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Schneeschuhtour im Kleinwalsertal:Nur nicht aus der Reihe tanzen

"Herrlich, dieser Schneesturm!" Ja spinnt denn die Bergführerin? Im eisigen Kleinwalsertal sind die Schneeschuhwanderer zunächst wenig begeistert. Bis sie sich auf den Weg machen.

Berge können sich nicht verstecken. Oder doch? Der 2533 Meter hohe Große Widderstein, höchster Berg des Kleinwalsertals, verschanzt sich hinter dicken Nebelvorhängen, Dunst ist bis in die Hanglagen hinuntergekrochen. Vielleicht doch lieber ins warme Café? Und nicht auf diesen Berg, der heute offenbar keinen Besuch wünscht? Aber kneifen geht nicht, die Schneeschuhtour durch das Schwarzwassertal im österreichischen Vorarlberg ist gebucht und die Gruppe wartet.

"Wieso, ist doch prächtiges Wetter für eine Schneeschuhwanderung", meint Bergführerin Daniela Schwendiger. Die zehn Teilnehmer, einige von ihnen Anfänger mit guter Grundkondition, sind weniger begeistert: Der eisige Wind bläst ihnen Schneeflocken entgegen, die auf ihren Gesichtern stechend schmelzen. Start ist an der 1260 Meter hoch gelegenen Auenhütte an der Talstation der Ifenbahn, hier teilt Schwendiger Schneeschuhe und Skistöcke aus und gibt eine kurze Einführung: "Ihr müsst breitbeinig gehen, denkt an John Wayne", sagt die Walserin - und erklärt für die Neulinge gleich noch Details des Schneeschuhs.

Etwa die Steighilfe, ein Bügel, der die Ferse ein Stück weit nach oben drückt. Eine willkommene Hilfe, wenn es steil durch den Tiefschnee nach oben geht. Bei leichten Anstiegen wie auf dem Weg durch das Schwarzwassertal ist diese Funktion aber überflüssig. Ebenso wie höhenverstellbare Teleskop-Wanderstöcke, die man sich für Touren besorgen sollte, auf denen es stark bergauf und bergab geht. Doch bei geringen Höhenunterschieden reichen Skistöcke völlig aus.

Immer wieder verlässt Schwendiger den Winterwanderweg und führt ihre Gruppe ins Gelände. Da tanzt man besser nicht aus der Reihe, das hat jeder bald begriffen: Der Erste, der die Spur im Tiefschnee zieht, tut sich am schwersten, der Zweite kommt bereits deutlich leichter vorwärts. Mancher ist zuerst ein wenig wackelig auf den Beinen, gerade wenn es die erste Tour der Saison ist. Doch auch mit wenig Schneeschuh-Erfahrung wächst das Vertrauen schnell: Selbst wer mal das Gleichgewicht verliert, fällt in dem tiefen Schnee weich wie auf Schaumstoffpolster.

Bei dieser Tour im Kleinwalsertal, die mit Pausen insgesamt etwa viereinhalb bis maximal sechs Stunden dauert, marschiert die Gruppe ein Stück am Schwarzwasserbach entlang, der durch das nach ihm benannte Hochtal fließt. Den Hochmooren der Umgebung verdankt er seine schwarzbraune Farbe. Sie kontrastiert mit den Bäumen - der starke Schneefall der vergangenen Stunden hat sie in Skulpturen verwandelt, die mit Eiskristallen umhüllt sind. Bergführerin Schwendiger ruft, weiterhin begeistert: "Ist das nicht herrlich, dieser Schneesturm!"

Auch die Gruppe ist inzwischen fröhlicher gestimmt. Die klare Bergluft wirkt belebend, Beine und Arme sind warm, da gut durchblutet. Schneehauben nehmen Felsblöcken die harten Konturen, auf einigen der Brocken wachsen Bäume. Ein Fels sieht aus wie das Haupt eines versteinerten Riesen, ein anderer wie der Kopf eines Drachens, ein weiterer Stein wie das Gesicht einer Elfe. Die Landschaft gäbe eine gute Kulisse für einen Märchen-Film ab, doch sie kann auch von gefährlicher Schönheit sein.