gutmann, Bruno Kernen, Dani Mahrer,

(Foto: Roland Hemmi)

"Blau bereit?" "Jäääääi!" "Rot bereit?" "Ähm, ja." Moment, bin ich wirklich bereit? Ist das nicht Wahnsinn hier?

Ich stehe am Start zum St. Moritz City Race, einem ziemlich schrägen Skirennen. Die Strecke führt durch die Fußgängerzone von St. Moritz, vorbei an Banken, Boutiquen und Bars. Dreierteams treten gegeneinander zu einem Parallelslalom an, links der Kurs um die blauen Stangen, rechts der Kurs um die roten Stangen. Wenn ein Rennfahrer im Ziel ist, muss er einen großen schwarzen Buzzer drücken, erst dann darf oben der nächste starten. Der Kurs ist technisch nicht besonders schwierig, sodass auch durchschnittliche Skifahrer ihn bewältigen, aber dafür kann es in der Via Serlas, der Haupteinkaufsstraße von St. Moritz, ziemlich eng werden für zwei Skifahrer, die nebeneinander um jeden Zentimeter Vorsprung kämpfen.

Verrückte Events zur Saisoneröffnung

Zur Saisoneröffnung lassen sich die Skigebiete immer verrücktere Veranstaltungen einfallen: In Samnaun findet eine Nikolaus-Weltmeisterschaft mit Schornsteinwettklettern statt, in Ischgl tritt die Band Gossip auf, in Kitzbühel ist zum Winterauftakt ein schwules Ski-Happening mit "Gay-Ski-Guiding", Eisstockschießen und Schlagermusik geplant.

In St.Moritz hat man sich auf sportlichen Spaß konzentriert, was gut anzukommen scheint. 90 Dreierteams sind am vergangenen Wochenende an den Start gegangen, darunter einheimische Familien, Skilehrer, Gäste und Prominente.

Vom Podest am Start hat man einen schönen Blick über die Fußgängerzone bis zum 120 Meter entfernten Ziel. Am Start steht ein Riese, der alleine mehr wiegt als unser Dreierteam zusammen: Reto Götschi, ein ehemaliger Bob-Weltmeister aus der Schweiz, hinter ihm machen sich seine Teamkollegen warm, Guido Acklin und Ivo Rüegg, ebenfalls Bobfahrer. Im Gewühl vor dem Start zum Staffelrennen stehen Kinder mit Elchgeweihen aus Plüsch auf dem Helm, Jugendliche vom St. Moritzer Skiclub im hautengen Renndress, Senioren mit Glühweinbecher in der Hand - und Weltklassesportler wie die Mountainbike-Profis Ralph Näf, Lukas Flückiger und Michael Albasini. Gegen die wird es schwer werden, zumal meine Teamkollegen Jakob und Felix, beide 14 Jahre alt, Fliegengewichte sind im Vergleich zu den muskelbepackten Athleten.