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Schweiz:Luxuriös abschotten

"Wir wollen uns so durch die Krise retten." Alexander Hübner, Anbieter von Luxusapartments zur Corona-Quarantäne.

(Foto: privat)

In der Schweiz gibt es einen Hotelier, der Quarantäne-Apartments anbietet. Die reichen Kunden können sogar Corona-Tests bestellen.

Interview von Hans Gasser

Alexander Hübner bietet in Zürich, Zug und Luzern 42 Hotelapartments zur selbst gewählten Quarantäne an. Sie sind mit 500 Franken pro Nacht günstiger als zu normalen Zeiten und erfreuen sich guter Nachfrage. Vom Corona-Test bis zum Privatkoch können Gäste alle möglichen Services dazu buchen.

SZ: Warum vermarkten Sie Ihre Wohnungen als Quarantäne-Apartments?

Hübner: Nun ja, wir bei Le Bijou hatten immer schon den kontaktfreien Check-in mit Online-Bezahlung und Code an der Tür. Dann brachen plötzlich die ganzen Geschäftskunden weg, die ihre Events abgesagt haben, etwa die ganzen Luxusmarken und Banken. Gleichzeitig haben wir gemerkt, dass immer mehr Kunden unsere Apartments nicht nur für ein paar Tage wie sonst, sondern gleich für mehrere Wochen gebucht haben. Da mussten wir reagieren, um besser durch die Krise zu kommen.

Sie bieten Ihren Gästen für zusätzlich 500 Franken auch Corona-Tests an, die überall knapp sind.

Ja, wir arbeiten mit Privatkliniken zusammen. Da muss ein Arzt oder ein Krankenpfleger kommen, um die Probe zu nehmen, die Arbeitsstunden sind teuer in der Schweiz, und allein das Labor kostet 200 Franken. In den vergangenen Wochen ließen sich einige Gäste bei uns testen, alle waren negativ. Nun gab es eine Regeländerung, und man darf nur noch mit klaren Symptomen getestet werden. Unsere Kunden können auch medizinische Untersuchungen bestellen.

Woher kommen Ihre Kunden?

Man darf ja in die Schweiz nicht mehr einreisen. Wir schätzen, dass etwa die Hälfte Ausländer sind, die hier gestrandet sind, weil sie nicht von ihren Ländern nach Hause geholt wurden, einige waren vorher in Hotels und sind lieber in eine unserer Wohnungen umgezogen, weil es dort eine Küche gibt und wir auch einen Einkaufsservice anbieten. Die zweite Hälfte sind Schweizer, die sich abschotten wollen, weil sie vielleicht Risikogruppe sind oder zu Hause mit einem Risikopatienten zusammenleben.

Bekommen die Gäste Essen serviert?

Bisher haben wir dafür mit Restaurants gearbeitet, die den Kunden das Essen geliefert und serviert haben. Manche davon sind jetzt zu, aber wir haben immer noch Caterer, die unsere Kunden versorgen und das Essen vor der Tür abstellen. Wer möchte, kann aber auch einen privaten Koch buchen, der dann mit Schutzkleidung und Maske versehen in den Apartments kocht. Auch unser Reinigungspersonal hat Schutzanzüge und Masken. Die sind sehr froh, dass sie weiter beschäftigt werden.

Wie ist die Nachfrage?

Sehr gut. Von unseren 42 Apartments sind nun rund 30 dauerhaft für zwei oder mehr Wochen vermietet, nur zehn Wohnungen sind noch für kürzere Zeiträume buchbar. Wir bekommen jeden Tag viele Anfragen.

Sie profitieren also von der Krise?

Nein, das kann man so nicht sagen. Denn wir vermieten zu deutlich günstigeren Preisen, als wir das bei Geschäftskunden tun könnten. Und für den Sommer haben wir anders als sonst noch keine Buchungen. Es sind etwa 40 Prozent weniger Umsatz bisher.

© SZ vom 02.04.2020
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