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Städtereise in Russland:Kunsthäppchen auf der Insel "Neu-Holland"

Zurück im Zentrum von Sankt Petersburg: Hier wird das Kulturareal " Neu-Holland" auf der gleichnamigen künstlichen Insel ebenfalls umgebaut, obwohl es schon 2011 eröffnete. Doch bis alle historischen Gebäude auf der Insel renoviert sind, werden noch sechs weitere Jahre vergehen. Hinter dem Großprojekt steht die Kunstmäzenin und Medienunternehmerin Darja Schukowa, bis vor zwei Jahren Ehefrau des Oligarchen Roman Abramowitsch.

Ursprünglich von Zar Peter dem Großen angelegt, wurde Neu-Holland Anfang des 18. Jahrhundert für die Lagerung von Bauholz genutzt. Peter hatte auf seinen Reisen nach Westeuropa 1697 das Handwerk des Schiffszimmermanns auf einer Amsterdamer Werft selbst gelernt und dabei Kenntnis davon erhalten, wie man Holzplanken länger trocken lagern kann. Er wandte die Methode auf Neu-Holland erstmals auf russischem Boden an. Später war hier der erste Militärhafen des Russischen Kaiserreiches, eine kleine Werft und ein Marine-Gefängnis. Doch nach der Oktoberrevolution verfielen die Backsteingebäude, die im niederländischen Stil angelegt sind.

Sankt Petersburg

Eingang zu Neu-Holland: Rechts die ehemalige Kommandatur, die heute von der Mayak-Schule genutzt wird.

(Foto: Paul Katzenberger)

Das New Yorker Architektenbüro WORKac gewann den Wettbewerb für die Instandsetzung der denkmalgeschützten Anlagen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Die Renovierung kostet Hunderte Millionen Euro. Restauriert wurde inzwischen die einstige Kommandantur, in der jetzt die innovative Mayak-Schule untergebracht ist, die kreative Potenziale von Kindern fördern will.

Das einstige Militärgefängnis beherbergt nun Cafés und Restaurants mit vietnamesischer, mexikanischer oder israelischer Küche. In dem Bau, der wegen seiner kreisrunden Form auch "Flaschen-Haus" genannt wird, befinden sich Kunstbuchhandlungen, Fitness-Studios und Läden für skandinavische Designermöbel.

In die ehemalige Gießerei zog das " KuznyaHouse" ein, eine Mischung aus Café, Kantine, Restaurant und Veranstaltungsraum.

Wie ein Disneyland der Kultur

Die drei Gebäude umrahmen einen gepflegten Park, in dem im Sommer Yoga-Klassen stattfinden oder Pétanque sowie Schach gespielt und im Winter Schlittschuh gelaufen wird. Internationale Künstler geben hier Konzerte, wie im Juni der US-Saxophonist Kasami Washington oder der britische Indie-Rocker Dave Harrington.

Kreativ soll es ganz offensichtlich auch auf Neu-Holland zugehen, doch während der Golizyn-Loft und "Sevkabel Port" als Provisorien den Eindruck vermitteln, dass alles im Fluss und möglich ist, haftet Neu-Holland etwas Künstliches an. Die "Kunst-Insel", wie sie in Sankt Petersburg auch genannt wird, wirkt in ihrer gediegenen Perfektion wie ein Disneyland, in dem Kultur und Phantasie häppchenweise an den Mann gebracht werden sollen.

Die Sankt Petersburger strömen dennoch in Scharen auf Neu-Holland, während es sich bei Touristen noch nicht so herumgesprochen hat, dass dieses Areal auch einen Besuch wert ist. Zu sehr sind ausländische Besucher darauf fokussiert, die traditionellen Sehenswürdigkeiten Sankt Petersburgs zu besichtigen, wie den Winterpalast, die Sommerresidenz der Zaren in Peterhof und die Schlossanlage in Zarskoje Selo.