Streik Diese Rechte haben Passagiere von Ryanair

Ryanair-Passagiere müssen sich am Freitag auf Verspätungen und Flugausfälle einstellen.

(Foto: Reuters)
  • Passagiere der Fluggesellschaft Ryanair müssen sich wieder auf Streiks einstellen.
  • Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hat die in Deutschland beschäftigten Piloten aufgerufen, am Freitag ab 3.00 Uhr für 24 Stunden die Arbeit niederzulegen. Auch die bei Verdi organisierten Flugbegleiter beteiligen sich.
  • In mehreren europäischen Ländern sind Piloten und Flugbegleiter ebenfalls nicht zum Dienst angetreten.

Was tun beim Streik? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

  • Ist mein Flug vom Streik betroffen?

Erste Ansprechpartner an Streiktagen sind Reiseveranstalter und Fluggesellschaft. So bietet Ryanair hier auf der Website aktuelle Informationen zu An- und Abflügen von den deutschen Flughäfen. Bei Daten aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben. Von den Flugausfällen betroffene Passagiere würden per Mail oder SMS informiert, teilte Ryanair mit. Ihnen würden Umbuchungen oder voller Ersatz der Tickets angeboten.

  • Welche Ansprüche haben Passagiere, wenn ihr Flug verspätet abfliegt?

Wer wegen des Streiks auf dem Flughafen festsitzt, muss von der Airline betreut werden. Das können Betroffene gemäß der EU-Richtlinie 261/2004 erwarten: Ab zwei Stunden Verspätung haben sie Anspruch auf Leistungen wie zwei Telefonate, zwei E-Mails, Getränke, Essen und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Die zweistündige Wartezeit gilt für Flüge von bis zu 1500 Kilometern. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es nach drei Stunden Unterstützung, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden.

Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere vom Beförderungsvertrag zurücktreten und eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

So kommen Fluggäste zu ihrem Recht

Der Flug ist verspätet oder hebt gar nicht ab, aber die Airline weigert sich, eine Entschädigung zu zahlen. Auf diese drei Arten können Passagiere dennoch einen Ausgleich erzielen - doch nur ein Weg ist garantiert kostenlos. mehr ...
  • Müssen Passagiere für die Betreuungskosten zunächst selbst aufkommen?

Die EU-Richtlinie sieht vor, dass die Betreuung kostenlos bereitgestellt wird. Das klappt aber oft nicht. Sollte die Airline trotz Nachfrage keine Betreuung bereitstellen können, muss sich der Fluggast selbst um Verpflegung und möglicherweise ein Hotelzimmer kümmern. Dann ist es wichtig alle Belege aufzubewahren, um die Kosten anschließend der Fluggesellschaft in Rechnung stellen zu können. Diese Kosten sind verschuldensunabhängig. Die Airline muss dem Fluggast also helfen, egal ob die Verspätung durch eine Aschewolke, einen Sturm oder eben einen Streik der Flugbegleiter entstanden ist.

  • Bekommen Fluggäste eine Entschädigung für annullierte Flüge?

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung von drei Stunden oder mehr haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Der BGH hat entschieden, dass dazu auch Streiks zählen und Airlines daher nicht zur Entschädigung verpflichtet sind. Komplett ausgeschlossen sind Ausgleichszahlungen trotzdem nicht. "Entscheidend ist, ob die Airline alle zumutbaren Maßnahmen getroffen hat, um die Auswirkungen des Streiks zu vermeiden", sagte Ronald Schmid, Professor für Luftverkehrsrecht in Dresden. "Die Airline muss sogar eine Umbuchung zu einem anderen Veranstalter vornehmen, wenn es möglich ist". Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Übernachtung im Hotel übernehmen. Nur wenn sie im Einzelfall vor Gericht nachweisen könne, dass sie alles versucht habe, müsse sie keinen Ausgleich zahlen, sagt Reiserechtler Schmid.

Auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) stärkte die Rechte von Fluggästen bei Streiks. Hintergrund des Verfahrens war die ungewöhnlich große Zahl von Krankmeldungen, mit denen Mitarbeiter der Airline Tuifly im Herbst 2016 den Flugbetrieb teilweise lahmgelegt hatten. Ein solcher wilder Streik als Reaktion auf innerbetriebliche Umstrukturierung sei für eine Airline kein "außergewöhnlicher Umstand", sondern eine beherrschbare Situation und Teil der normalen Betriebstätigkeit. Den Passagieren stehe in solchen Fällen eine Entschädigung zu.

  • Muss ich trotz Streik pünktlich am Flughafen sein?

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft kurzfristig einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.