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Sanfter Walbeobachtungstourismus:Zu Gast bei den Tümmlern

Hauptsächlich schätzen Fleckendelphine, Große Tümmler, Grind- und Pilotwale sowie Schnabelwale die kühle Meeresströmung und guten Futterbedingungen vor La Gomera. Insgesamt 21 von 80 Walarten sind schon gesichtet worden: auch Orkas und ein gigantischer Pottwalrücken.

Unfälle zwichen Walen und Booten

Aber nicht immer geschieht das Zusammentreffen von Mensch und Tier freiwillig. Nach neuesten Zahlen der IWC Vessel Strike Data Standardisation Group, die für die Internationale Walfangkommission Unfälle zwischen Walen und Booten dokumentiert, kommt es allein in der kanarischen Region zu durchschnittlich neun für die Tiere tödlichen Kollisionen jährlich, die Dunkelziffer scheint noch erheblich höher zu liegen.

Bei 29.000 Passagen jährlich sind es vor allem die Schnellfähren, deren Kapitänen bei Geschwindigkeiten von bis zu 40 Knoten oft nur wenige Sekunden Reaktionszeit bleiben, selbst wenn die Tiere schon auf einer Distanz von 500 Metern gesichtet werden. M.E.E.R. und andere Organisationen fordern aus diesem Grund Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 13 Knoten in den unfallträchtigsten Gebieten und setzen sich darüber hinaus für ein Meeresschutzgebiet vor La Gomera ein.

Im Rahmen des EU-Programms Natura 2000 wurde bereits das Gebiet vom Valle Gran Rey bis Playa de Santiago als Meeres-Nationalpark vorgeschlagen. Nur die Umsetzung der Kanarischen Regierung fehlt noch immer.

Das Geschäft mit den Meeressäugern

Von den Planken des Walforschungsbootes aus glaubt man sich in einer heilen Welt: Ringsherum klares Wasser ohne eine Spur von Zivilisationsmüll, in der Ferne die grünbraunen, unverbauten Hänge der Vulkaninsel La Gomera. Und doch ist der weltweite Walbeobachtungstourismus gleichzeitig ein Riesen-Geschäft und zählt zu den am schnellsten wachsenden Tourismusbranchen.

Meeresbiologen verbinden damit die Utopie, dass Whale Watching langfristig dem kommerziellen Walfang als ökologische und ökonomische Alternative den Rang ablaufen könnte. An etwa 500 Orten von Kanada bis Australien werden inzwischen Walbeobachtungstouren angeboten. Die Grindwale vor Teneriffa werden jährlich von Tausenden Touristen besucht und zählen damit zu den am stärksten beobachteten Populationen der Welt.

"Bis 1996 durften wir auch noch zu den Tieren ins Wasser", sagt Susanne Braack, "aber als immer mehr Touristen auf engem Raum mit den Walen und Delphinen planschten und immer mehr gefährdende Situationen für Mensch und Tier entstanden, wurde schließlich das gemeinsame Schwimmen ganz verboten."

Erfahren Sie auf der nächsten Seite, warum sanfte Walbeobachtung auch bedeuten kann, auf das beste Foto zu verzichten.

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