Einladungen

Wer zu Russen nach Hause eingeladen wird - was eine große Ehre ist - sollte immer eine kleine Aufmerksamkeit mitbringen. Das können Süßigkeiten für den Tee, eine Flasche Wein oder Blumen sein. Man sollte allerdings niemals eine gerade Zahl von Blumen schenken - das würde den Strauß automatisch zu einem Grabgebinde machen. Der alte Aberglaube, dass gelbe Blumen für Eifersucht und Untreue stehen, hat hingegen an Bedeutung verloren, auch wenn die Sängerin Natascha Koroljowa in ihrem Hit "Gelbe Tulpen" Anfang der Neunzigerjahre noch die zerstörerische Kraft gelber Blumen für eine Beziehung besang.

Straßenschuhe sind in russischen Wohnungen ein absolutes No-Go. Der Gast sollte erst gar nicht versuchen, in die Wohnung vorzudringen, ohne seine Schuhe im Eingangsbereich auszuziehen. Das würde fassungsloses Entsetzen auslösen. Für Besucher stehen die "Tapatschkis" ("Hauspantoffeln") bereit.

Es ist sehr ratsam, mit leerem Magen zu erscheinen. Bei den ersten Gängen sollte der Gast mit Zurückhaltung zugreifen, denn sie sind erst der Beginn einer langen Speisenfolge - und es verbietet sich, einen Gang auszulassen. Die Gastgeber wären sehr beleidigt. Vielmehr sollte es der Gast nicht versäumen, sich vom Essen und den Getränken entzückt zu zeigen. Beim Lob von Gegenständen in der Wohnung ist allerdings Vorsicht angebracht. Die Gastgeber könnten das als begehrlichen Wunsch missverstehen und würden das gepriesene Accessoire womöglich herschenken. Das obligatorische Wodka-Glas wird vom Hausherrn regelmäßig nachgefüllt, wobei es nicht auf einen Zug ausgetrunken werden muss - es sei denn, man wird dazu aufgefordert.

Bild: Sergei Maslennikov/Unsplash 19. Juni 2018, 05:262018-06-19 05:26:52 © SZ.de/kaeb/ihe/liv